Ingram Micro Schweiz in der Grossoffensive

9. September 2005, 14:46
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Unter dem Namen "XXL Distribution" verlegt Ingram Micro einen Teil des Lagers in die Münchner Zentrale. Gleichzeitig erweitert Ingram das in der Schweiz verfügbare Sortiment massiv und kündigt eine Preisoffensive an.

Unter dem Namen "XXL Distribution" verlegt Ingram Micro einen Teil des Lagers in die Münchner Zentrale. Gleichzeitig erweitert Ingram das in der Schweiz verfügbare Sortiment massiv und kündigt eine Preisoffensive an.
"Freuen Sie sich auf ein aggressives Pricing", sagte gestern Abend Joe Feierabend an der Feier zum 10. Geburtstag von Ingram Micro Schweiz vor gut 500 Gästen. Hinter der angekündigten Preisoffensive steckt ein für die Schweizer Distribution ziemlich revolutionärer Schritt: Ingram Micro verlegt einen Teil des Lagers in das riesige Zentrallager bei München (Foto) und beliefert die Reseller ab sofort aus zwei Lägern.
Die Produkte von etwa 40 Top-Herstellern (HP, Acer, Fujitsu Siemens, BenQ etc.) sowie alle Schweiz-spezifischen Waren (Stecker, Tastaturen) bleiben im Ingram-Lager in Altishofen verfügbar. Alle anderen Produkte, z.B. HP-Verbrauchsprodukte werden ab dem Münchner Lager direkt an den Endkunden oder an die Reseller geliefert: Lieferfrist: "Next Day". Gleichzeitig weitet Ingram Micro Schweiz das Sortiment um etwa 300 (!) Hersteller aus und erhöht die Verfügbarkeit. Ingram-Schweiz-Chef Joe Feierabend spricht von einer Verzehnfachung (!) der durchschnittlichen Verfügbarkeit.
Lagerstandort im System sichtbar
Für Reseller ändert sich am Bestellprozess nichts, er sieht aber im Online-Bestelltool, ob ein Produkt in der Schweiz oder in Deutschland liegt. Bei Bestellung bis 18 Uhr werden die Waren in München des Nachts gerüstet und überqueren um 5 Uhr Morgens den Schweizer Zoll. Von dort aus gehen sie in einen Hub von DHL in Pratteln, werden umgeladen und mit so genannten "Linehauls" auf Depots verteilt. Dort werden die Waren noch einmal in kleinere Lieferwagen umgeladen, die sie dann zum Endkunden oder zum Reseller bringen.
Da die Reseller im Online-Bestelltool sehen, wo die Ware liegt, sind sie über Liefertermin und Abholmöglichkeiten informiert. Waren, die in Altishofen liegen, können bis 21 Uhr gleichen Tags abbgeholt werden oder sie werden bis Mittag des nächsten Tags ebenfalls über DHL geliefert. Waren aus München werden prinzipiell am Tage nach der Bestellung geliefert. Die Transportkosten sind für Reseller für alle Waren gleich. Gemäss Feierabend sind für Ingram die Transportkosten für Waren ab München etwas höher, dagegen die Handlingkosten in der Schweiz etwas tiefer.
Rationalisierung im Lager, Aufbau im Vertrieb
Im Ingram-Lager in Altishofen wird ein gewisser Rationalisierungseffekt entstehen. Vorerst, so Joe Feierabend, werden temporäre Mitarbeitende seltener beschäftigt. Hingegen will Ingram den Vertrieb in der Schweiz aufbauen und unter dem Strich mehr Mitarbeitende beschäftigen.
Kommentar: Vor weiteren Konsolidierungsrunde in der Schweizer Distribution
Das neue Logistikkonzept von Ingram Micro wird lokale Distributoren massiv unter Druck setzen. Ingram kann den Resellern ein riesiges Sortiment anbieten (man denke nur an das Geschäft mit Verbrauchsmaterial) und trotzdem die eigenen Logistikkosten senken. "Wenn ich aus Altishofen pro Tag 300 Pakete mehr versenden will, muss ich mehr Leute einstellen. In München fallen 300 Pakete hingegen nicht ins Gewicht - die rüsten 20'000 Pakete täglich", erklärt Feierabend.
Gleichzeitig will Ingram die so erzielte höhere Marge mindestens teilweise für Preiskämpfe einsetzen und so den eigenen Marktanteil erhöhen. Das Beispiel Österreich sollte Ingram-Konkurrenten warnen. Ingram Österreich war lange Jahre klein und nicht profitabel. Seitdem Österreich mit einem ähnlichen, aber noch viel weiter gehenden Konzept beliefert wurde, wachsen die Ingram-Umsätze wie auch Gewinne in Österreich stark. (Christoph Hugenschmidt)

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