Ingenieurinnen braucht das Land

29. Juni 2012, 12:15
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Die Schweizerische Vereinigung der Ingenieurinnen feiert ihr 20-jähriges Bestehen und zeichnet fünf Frauen aus. Ein neues Positionspapier zum Thema Bildung fordert eine Grundlagenbildung in der Technik.

Die Schweizerische Vereinigung der Ingenieurinnen feiert ihr 20-jähriges Bestehen und zeichnet fünf Frauen aus. Ein neues Positionspapier zum Thema Bildung fordert eine Grundlagenbildung in der Technik.
Schon vor 20 Jahren wurde die gleiche Klage geführt wie heute: Es gibt in der Schweiz zu wenig Ingenieure. Und vor allem zu wenig Ingenieurinnen. Deshalb wurde 1991 die SVIN gegründet, die Schweizerische Vereinigung der Ingenieurinnen, die sich die Förderung und das Vernetzen von Frauen in Ingenieurberufen zum Ziel gesetzt hat.
Die SVIN hat in ihrem 20-jährigen Bestehen immerhin einiges erreicht. So hat sich beispielsweise die Zahl der Einzelmitglieder von 90 im Gründungsjahr auf heute 310 gut verdreifacht. Dazu konnten 34 Unternehmen, darunter grosse Namen aus der Wirtschaft und von nationalen Institutionen, als Fördermitglieder gewonnen werden.
SVIN-Preise
Zu ihrem Jubiläum hat die Ingenieurinnenorganisation als Resultat einer Ausschreibung fünf Frauen mit dem SVIN-Award aus den Kategorien Leadership, technische Innovation, Frauenförderung, Politik und Lebenswerk ausgezeichnet. Es war eine glückliche Idee, die Gewinnerinnen der Awards an der Festveranstaltung in der Semper-Aula der ETH mit Kurz-Laudatios durch Kolleginnen vorzustellen.
Der Award für Leadership ging an Jeannine Pilloud, die Leiterin Personenverkehr bei der SBB, die als erste Frau in die Konzernleitung der Bundesbahnen berufen wurde. Der Preis für Politik erhielt die politisch vielfältig aktive Gemeinderätin Cristina Zanini Barzaghi aus Lugano. Für Frauenförderung wurde Katharina von Salis ausgezeichnet, sie begründete die ETH-Stelle für Chancengleichheit und half bei der Schaffung des gleichnamigen Bundesprogramms mit. Der Award für technische oder naturwissenschaftliche Innovation ging an Heike Riel, die mit ihrer Gruppe am IBM-Forschungslabor in Rüschlikon die Bildschirmtechnologie für mobile Geräte AMOLED (Active Matrix Organic Light Emitting Diode) erfand und nun nanoelektronische Bauelemente und entsprechende Materialien entwickelt. Die Anerkennung für ihr Lebenswerk schliesslich bekam Wera Hotz-Kowner, die 1963 als erste Frau das ETH-Diplom als Elektroingenieurin erwarb und seither sechs Kinder grosszog und das Unternehmen ihrer Familie leitet.
SVIN-Forderungen zum Thema Technik in der Schulbildung
An der Jubiläumsveranstaltung wurde ferner das bereits von 19 öffentlichen und privaten Institutionen der Schweiz unterschriebene SVIN-Positionspapier zum Thema Bildung vorgestellt. Das knapp und prägnant formulierte Dokument fordert von der Schule - gemeint sind Unter- und Oberstufe - "eine Grundlagenbildung in der Technik". So heisst es beispielsweise darin: "Unsere Gesellschaft braucht neben technisch ausgebildeten Fachleuten auch in der breiten Bevölkerung ein praxisbezogenes Technikverständnis. Erst dann kann Technik nachhaltig, sozialverträglich und auch ethisch vertretbar genutzt werden."
Zur Umsetzung dieses Postulats richtet die SVIN sechs wesentliche Forderungen an die Lehrer und die Lehrerausbildung. So müsse der Zugang zu einer technisch-naturwissenschaftlichen Grundlagenbildung in der Schule für alle obligatorisch erklärt werden. Dazu sei eine kind- und jugendgerechte Vermittlung des Lehrstoffes sowie des Denkens in Systemen und komplexen Zusammenhängen erforderlich. Ferner wird der lustvolle und Neugierde fördernde Umgang mit technischen und naturwissenschaftlichen Themen gefordert. Dazu gehöre das Stellen kritischer Fragen sowie das Erleben und Anwenden von Technik durch Werken und Experimentieren.
So kompakt und eingängig die Verleihung der SVIN-Awards und das Positionspapier daherkamen, so langfädig entwickelte sich leider die anschliessende Paneldiskussion durch (auch männliche) Protagonisten aus dem Bildungswesen und der Ingenieurwelt - schade um diesen weniger geglückten Abschluss der sonst gut und informativ gestalteten SVIN-Jubiläumsveranstaltung. (Gregor Henger)

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