Infrastruktur-Management wandert nach Übersee

14. Oktober 2008, 08:56
  • cloud
image

Der Anteil der Arbeitskosten an den Gesamtkosten für IT-Infrastrukturen nimmt rapide zu. Daraus folgt ein Trend zur Auslagerung des Infrastrukturmanagements nach Übersee, sagt McKinsey (Indien).

Der Anteil der Arbeitskosten an den Gesamtkosten für IT-Infrastrukturen nimmt rapide zu. Daraus folgt ein Trend zur Auslagerung des Infrastrukturmanagements nach Übersee, sagt McKinsey (Indien).
In der neuesten Ausgabe des Online-Magazins 'McKinsey Quarterly' sagen Vivek Pandit und Rajesh Srinivasaraghavan einen starken Trend zur Auslagerung der Überwachung von Infrastrukturen nach Übersee voraus. Die beiden Berater von McKinsey Indien berufen sich einerseits auf eine Umfrage unter 141 CIOs von multinationalen Unternehmen und analysieren andererseits den Anteil der Arbeitskosten an den Gesamtkosen von IT-Infrastruktur (Netzwerk, PCs, Helpdesks, Server, Mainframes, Speicher).
Die befragten Grossunternehmen lassen heute erst einen relativ geringen Teil ihrer Infrastruktur von Übersee aus überwachen und betreuen, wollen dies allerdings in nächster Zeit ändern. So betreiben heute ein Viertel der befragten CIOs Helpdesks in Übersee, 45 % wollen dies aber künftig tun. 22 % lassen ihr Netzwerk offshore überwachen, 41 % haben aber diesbezügliche Pläne. Am auffallendsten ist der Trend aber beim Management von Server- und Speicher-Infrastrukturen. 18 % lassen ihre Server heute offshore betreuen, 45 % wollen dies in Zukunft tun. 41 % der Befragten planen zudem, auch das Storage-Management auszulagern, praktiziert wird dies heute aber erst von 13 %.
Anteil der Arbeitskosten am Infrastruktur-Mangement hat sich verdoppelt
Der Grund dafür, dass sich Grossfirmen mehr und mehr überlegen, die Überwachung und Verwaltung der Informatik-Infrastrukturen in Tieflohnländer auszulagern, liegt auf der Hand. Angesichts von stark gesunkenen Preisen für Hardware - so ist etwa der Durchschnittspreis für einen Wintel-Server seit 1995 um 60 Prozent gefallen - steigt der Anteil der Arbeitskosten an den Gesamtkosten. Im Jahr 2000 machten Arbeitskosten erst 30 % der Gesamtkosten für IT-Infrastrukturen aus. 2010 - so die Schätzung von McKinsey - wird sich dieser Anteil auf 62 % mehr als verdoppelt haben.
Damit wächst natürlich die Verlockung, die Arbeit dorthin zu verlegen, wo sie billig ist. Ein weiterer Grund wird nicht genannt: Die Software-Lösungen für die Fernverwaltung von Infrastrukturen wurde in den letzten Jahren stark verbessert.
Die Gefahren
Doch McKinsey warnt aber auch vor den Gefahren, die die Auslagerung des Infrastruktur-Managements mit sich bringt. Der Prozess der Verlagerung selbst, kann zu Unterbrüchen führen und bedingt selbst grosse Investitionen in die Standardisierung der Infrastruktur.
Die indischen Autoren des Artikels erwähnen interessanterweise ein weiteres, für Schweizer Grossfirmen wohl sehr bedeutendes, Hindernis für die Auslagerung des Infrastruktur-Managements nicht: mögliche politische Instabilitäten. Was ist, wenn beispielsweise innere Unruhen die Systemmanager im weit entfernten Indien daran hindern, an ihre Arbeitsplätze zu gelangen? (Christoph Hugenschmidt)
McKinsey Quarterly ist kostenlos, man muss sich aber anmelden.

Loading

Mehr zum Thema

image

SASE: weit verbreitet, aber oft unterschätzt

SASE (Secure Access Service Edge) hat sich während der Pandemie in vielen Firmen bewährt. Sie konnten damit schnell die durch Homeoffice veränderte Netzwerknutzung abfangen. Viele Unternehmen übersehen aber, dass sie damit nur einen Bruchteil der Möglichkeiten nutzen, die SASE bietet.

image

Das Wachstum der Hyperscaler verlangsamt sich

Bei AWS, Azure und Google Cloud ist es jahrelang nur steil bergauf gegangen. Jetzt aber macht sich der Spardruck der Kunden bemerkbar.

publiziert am 3.2.2023
image

10?! Sabrina Storck, COO SAP Schweiz

Die Chief Operating Officer von SAP Schweiz erklärt, wie sich ihre Rolle als "Innenministerin" des Unternehmens wandelt und was es mit der Halbwertszeit von Ferienfotos auf sich hat.

publiziert am 2.2.2023
image

Cloud-Provider doppeln bei Microsoft-Kritik nach

Der US-Konzern beschränke mit seinen Lizenzbestimmungen den Wettbewerb, kritisiert die Vereinigung CISPE. Eine von ihr in Auftrag gegebene Studie soll dies jetzt belegen.

publiziert am 1.2.2023