Interlaken - Schönenwerd

18. März 2011, 15:58
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.
Es hatte etwas unwirkliches: Während viele Menschen an Japans Ostküste ums Überleben kämpfen und um die Toten trauern, feiert sich die Schweizer IT-Branche im grösseren Stil in Interlaken und im kleineren in Schönenwerd selbst. Man - auch der Schreibende - gab sich sowohl an den Interlakener x.days wie auch an der viel bescheideneren Disti-Messe von Alltron in Schönenwerd Mühe, sich nichts anmerken zu lassen und seinen Geschäften nachzugehen. Trotzdem hängte über beiden Anlässen ein Hauch von Verunsicherung.
Doch vieles war wie immer: Informatik stand an der Interlakener Hausveranstaltung von Canon, EMC und Microsoft nicht wirklich im Zentrum. Hauptthema war hingegen die Frage, ob das "Blick&White", wo und was dieses Etablissement in den Berner Bergen auch immer sein möge, wirklich nicht mehr geöffnet sei (der Schreibende wurde als gewöhnlich gut informierte Quelle mindestens fünf mal zu diesem Thema befragt), man war sich einig, dass der Auftritt von Regisseur Spike Lee eher (sehr) uninspiriert war, während Trendforscher Lars Thomson das Technologie-affine Publikum offenbar begeistert hat.
Ebenfalls wie gehabt sammelte sich das Publikum am Abend schön nach Rang (Foto) geordnet. Topshots wie Oracle-Schweiz-Chef Adrian Schlund trafen sich mit anderen Topshots (Noch-BIT-Chef Marius Regli und EMC-Boss Jacques Boschung) an ihren Topshot-Tischchen, während sich das Fussvolk nach Seilschaften (die sich wiederum nach dem Prinzip "alte Kameraden" organisieren) ordnete. Und natürlich wurde bis spät in die Nacht intensiv gearbeitet: Der Schreibende jagte nach Geschichten, Beamtenflüsterer beflüsterten Beamte und wer keine potentiellen Kunden ergatterte, schaute sich wenigstens nach einem besseren Job um.
Doch es kam auch zu überraschenden Zusammentreffen: "Der da hinten hat ein Buch von mir komplett abgeschrieben und als Diplomarbeit eingereicht. Er hat das Diplom dann von der Fachhochschule erhalten," erzählte mir ein Buchautor, der den Inhalte-Raub aber vielleicht schon überwunden hat, denn er hat den angeblichen oder wirklichen Vorgänger zu Guttenbergs dann doch nicht öffentlich geoutet, sondern hoffte wohl, dass der Enthüllungsjournalist enthüllen täte.
Das System der hunderttausend rasenden Kistchen
Momol: Die x.days haben sich gemacht: Der Frauenanteil ist von 0,02 auf 6,987 Prozent gestiegen, auch richtige Kunden waren anzutreffen (immerhin 45 CIOs am CIO-Forum) und überhaupt schien uns der Casino Kursaal belebter als bei früheren Ausgaben der Veranstaltung.
Ähnlich und doch ganz anders war die Stimmung an der Alltron-Hausmesse: Es gab auch in Schönenwerd Sääle mit Ständen, Lounges, gratis Drinks und Essbares für BesucherInnen und einen recht tiefen Frauenanteil. Doch Technik und Produkte scheint die "kleinen" Reseller, typische Alltron-Kunden, zu interessieren. Nicht nur die Kleinen. Alltron-Besitzer und Holding-Chef Roland Brack himself liess es sich nicht nehmen, dem Schreibenden sein künftiges, riesiges und in der Schweiz vielleicht einzigartiges Logistik-System aus Norwegen zu erklären. Es wird aus Tausenden von kleinen Roböterchen mit Rädchen bestehen, die eigene, batteriebetriebene Motörchen haben und per Funk auf einem riesigen Schienennetz kleine rote Kistchen herumdirigieren und bestellte Waren in der richtigen Reihenfolge ohne menschliches Zutun zur Verpackungsstelle bringen. Fast hätte der Schreibende angesichts der Faszination der Technik die fürchterlichen Nachrichten vergessen. (Christoph Hugenschmidt)
(Foto: swiss-image.ch / Foto by Andy Mettler. Häppchen parat.)

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