Internationalisierung als Strategie gegen zyklische Wellen im ERP/PPS-Geschäft

22. Februar 2006, 09:26
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    Ein Blick auf die Strategie des PPS-Spezialisten Codex (ProAlpha).

    Ein Blick auf die Strategie des PPS-Spezialisten Codex (ProAlpha).
    Anbieter von ERP-Systemen im Umfeld der herstellenden Industrie haben ein grosses Problem: Ihr Geschäft verläuft oft sehr zyklisch, da auch ihre Kunden Industrie-typischen Schwankungen unterworfen sind. Grosse Schwankungen im Umsatz sind allerdings für einen Hersteller oder Implementierer von Geschäftssoftware mit Gefahren verbunden, kann er doch die Kosten bei schlechtem Auftragseingang nicht beliebig reduzieren, da er seine Produkte weiter entwickeln und warten muss.
    Beim Rotkreuzer ERP- und PPS-Spezialisten Codex, der die deutsche Lösung ProAlpha in der Schweiz vertreibt, hat man genau diese Erfahrungen gemacht. "2004 war ein ganz schwieriges Jahr. Unsere Kunden haben de fakto einen Investitionsstopp durchgezogen. Auch im folgenden Frühjahr lief das Geschäft noch harzig", sagt Verkaufs- und Marketingleiter Martin Bühler. Bühler betont allerdings, dass Codex auch in den schwierigen Jahren und besonders 2004 schwarze Zahlen geschrieben hat und den Umsatz steigern konnte.
    Trotzdem hat man sich bei Codex Gedanken gemacht, wie man langfristig die branchentypischen Schwankungen glätten könnte. Herausgekommen ist eine Drei-Säulen Strategie. Wichtigster Pfeiler ist die Fokussierung auf international operierende, herstellende mittelgrosse Betriebe. Beispielhaft als Kunden ist Reichle & De-Massari, ein Schweizer Familienbetrieb mit weltweit acht Tochterunternehmen. Codex hat aber auch ProAlpha für Komax und Silent Gliss International weltweit ausgerollt. "Im Schweizer Markt treffen wir auf eine ganze Reihe von fähigen Mitbewerbern. Geht es aber darum, eine Lösung weltweit auszurollen, haben wir genau noch zwei Konkurrenten: SAP und Microsoft Axapta. In diesem Umfeld haben wir sehr gute preisliche Argumente", so Bühler.
    Voraussetzung für die Internationalisierungsstrategie war allerdings ein gewisser Wandel in der Firmenkultur. Codex-Mitarbeiter müssen bereit sein zu reisen und Sprachen zu lernen. Vor einem Jahr bereits ging Codex mit einer Niederlassung in Thailand nach Asien, noch vor dem wesentlich grösseren deutschen Hersteller der Software ProAlpha. Und es gibt unterdessen ProAlpha-Versionen in Chinesisch (simplified), Spanisch aber auch Polnisch.
    Die Strategie scheint zu funktionieren: Nur noch die Hälfte aller ProAlpha-Projekte von Codex betreffen Firmen, die ausschliesslich in der Schweiz aktiv sind.
    Mehr Consulting und Vorstoss in den Handel
    Um den schwankenden Auftragseingang im PPS-Geschäft zu glätten, wollen die Rotkreuzer zwei weitere Standbeine ausbauen. So will man vermehrt im Consulting-Geschäft Fuss fassen, denn die Kunden sind angesichts der Globalisierung der Wertschöpfungsketten mit immer komplexeren Fragestellungen beispielsweise in der Logistik konfrontiert.
    Als Drittes will Codex mit ProAlpha vermehrt auch in den Handel vorstossen. Bisher wurde die Lösung praktisch ausschliesslich an herstellende Betriebe verkauft. "Wir stehen beim Handel aber erst am Anfang," sagt Bühler. (Christoph Hugenschmidt)

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