Innovation per Zufall

22. August 2014, 09:38
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Wer nicht auf Innovationen setzt, verliert den Anschluss. Deshalb dürfen Unternehmen die Innovation nicht dem Zufall überlassen, wie eine Umfrage zeigt.

Wer nicht auf Innovationen setzt, verliert den Anschluss. Deshalb dürfen Unternehmen die Innovation nicht dem Zufall überlassen, wie eine Umfrage zeigt.
Das systematische Führen von Innovationen ist zu einem kritischen Erfolgsfaktor geworden, der über nachhaltigen Erfolg und Misserfolg eines Unternehmens entscheiden kann. Dabei reichen inkrementelle Veränderungen des Status quo schon lange nicht mehr aus. Gefragt sind heute vermehrt strategische Innovationen mit grosser Tragweite im gesamten Unternehmen und im Markt. Ohne diese Fähigkeit laufen viele Unternehmen Gefahr, dass ihr traditionelles Geschäft früher oder später zu einem Auslaufmodell wird und sie den Anschluss verlieren.
Genau aus diesem Grund widmete sich der dritte C-Level-Roundtable am 3. Juli im Park Hyatt in Zürich dem Thema "Strategische Innovationen von oben führen und gestalten". An diesem von Cognizant und Boydak Strategy Consulting unterstützten Anlass entwickelte sich unter den 67 anwesenden Top-Managern eine spannende Diskussion.
Fast drei Viertel der teilnehmenden Top-Manager geben an, dass der Druck auf die Unternehmen zu fortwährender Innovation sehr hoch sei.
Als grösster Treiber für Innovationen in Unternehmen wurde auf dem jüngsten C-Level Roundtable die Digitalisierung genannt. Gefolgt von Big Data. Eines der Schlagworte dazu ist SMAC (Social, Mobile, Analytics and Cloud). Die vier Technologien stehen stellvertretend für das Potential an neuen Produkten und Geschäftsmodellen, die durch das Zusammenspiel der Trends des Social Networkings, Mobile Computing, Analytics (Big Data) und Cloud Computing entstehen.
Gleichzeitig geben in der Umfrage aber mehr als die Hälfte der anwesenden Top-Manager an, dass bloss 1 bis 10 Prozent ihrer Unternehmens-Umsätze auf Innovationen der vergangenen drei Jahre zurückgeführt werden können. Noch reichlich Potential also in Schweizer Unternehmen.
Zentral für eine höhere und stetige Innovationskraft ist das Vorhandensein einer intelligenten Herangehensweise an das Thema Innovationen. Dabei lassen sich laut Moderator Ralph Landolt (Vice President bei Boydak Strategy Consulting), drei Arten von Innovation unterscheiden: Zum einen disruptive neue Produkte, Services oder gar Geschäftsmodelle (Create). Zweitens die transformative Umgestaltung eines bestehenden, etablierten Geschäftes (Transform). Und drittens die Optimierung bereits zur Marktreife gelangter Produkte und Dienstleistungen (Optimize).
In vielen Organisationen sind strategischen Innovationen jedoch eher dem Zufall überlassen. Eine unzureichende Herangehensweise. Vielmehr sollte der Zufall durch einen strategischen Ansatz für Innovationen in einem Unternehmen ersetzt werden. Und zwar angestossen von der Unternehmensführung, von oben also. Nur durch diese strategischen Innovationen können fundamentale Veränderungen mit hoher Ertragskraft nachhaltig herbeigeführt werden.
Umso überraschender war vor diesem Hintergrund ein weiteres Ergebnis der Umfrage unter den teilnehmenden Top-Managern. Demnach wählt nur ein Drittel der Schweizer Unternehmen den Ansatz, mit dem ein Innovationsprojekt verfolgt wird, in Abhängigkeit von der Art der Innovation. Alle anderen machen diesbezüglich keine Unterscheidung im Projektablauf.
Die Befragung der C-Level Community ergab eine auf den ersten Blick relativ niedrige Erfolgsrate von Innovationsprojekten von durchschnittlich 31 Prozent in Schweizer Unternehmen. Gerade dann aber ist auch das Top-Management gefragt. Eine in allen Unternehmensebenen verankerte Innovationsfähigkeit verlangt vom Unternehmensleiter auch die Toleranz, dass ein von Mitarbeitenden entwickeltes Produkt ein Misserfolg ist. Dass Mitarbeitende Innovationskultur als Bestandteil der Unternehmens-DNA verinnerlichen, ist die notwendige Bedingung. Gelingt es dann noch, diese Innovationskultur mit ausgeklügelten Innovationskonzepten zu verknüpfen, wird die Unternehmensführung die Mitarbeitenden erfolgreich dazu befähigen, echte Marktchancen zu erkennen und das Unternehmen nachhaltig in einem globalisierten Wirtschaftsumfeld zu positionieren.
Deshalb ist es nicht nur entscheidend, dass ein Unternehmen genügend Ressourcen zur Verfügung stellt, sondern auch die richtigen Personen mit der Aufgabe betraut werden. Was die organisatorische Struktur für Innovationsprojekte innerhalb eines Unternehmens betrifft, zeigen sich die Schweizer Unternehmen gespalten. Etwa die Hälfte der Top-Manager gibt an, ihr Innovations Know-how in einem oder mehreren Exzellenzzentren gebündelt zu haben, wohingegen die andere Hälfte dieses im ganzen Unternehmen gestreut hat.
Die Steuerung strategischer Innovationen lässt sich nicht tief in die Organisation delegieren, sondern erfordert höchste Aufmerksamkeit auf Top-Management-Ebene. Daher sollte neben der Förderung der Innovationsfähigkeit an der Basis (Bottom-up-Ansatz) auch der Top-down-Ansatz verfolgt werden. Im Laufe der Diskussion auf dem Roundtable kristallisierte sich zunehmend heraus, dass eine Kombination der beiden Ansätze am sichersten zum Ziel führe. (mim)
Über C-Level
C-Level ist eine Community, die aus der Mitte der Schweizer Manager entstanden ist. Im Rahmen ihrer Aktivitäten werden regelmässige C-Level-Roundtables veranstaltet und das C-Level Magazin publiziert. Über 700 der wichtigsten 3'000 Schweizer Top-Executives bringen sich bereits aktiv in der Community ein. C-Level befragt regelmässig Mitglieder zu aktuellen Themen und veröffentlicht die Resultate auf inside-it.ch.

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