"Insieme"-Projekt: Bund wagt neuen Anlauf

18. Juni 2010, 14:38
  • e-government
  • estv
  • beschwerde
  • unisys
  • sap
image

Drei Jahre Verspätung, ein Beschwerdeverfahren, 155 Millionen Franken Projektkosten. Doch die Eidgenössische Steuerverwaltung hofft nun, dass das Projekt mit einem neuen Kredit bis 2013 abgeschlossen werden kann.

Drei Jahre Verspätung, ein Beschwerdeverfahren, 155 Millionen Franken Projektkosten. Doch die Eidgenössische Steuerverwaltung hofft nun, dass das Projekt mit einem neuen Kredit bis 2013 abgeschlossen werden kann.
Als die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) im Frühjahr 2005 die ersten Aufträge für das Informatik-Projekt "Insieme" ausschrieb, ging man noch davon aus, dass das umfangreiche Erneuerungsprojekt im Jahr 2010 zu Ende sein werde. Das Projekt befindet sich jedoch noch heute in der ersten von fünf Umsetzungsetappen und soll erst 2013 abgeschlossen sein. Wie kam es zu dieser Verzögerung?
Widerruf des Zuschlags an Unisys
Nach dem Zuschlag an Unisys im März 2006. Im Dezember 2008 konnten sich die beiden Parteien aber aussergerichtlich einigen, sprich: Der Bund leistete eine Entschädigungszahlung – wie viel, ist nicht bekannt. Dafür liess Unisys die damals angedrohte Schadensersatzklage fallen und kam in der Folge zu anderen Aufträgen der Bundesverwaltung.
Nun wird das Projekt reaktiviert. Der Bundesrat hat sich an seiner heutigen Sitzung für zusätzliche Mittel für das IT-Projekt ausgesprochen – und zwar in der Höhe von 56,5 Millionen Franken. Das Parlament wird gemäss Budgetprozess im Dezember darüber entscheiden. 71 Millionen Franken hat das Parlament bereits 2006 genehmigt, die restlichen Kosten (27,6 Millionen) müssen nicht genehmigt werden, da sie mit bundesinternem Personal geleistet werden. Die Gesamtprojektkosten betragen – inklusive Altlasten – 155,1 Millionen Franken. ESTV-interne Kosten sind hier aber nicht mitgerechnet.
Jährlich 200 Millionen Franken Einsparungen
"Insieme" ersetzt die bestehenden, bald 30-jährigen IT-Systeme der ESTV. Das Projekt betrifft über 900 Mitarbeitende der ESTV, die jährlich weit über eine Million Steuerabrechnungen bearbeiten. Ziel des Projekts bleibt das gleiche wie 2005: Der Bau einer Plattform, die den Steuerpflichtigen "den Zugang zu elektronischen Dienstleistungen erleichtert sowie eine rasche und transparente Abwicklung von Geschäften erlaubt", wie es in einer Mitteilung des Finanzdepartements heisst. Zudem muss "Insieme" Vorgaben erfüllen, die seit Projektbeginn im Bundesumfeld entstanden sind, wie etwa die Umsetzung der Anforderungen der Mehrwertsteuer-Reform sowie die Anbindung an die seither eingeführte Finanzbuchhaltung (SAP). Der Bund rechnet mit jährlichen Einsparungen von über 200 Millionen Franken, welche die Projektkosten "bei weitem" decken sollen.
Zurzeit bereitet die ESTV die WTO-Ausschreibung vor, damit nach der erhofften Genehmigung durch das Parlament Ende Jahr begonnen werden kann. Ausgeschrieben werden im wesentlichen Beratungsleistungen und Softwarekomponenten. (Maurizio Minetti)

Loading

Mehr zum Thema

image

Justitia 4.0: Anwälte können Portokosten sparen

Nächstes Jahr startet die Entwicklung von Justitia 4.0. Im Interview erläutert Gesamtprojektleiter Jacques Bühler, wie er Anwälte überzeugen will, warum die Post auf Millionen verzichten muss und weshalb das Mitmachen der Kantone freiwillig ist.

publiziert am 23.9.2022
image

Die Steuerverwaltung zentralisiert ihre Online-Dienste

Alle E-Services der ESTV werden ab November über das ePortal des Finanzdepartements zugänglich. Zudem sollen dort neue Services angeboten werden.

publiziert am 23.9.2022
image

Das OIZ der Stadt Zürich hat seine SAP-Dienstleister bestimmt

Für 22 Millionen Franken hat sich der Stadtzürcher IT-Dienstleister SAP-Unterstützung in 4 Bereichen gesichert.

publiziert am 23.9.2022
image

Podcast: Eh, eh, eh... EPD, E-Impfbüechli und E-ID

Ein neuer Anlauf mit dem digitalen Impfbüechli steht bevor. Und auch beim EPD solls endlich vorwärtsgehen. Aber kommt das gut? Darüber reden wir in der aktuellen Podcast-Folge und sagen, was das alles mit der E-ID zu tun hat.

publiziert am 23.9.2022