Internet-Selbstjustiz gegen gefälschte Banken-Sites

10. Februar 2005 um 18:03
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Organisierter "Bandbreiten-Klau"

Organisierter "Bandbreiten-Klau"
Zum chinesischen Neuen Jahr startete gestern die Gruppe "Artists against 419" (aa419), eine Art Internet-Selbsthilfegruppe gegen Online-Betrüger, einen so genannten "Flash-Mob". Ziel: Acht gefälschte Bankensites (Internet-Seiten von nicht-existenten Banken) sollen regelrecht aus dem Internet geschossen werden. Die Webserver der "Banken", die keine sind, werden gemäss gemäss "Artists against 419" allesamt in China gehostet.
Die Selbsthilfe-Gruppe gegen Online-Betrug bietet Software-Werkzeuge zum Download an, die beispielsweise unaufhörlich sämtliche Bilder von der angegriffenen Seite anfordern. Werden diese Tools gleichzeitig von vielen Computern aus auf die gleichen Seiten gezielt, so wird die Bandbreite, die den angegriffenen Servern zu Verfügung steht, aufgebraucht und die Seiten sind nicht mehr zugänglich. Zusätzlich hofft "Artists against 419", dass die Internet Service Provider die betrügerischen Web-Seiten vom Netz nehmen, da die Daueranfragen zu viel Bandbreite "fressen".
Selbstjustiz gegen E-Mail-Betrüger
"Artists against 419" bekämpft Internet-Betrüger, die mit gefälschten E-Mails hohe Geldsummen versprechen. Das Betrugsopfer wird um eine kleine "Vorauszahlung" gebeten, um an das Geld zu kommen. Um diese "Vorauszahlungen" abzuwickeln, betreiben die Betrüger dann eben die gefälschten Banken-Seiten. So fanden wir auf der Seite der Aktivisten-Gruppe auch den Link zu einer "Swiss Royal Bank".
Die Tools, die aa419 anbietet, sind übrigens für sich alleine genommen ziemlich harmlos. Die Gefahr eines Missbrauchs ist relativ klein, denn die Tools wirken nur, wenn sie gleichzeitig von vielen Computern aus auf die gleichen Seiten gerichtet werden.
Gerade gestern wurde übrigens ein 39-jähriger Mann in Zürich zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er beim Betrug mit dem bekannten "Nigeria-Connection"-Trick mitgeholfen hatte. (Christoph Hugenschmidt)
(Den Hinweis auf diese Story fanden wir bei Cnet News.com)

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