Internetzensur greift um sich

16. März 2007, 09:26
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Immer mehr Länder beschneiden die Meinungsfreiheit auch im Internet.

Immer mehr Länder beschneiden die Meinungsfreiheit auch im Internet.
Zensur im Internet verbreitet sich immer stärker und schneller. Wie die OpenNet Initiative, eine Akademikergruppe verschiedener US-Hochschulen, herausgefunden hat, wird sie mittlerweile weltweit von rund zwei Dutzend Staaten praktiziert. Erst vergangene Woche sorgte die Türkei für negatives Aufsehen, weil sie die Video-Seite YouTube sperren ließ. Damit sollten angriffige Kommentare über den Gründervater Mustafa Kemal Atatürk ausgeschaltet werden. In den vergangenen sechs Monaten wurde außerdem bemerkbar, dass immer neue Länder sich an den "routinierten" Zensurnationen, wie etwa China, ein Beispiel nehmen und sich zunehmend die nötigen Technologien zunutze machen.
"Es gibt leider eine negative Tendenz, da autoritäre Staaten das Internet und die Bloggerszene als wachsende Bedrohung wahrnehmen und immer restriktiver vorgehen", sagte Katrin Evers, Sprecherin von „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) Deutschland gegenüber 'pressetext'. In China sind laut ROG mittlerweile rund 30'000 (!) Internetpolizisten im Einsatz, Internetcafes werden mit Video und Passkontrollen überwacht und Computer deaktiviert, sobald ein Wort wie "Menschenrecht" oder "Demokratie" eingetippt wird. Nicht selten komme die technische Unterstützung dafür von westlichen Firmen wie Yahoo, Microsoft oder Cisco, so Evers weiter.
Laut OpenNet gibt es inzwischen zehn Staaten, die mit ihrer Zensur wirklich alles durchdringen. Dazu zählen neben China der Iran, Saudi Arabien, Myanmar (Burma) und Usbekistan. Aber auch in Mitteleuropa zeigen sich teilweise bedenkliche Entwicklungen. "Die Möglichkeiten zu Online-Durchsuchungen und Bespitzelung von Computern von Privatpersonen betrachten wir natürlich auch mit Sorge", so Evers. Es gebe aber keine systematische, etwa mit China zu vergleichende Zensur.
Während die Internetzensoren lernen, neue Technologien immer besser für ihre Zwecke zu nutzen, werde das Bloggen rund um den Erdball trotzdem immer populärer, glaubt Evers. "Immer mehr Menschen entdecken diese Möglichkeit, ihre Meinung zu äussern, die sonst in anderen Medien wie Radio oder Zeitung nie veröffentlicht würde", so Evers. Wie das Beispiel Iran zeige, seien Weblogs vor allem auch für Frauen in autoritären Staaten ein beliebtes Mittel zur öffentlichen Kommunikation. (pte)

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