Internet-TV hausgemacht: Neues Schreckgespenst für "Triple-Player"?

1. Juni 2006, 10:41
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    Neue Geräteklasse machts möglich: Fernsehen auf dem PC oder Laptop geht auch ohne "Bluewin-TV" und Co. – überall und ohne Zusatzkosten.

    Neue Geräteklasse machts möglich: Fernsehen auf dem PC oder Laptop geht auch ohne "Bluewin-TV" und Co. – überall und ohne Zusatzkosten.
    Die Telekommunikationsunternehmen, die gerne durch die Übertragung von TV-Programmen über Internetanschlüsse Zusatzeinkünfte erzielen würden, sehen sich noch bevor sie ihre entsprechenden Angebote wirklich zum Laufen bringen können schon von Konkurrenz umzingelt. Neben den traditionellen Kabelnetzanbietern stammt diese auch zunehmend von neuen Seiten: Das Angebot von Filmen im Internet wird sowieso immer grösser, Fernsehsender und Filmstudios stellen eigene bezahlte oder werbefinanzierte Gratisangebote ins Web, auf die Kunden über den normalen Internetanschluss zugreifen oder finden, wie das Schweizer Fernsehen, Wege, ihr Programm direkt auf PCs zu übertragen.
    Eine weitere Konkurrenz kommt nun durch eine neue Geräteklasse, die in den USA "Place Shifting"-Geräte genannt wird. Der Name lehnt sich an die Geräte an, die "Time Shifting" erlauben, wie die ursprünglich von TiVo populär gemachten Harddiskrekorder. Wie diese greifen die "Place Shifting"-Geräte ein Fernsehsignal aus einer traditionellen Quelle ab, zum Beispiel einem Kabelanschluss oder einem Satelliten-Receiver, und digitalisieren die Sendungen. Im Unterschied zu den Aufnahmegeräten überträgt ein solches Gerät dann das Fernsehprogramm allerdings ins Heimnetzwerk, auf den eigenen PC - oder ins Internet.
    Einer der Pioniere auf diesem Gebiet ist der US-Jungunternehmen Sling Media mit seiner "Slingbox". Die Slingbox (Bild) wurde gestern nach den USA auch in Grossbritannien lanciert. Ein Marktstart "auf breiter Front" in anderen Ländern Europas soll noch in diesem Jahr folgen. Das Gerät kostet in Grossbritannien 180 Pfund, etwa 425 Franken.
    Der Anreiz für Anwender dürfte dabei nicht nur die Möglichkeit sein, das Fernsehprogramm über ein Heimnetzwerk auf alle PCs und Laptops im eigenen Heim zu übertragen. Da man auch über das Internet auf die eigene Slingbox zugreifen kann, kann man von überall auf der Welt, Breitbandanschluss und Windows-Desktop oder -Laptop vorausgesetzt, sein "eigenes" Fernsehprogramm anscheuen. Auch auf den DVD-Player zu Hause oder den Harddiskrekorder kann man zugreifen – letzterer lässt sich sogar über die Slingbox und das Internet programmieren.
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    Ein Nachteil ist allerdings, dass in der momentanen Version immer nur ein User auf eine Slingbox zugreifen kann. Zumindest über die mitgelieferte "SlingPlayer"-Software (Bild, unterer Teil) kann das Programm ausserdem auch nicht auf einem PC gespeichert werden.
    Fragezeichen gibt es auch bei der Bildqualität. Zumindest bei der jetzigen Generation der Slingbox und den heute verfügbaren (Upstream)-Bandbreiten. Sling Media gibt eine Auflösung von maximal 640 x 240 Pixel bei der Übertragung über ein lokales Netzwerk an. Darüber, welche Qualität bei Internet-Übertragung zu erwarten ist, fanden wir keine Angaben. Gemäss Sling Media kann die Slingbox die Qualität je nach vorhandener Bandbreite zu "optimieren". Für Anwender mit ADSL-Anschluss dürfte dabei vor allem der Upstream den Flaschenhals darstellen – für Telcos vielleicht ein weiterer Anreiz, die Upstream-Tempis tief zu halten. Sling Media gibt eine Mindestanforderung von 256 Kbit/s für den Upstream an, empfiehlt aber einen höheren Wert. (Hans Jörg Maron)
    (Bilder: Sling Media. Der Hersteller gibt übrigens selbst zu. Dass das Ding verdächtig einem Schokoriegel ähnelt.)

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