Intel tritt ins E-Mail-Fettnäpfchen

8. März 2007, 10:57
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Intel auf der Suche nach "verlorenen" E-Mails: Zu wenig durchdachte Prozesse beim Umgang mit E-Mails könnten Intel teuer zu stehen kommen.

Intel auf der Suche nach "verlorenen" E-Mails: Zu wenig durchdachte Prozesse beim Umgang mit E-Mails könnten Intel teuer zu stehen kommen.
Im Zusammenhang mit der Klage wegen Verstösse gegen das Kartellrecht, die AMD 2005 eingereicht hat, müsste Intel dem Gericht den E-Mail-Verkehr einiger seiner Angestellter offenlegen. Am Montag erklärte Intel nun, dass einige dieser Mails möglicherweise gelöscht wurden, und zwar, das ist das entscheidende, nachdem AMD die Klage eingereicht hatte und klar war, dass Intel die Mails für den Prozess würde vorlegen müssen. Ob man sie über Umwege noch wiederherstellen könnte, ist unklar.
Der zuständige Richter geht im Moment nicht davon aus, dass Absicht im Spiel war, sondern vermutet ein Versehen – das allerdings für ein IT-Unternehmen besonders peinlich ist. Er hat nun Intel und AMD angewiesen, bis in einem Monat abzuklären, wie relevant die betroffenen Mails für den Prozess wären, und ob sie allenfalls doch wiederbeschafft werden könnten.
Auch wenn der Richter keine böse Absicht vermutet, könnte die Geschichte für Intel Folgen haben. Schon die Suche nach allenfalls noch herumliegenden Backup-Tapes wird einigen Aufwand verursachen. Ausserdem könnte der Richter, auch wenn es nur ein Versehen war, Intel wegen Nichtbefolgung der Vorschriften eine saftige Busse in der Höhe von mehreren Millionen Dollar verpassen. Im schlimmsten Fall könnte er sogar die Geschworenen anweisen, diese Mails, auch ohne ihren Inhalt zu kennen, als wahrscheinlich belastend für Intel zu betrachten.
Zu viel Eigenverantwortung
Die Ursache war offensichtlich ein unsorgfältig und zuwenig konsequent eingerichteter Prozess für die Archivierung der relevanten Mails, der es den betroffenen Angestellten mehr oder weniger selbst überliess, die Mails zu speichern, oder nicht. Bei Intel werden Mails, die von den Angestellten nicht auf ihren Harddisks abgespeichert werden, nach rund drei Monaten automatisch von den Servern gelöscht (In den USA legitim, solange keine Klage vorliegt.).
Nachdem die Klage eingereicht worden war, begann Intel, einmal in der Woche Backups des Mail-Verkehrs von Angestellten mit möglicherweise relevanten Mails zu erstellen. Das Problem: Mails, die vorher verschickt worden waren, konnten immer noch gelöscht werden, wenn die Angestellten sie nicht selbst gespeichert hatten. Und auch spätere Mails konnten Angestellte problemlos von den Servern entfernen, bevor ein Backup gemacht wurde. Zusätzlich wussten einige der betroffenen Angestellten offensichtlich gar nicht, dass sie die Mails selbst speichern sollten: Sie nahmen an, dass sie auf den Servern besser gesichert wären und speicherten sie darum gar nicht auf ihren PCs. (Hans Jörg Maron)

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