Intel lanciert neue Atom-CPUs für Mikroserver

13. Dezember 2012, 10:44
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Als ersten 6-Watt-Serverprozessor der Welt stellt Intel den Centerton-SoC Atom S1200 vor und sieht ihn prädestiniert für hochverdichtete Mikroserver. Ein Angriffsziel ist es, ARM in dem Segment auszuhebeln.

Als ersten 6-Watt-Serverprozessor der Welt stellt Intel den Centerton-SoC Atom S1200 vor und sieht ihn prädestiniert für hochverdichtete Mikroserver. Ein Angriffsziel ist es, ARM in dem Segment auszuhebeln.
Im Frühjahr 2012 unter dem Codenamen Centerton angekündigt, hat Intel jetzt den Startschuss für die neue Atom-S1200-Produktfamilie gegeben und preist sie als erste SoC- oder System-on-Chip-Serverprozessoren mit einer Leistungsaufnahme (TDP) von nur 6 Watt an. Zunächst in drei Varianten mit 1,6 bis 2,0 GHz verfügbar, unterstützt der Atom S1200 im Gegensatz zu seinen Netbook-Vettern die 64-Bit-Adressierung, Intel VT (Virtualisierungstechnik) und Error Correcting Code (ECC) für optimale Speicherverfügbarkeit. Damit soll sich der 6-Watt-SoC ideal für Mikroserver, einfaches L2-Switching und Low-End-Storage eignen. Intel verweist schon auf über 20 Gerätedesigns von Herstellen wie HP, Dell, Quanta, Huawei, QNAP und Supermicro, um nur die bekannteren zu nennen.
SeaMicro aussen vor?
Die Rolle von SeaMicro, Anfang des Jahres von Erzrivale AMD übernommen und einer der ersten Anbieter von Atom- und Xeon-basierten Mikroservern, lässt Intel beim Launch der neuen Atom-Prozessoren völlig aus. Stephan Gillich, Director HPC and Workstation aus dem Product Marketing EMEA, konnte und wollte sich bei der Vorstellung des ersten "Datacenter Atom SoC" gestern in München auch nicht zu SeaMicro äussern. Tatsächlich hat sich das kalifornische Startup-Unternehmen bei neuen Produkten wie dem SM15000 zwar auch auf Opteron- und ARM-Prozessoren eingestimmt, lässt aber optional weiterhin Intel-Lösungen zu, die über die gesamte Palette immer noch dominieren. Dies sind stromsparende 64-Bit-Atom-Vorgänger und Xeon-Prozessoren wie die aktuelle E3-Familie.
Mikroserver ist nicht gleich Mikroserver
Unabhängig von der Schreibweise bezeichnet Mikroserver (Microserver, Micro-Server etc.) zwei verschiedene Gerätekategorien. Mal sind es 1-Sockel-Einstiegsserver wie so benannte von Acer, Fujitsu und HP, mal sind es Geräte nach der von Intel vorgegebenen Definition. Danach handelt es sich um eine Plattform mit vielem 1-Sockel-Servern, die sich für die optimale Energieeffizienz bei maximaler Knotendichte meist im Rack-Verbund die Gehäuseinfrastruktur mit Ressourcen wie Ventilatoren und Stromversorgung teilen. HP besetzt mit dem 1P-Einstiegsserver ProLiant Mikroserver und dem immer noch in der Beta-Phase befindlichen Projekt Moonshot als "Low-Power High-Density Server" beide Kategorien. Wurde dieses im November 2011 zunächst mit ARM-Prozessoren von Calxeda gestartet, ist der Marktführer Mitte 2012 dann aber unter dem Namen Gemini auch auf Intels Atom-CPUs eingeschwenkt. Erklärt wird das von HP unter anderem mit der lange bewährten Partnerschaft und dem breiten X86-basierten Software-Ökosystem, aber auch mit der hohen Energieeffizienz bei leicht parallelisier- und skalierbaren Anwendungen. Parallelisierung ist für Gillich ein wichtiges Stichwort. Ihm zufolge können das eine Anwendung wie HPC-Simulationsberechnungen, aber auch mehrere unterschiedliche Anwendungen sein. B2B steht klar im Vordergrund, aber für denkbar hält der Intel-Manager auch, dass Firmen wie Buffalo oder D-Link die 64-Bit-Atoms für Heim-NAS-Boxen einsetzen.
Bis zu über 1000 Knoten in einem Rack
Immer wieder genanntes Mikroserver-Anwendungsbeispiel ist Hadoop für die Analyse grosser Datenmengen. Gillich sieht die Stärken von Atom-Prozessoren für Mikroserver eher im dedizierten Web-Hosting, im Netzwerkbereich beim Second-Level-Routing auf MAC-Ebene und bei einfachen Storage-Lösungen. Die Stärken der Xeon-E3-Prozessoren lägen dagegen bei der deutlich höheren Rechenleistung sowie bei der höheren Speichergrösse, Latenzzeit und Durchsatzrate.
Die neuen Atom-S1200-Prozessoren, die mit acht Anschlüssen für PCI Express 2.0 ab sofort schon zu Volumenpreisen von 54 Dollar pro Stück angeboten werden, lassen bis zu über 1.000 Nodes (Knoten oder Prozessoren) in einem Rack zu. Im Web-Serving sollen damit bis zu fünfmal mehr Nodes pro Rack zur Verfügung stehen. Der Xeon LV E3 (LV für Low Voltage oder Niedrigenergie) bietet dagegen bis zu zweimal so viele Web-Transaktionen pro Minute und Rack, so das Versprechen von Intel.
Ausblick Atom Avoton und Xeon E3 V3
Mit PCIe und dem Speichercontroller an Bord kann der Atom S1200 schon unter dem Modebegriff System-on-Chip durchgehen, noch mehr SoC-Funktionalitäten samt Ethernet verspricht der für 2013 angekündigte "Atom Avoton" auf Basis der 22-Nanometer-Technologie mit Tri-Gate-Fertigung. Die aktuellen Server-Atoms kommen noch mit einer Strukturbreite von 32 nm, ebenso wie die im Verbrauch von 45 auf 17 Watt deutlich reduzierten Xeon-E3-Prozessoren. Mit Version 3 soll nach Intels Toc-Toc-Modell 2013 mit Haswell der Wechsel zur 22-nm-Fertigung vollzogen werden, ab 2014 dann mit 14 nm noch feinere Strukturen im Serverbereich Einzug halten. (Klaus Hauptfleisch)

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