inside-channels.ch in der E-Business-Hölle (II); Digital Workflow

24. Februar 2006, 17:49
  • kolumne
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht

Unser geniales "Digital Workflow Management System" (DWMS)
Es gibt in der Schweiz vielleicht 50 Journalisten und Journalistinnen, die sich hauptsächlich mit Informationstechnologie beschäftigen. Von diesen 50 sind wohl mindestens die Hälfte sehr technologie- und anwendernahe (das Paradebeispiel ist Peter Wolf vom Cash - anwendernäher geht's nicht), beschäftigen sich also mit allen Fragen von der Bedienung eines Handys bis zur korrekten Einrichtung eines SANs unter Berücksichtigung von ITIL.
Diesen 50 Schreiberlingen stehen mindestens 200 PR- und Kommunikationsleute gegenüber, die meisten eher Business-orientiert. Die grossen (meist US amerikanischen Firmen) halten sich eigene Kommunikationsabteilungen, kleinere Firmen nehmen oft die Hilfe einer spezialisierten Agentur in Anspruch. Zu den 200 PR-Menschen in der Schweiz kommen noch etwa 1'000 aus Deutschland und einer aus Österreich hinzu, die immer wieder mal anfallsmässig herausfinden, dass die Schweiz existiert.
Nichts gegen PR - inside-channels.ch wäre ziemlich mager, wenn die Kommunikationsleute nicht das tun würden, was sie am besten können (sollten): Kommunizieren. Trotzdem entsteht aus dem oben geschilderten Ungleichgewicht ein gewisser Druck. Die Kommunikatoren stehen nämlich in einem Konkurrenzverhältnis untereinander und lassen sich deshalb laufend noch originellere, bessere, informativere, attraktivere Anlässe einfallen, an denen wir Journis die richtige Sicht der Welt kennen lernen.
Konkret: Wir von inside-it.ch sind drei Journalisten sowie ein paar Freie, die hie und da für uns schreiben. Für uns drei gibt es pro Tag durchschnittlich etwa sechs verschiedene Anlässe mit unterschiedlichem Attraktivitätsgrad - von der Vorstellung der brandneuen All-in-One-Security-Appliance (neu mit "Intrusion Detection"!!) der deutschen Firma "Westwall" an einem Medienapero während der Cebit in Halle 29 / Stand 463A ("Ach Herr Hugenschmidt - Sie müssen unbedingt kommen, unser CEO Peter Gaumüller wird Ihnen auch gerne für ein 1:1 zur Verfügung stehen und Sie bekommen noch einen USB-Stick") bis zum exklusiv-Interview mit Bill Gates (kommt noch).
Das Problem an der Sache ist: Irgendeinmal sollten wir auch mal arbeiten - wir können also unmöglich sämtliche der attraktiven, USB-Stick-umwölkten, mit Bootsfahrten und Weindegustationen versüssten, an originellen Orten wie auf dem Titlis stattfindenden Veranstaltungen besuchen.
Digital Workflow- and Document-Management by inside-channels.ch
Als moderne, E-Business-orientierte Firma rücken wir dem Problem natürlich mit Informationstechnologie auf den Leib. Das geht so: Es gibt eine E-Mail-Adresse an die alle Einladungen gehen sollten. Die einkommenden Einladungen werden ausgedruckt (Pfuiii! - es ist aber nötig, weil es auch Einladungen per Post gibt und es einfacher ist, ein Mail in ein Papierdokument zu konvertieren als umgekehrt) und in einen Ordner namens "Einladungen" verschoben. Die Papierversionen kommen in ein Plastikschächteli (Bild).
Genau an diesem Punkt setzt die uns eigene Genialität ein: Die Einladungen werden als nächster Schritt nämlich in einem Humidor bei konstant 12,9 Grad Celsius und 87,6 % Luftfeuchtigkeit eingelagert. Wenn wir so alle 45 Tage aus dem Drogenrausch erwachen und zufällig alle gleichzeitig hier sind (siehe oben), dann kann es vorkommen, dass wir die Anlässe, zu denen wir eingeladen sind, seriös und nach redaktionellen Gesichtspunkten diskutieren. Und merken dass sie alle schon vorbei sind.
Womit der ungeheure Rationalisierungseffekt von "DWM" (Digital Workflow Management) bewiesen wäre. In nur 30 Sekunden schaffen wir es dann nämlich, die angehäuften Einladungen durchzusehen und wegzuwerfen. (Christoph Hugenschmidt)

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