Innerschweizer Software-Tycoon soll ins Gefängnis (Update)

4. Oktober 2016, 14:00
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Luzerner Kriminalgericht verhängt Gefängnisstrafen im Prozess um die Comparex-Bison-Affäre.

Luzerner Kriminalgericht verhängt Gefängnisstrafen im Prozess um die Comparex-Bison-Affäre.
Das Luzerner Kriminalgericht ist im Prozess gegen den ehemaligen Bison-Schweiz-Chef Rudolf Fehlmann den Anträgen der Staatsanwältin weitgehend gefolgt. Es verurteilt ihn zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. Sechs Monate der Strafe werden unbedingt ausgesprochen.
Das Urteil liegt erst im Dispositiv - dem Entscheid an sich - vor und ist noch nicht rechtskräftig. Angesichts der riesigen Diskrepanz zwischen den Positionen von Verteidigung und Anklage im Prozess und der hohen Strafe ist gut vorstellbar, dass der Angeklagte gegen das Urteil Berufung einlegen wird. Der Anwalt war bis zum Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Die Staatsanwältin hatte eine Strafe von zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis beantragt.
Das Gericht spricht den Mann, der während so vieler Jahre die Geschicke der Bison-Gruppe geleitet hat, insbesondere der ungetreuen Geschäftsführung (Artikel 158 des Strafgesetzbuches) schuldig. Das gleiche, harte Urteil fällte das Gericht im getrennten Prozess gegen den heutigen Geschäftsführer von Bison IT Services, Oliver Schalch, wie aus dem Dispositiv des Urteils hervorgeht. (Update 17:50 Uhr) Auf Anfrage sagt der Anwalt von Schalch zu inside-channels.ch, dass man auf "jeden Fall" in Berufung gehen wird.
Die Comparex-Bison-Affäre
Zum Strafverfahren gegen Fehlmann und Schalch, sowie gegen weitere ehemalige Kadermitarbeiter der damaligen Comparex Schweiz kam es nach der so genannten Comparex-Bison-Affäre. Im April 2010 kündigte praktisch die gesamte Belegschaft und die ganze Geschäftsleitung der damaligen Firma Comparex Schweiz auf einen Schlag. Sie wechselten zur später gegründeten Firma Bison IT Services. Sowohl Comparex Schweiz wie auch später Bison IT Services wurden und werden von Schalch geleitet.
Fehlmann war als Vertreter des Minderheitsaktionärs, der Softwarefirma Bison, die damals teilweise und heute ganz der milliardenschweren Bauerngenossenschaft Fenaco gehörte, im Verwaltungsrat von Comparex Schweiz. Aus diesem trat er kurz vor dem Eclat zurück.
Zur Massenkündigung war es nach einer erregt verlaufenen Mitarbeiterversammlung am 13. April 2010 gekommen, an der auch Fehlmann anwesend war. Nach der Mitarbeiterversammlung wurde jedem Mitarbeitenden eine individuell vorbereitete "Vereinbarung Anstellungsverhältnis" und eine vorgedruckte Kündigung gegeben. Comparex Schweiz, respektive die Nachfolgefirma DC & POS hat den Massenexodus nicht überlebt.
Zur Mitarbeiterversammlung 2010 war es gekommen, weil man bei Comparex Schweiz (wohl zu Recht) Restrukturierungen befürchtete. Gemäss der Staatsanwältin stand Schalch vor der Entlassung. Fehlmann habe dies verhindern wollen. Durch den Massenexodus sei "eine gesunde Firma in wenigen Stunden zerstört worden", so die Anklage am Prozess.
Das Gericht ist dieser Einschätzung nun offenbar gefolgt.
Ein nie gesehener Vorgang
Der Massenexodus fast aller Mitarbeitenden aus der damaligen Comparex Schweiz ist ein in der helvetischen IT-Szene nie gesehener Vorgang. Der damalige Chef des Mehrheitsaktionärs PC-Ware sprach wenige Tage danach von "Diebstahl" und einer "kriminellen Aktion". (Christoph Hugenschmidt)

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