"Insieme": So viel kostet der Weiterbetrieb

26. Februar 2013, 09:00
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Bis zum Ende des Jahrzehnts könnten die veralteten Systeme der Steuerverwaltung "Stolis" und "Molis" noch laufen. Der Betrieb bis maximal 2019 kostet ohne Mehrwertsteuer knapp 16 Millionen Franken.

Bis zum Ende des Jahrzehnts könnten die veralteten Systeme der Steuerverwaltung "Stolis" und "Molis" noch laufen. Der Betrieb bis maximal 2019 kostet ohne Mehrwertsteuer knapp 16 Millionen Franken.
Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) ist bekanntlich mit ihrem Vorhaben, veraltete Software-Systeme abzulösen, vorläufig gescheitert. Im Rahmen des gestoppten Projekts "Insieme" hätten die veralteten Systeme "Stolis" (Stempelsteuer-Informationssystem) und "Molis" (MWST-Informationssystem) abgelöst werden sollen. Doch nun müssen die Systeme bis auf Weiteres betrieben werden, was noch jahrelang Kosten verursacht. Das ist insofern keine Überraschung, hatte der Bund doch bereits im Vorjahr bei der Bekanntgabe des Stopps eingeräumt, dass das System noch Kosten verursache, solange es noch betrieben werden muss.
Freihändige Vergabe
Doch erst jetzt zeigt ein jüngst vergebener Zuschlag an Fujitsu Technology Solutions in Regensdorf das ungefähre Ausmass. Hardware-Wartung und Software-Pflege des Mainframes BS2000 bis maximal 31. Dezember 2019 kosten 15,7 Millionen Franken - ohne Mehrwertsteuer. Der Grundauftrag hat ein Volumen von rund 4 Millionen. 6,2 Millionen machen die Standardwartung aus und 5,5 Millionen kostet die erweiterte Wartung.
Der Auftrag wurde freihändig vergeben, was wohl damit zu tun hat, dass nur Fujitsu den in die Jahre gekommenen Grossrechner warten kann. Beim Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT), das den Auftrag vergeben hat, will man den Grund für die freihändige Vergabe aber nicht kommentieren, da die Rechtsmittelfrist noch nicht abgelaufen ist.
System aus den Achtzigern
Es ist ausserdem damit zu rechnen, dass der Bund für den Weiterbetrieb noch zusätzliche Kosten hat, etwa für die Telekommunikation oder für das Personal, das nach wie vor dafür zuständig ist. Es dürfte darüber hinaus nicht einfach sein, Spezialisten zu finden, die sich mit diesem veralteten Grossrechner auskennen.
Die Mainframe-Betriebssystemplattform BS2000 wird ausschliesslich für den Betrieb der veralteten Systeme verwendet. Wann diese Lösungen, die schon seit den Achtzigerjahren im Einsatz sind, nun nach dem gescheiterten "Insieme"-Projekt abgelöst werden, ist weiterhin offen. Bei der ESTV heisst es auf Anfrage, man könne zum Fahrplan keine konkreten Angaben machen, da diesbezüglich noch keine Entscheide gefallen seien. "Solche sind vor dem Amtsantritt des neuen ESTV-Direktors auch nicht zu erwarten", schreibt ESTV-Sprecherin Esther Schönenberger Bloch in einem E-Mail an inside-it.ch. Der neue ESTV-Chef Adrian Hug wird die Leitung am 1. April 2013 übernehmen. (Maurizio Minetti)

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