Intels Smartphone- und Tablet-Offensive beginnt

11. Januar 2012 um 11:01
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Motorola und Lenovo kündigen an der CES in Las Vegas Intel-Smartphones an - "unglaubliche Multitasking-Performance und kein Kompromiss bei der Akkulaufzeit".

Motorola und Lenovo kündigen an der CES in Las Vegas Intel-Smartphones an - "unglaubliche Multitasking-Performance und kein Kompromiss bei der Akkulaufzeit".
Bisher ist der schnell rasende Smartphone-Zug mehr oder weniger an den globalen Chip-Marktführer Intel vorbeigerauscht. Das Rennen machen meist ARM-Lizenznehmer, allen voran Qualcomm. Aber das könnte sich ändern, wenn Schule macht, was sich jetzt auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas anbahnt. Denn sowohl Motorola Mobility als auch Lenovo haben angekündigt, bei ihren Smartphones künftig auch auf Intel-Chips zu setzen.
Den Zugang zu Smartphones und Handys hat sich Intel lange Zeit selbst verbaut. Denn die eigenen Prozessoren, die heute noch die Basis für über 80 Prozent aller PC-Produkte bilden, sind meist auf Leistung und weniger auf Energiesparen ausgelegt. Ganz anders dagegen das Design des britischen Lizenzgebers ARM Holdings PLC, das in erster Linie einen geringen Stromverbrauch und lange Akkulaufzeiten im Blick hat.
Intels neue Zauberwaffe, mit der der Chipriese beim Verbrauch schon Gleichstand mit ARM-Prozessoren erreicht haben will, hört auf den Codenamen Medfield und ist eine Weiterentwicklung der Atom-Prozessoren, wie sie Netbooks und Low-End-Notebooks antreiben. Der neue Atom-Prozessor Z2460 ist unter anderem Grundlage für ein neues Smartphone-"Referenzdesign", das im Wesentlichen ein voll funktionsfähiges Handy ist, auf dem aufbauend es für die Intel-Kunden ein Leichtes sein soll, ihre eigenen Produkte zu entwickeln.
Angekündigt wurde das Design schon vor fast einem Jahr, enthüllt wurde es aber erst mit der Keynote-Rede von Intel-Chef Paul Otellini am Eröffnungstag der CES 2012, als er die Bombe mit Motorola und Lenovo platzen liess. Dabei sagte er, dass das "Beste vom Intel-Computing in Smartphones einfliessen" werde und die gemeinsamen Bemühungen mit Lenovo und Motorola Mobility eine solide Basis legen werden, auf der man 2012 und darüber hinaus aufbauen werde.
Wie Motorola-CEO Sanjay Jha vom 'Wall Street Journal' zitiert wird, steuere man – so wörtlich - auf eine "Multiyear, Multidevice Relationship" mit Intel zu, sprich auf eine Beziehung, die lange Jahre währen und mit Produkten wie Smartphones und Tablets mehrere Gerätekategorien umfassen soll. Der gleichen Rhetorik hatte sich laut 'CRN.com' übrigens auch Otellini bei der Bekanntgabe der Partnerschaft mit dem angeschlagenen Handy-Hersteller bedient. Jha zufolge sei geplant, die Testphase für die neuen Intel-Phones im Sommer 2012 abzuschliessen und diese dann bald darauf auf den Markt zu bringen. Konkrete Verkaufsziele wollte er aber noch nicht nennen.
Lenovos Senior Vice President Liu Jun konnte schon mit einem konkreten Produkt aufwarten und pries das K800, das im zweiten Quartal im Heimatland China aufschlagen soll, als ein Handy "mit unglaublicher Multitasking-Performance ohne Kompromiss an die Akkulaufzeit".
Wie das 'Journal' süffisant feststellt, sind Lenovo und Motorola beide keine grossen Leuchten im Smartphone-Markt, weshalb Intel wohl auch angewiesen sein wird, weitere mögliche Partner zu überzeugen. Lenovo als relativer Newcomer hat selbst im Heimatland China laut Gartner nur einen kleinen Marktanteil von 1,7 Prozent, weltweit sind es gerade mal 0,3 Prozent. Handy-Pionier Motorola tut sich im Smartphone-Markt schwer, sich gegen die Innovationstreiber Apple und Samsung zu behaupten und kam Gartner zufolge im dritten Quartal 2011 nur noch auf einen Smartphone-Marktanteil von 3,7 Prozent nach 4,7 Prozent im Vorjahr. Kurz vor der Übernahme durch Google hat das Unternehmen vor einer Woche nun angedeutet, dass die Verkaufsziele fürs vierte Quartal enttäuscht wurden. Wie viel nach der Übernahme noch auf die neue Partnerschaft mit Intel gegeben wird, ist auch fraglich, denn die meisten Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android laufen auf ARM-Basis.
Scott Steinberg, Chef der Strategieberatungsfirma TechSavvy Global, will Lenovo und Motorola aber noch nicht abschreiben, weil die Mehrheit der potenziellen Kunden noch gar nicht auf den Smartphone-Zug aufgesprungen sei. Der Markt sei überaus unbeständig, bei Produktzyklen von sechs bis zwölf Monaten könne es leicht sein, dass man heute ein Marktführer, morgen ein Mitläufer sei, wird er vom 'Wall Street Journal' zitiert. (kh)

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