iPad-Produktion kann ihr Leben gefährden

27. Januar 2012, 14:08
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Tote bei Explosion in iPad-Fabrik von Foxconn. Vorwurf: Apples Preisdruck zwingt Lieferanten zur Verletzung der Veträge bezüglich Sicherheit und Arbeitsbedingungen.

Tote bei Explosion in iPad-Fabrik von Foxconn. Vorwurf: Apples Preisdruck zwingt Lieferanten zur Verletzung der Veträge bezüglich Sicherheit und Arbeitsbedingungen.
Nur einen Tag nachdem Apple schier unglaublich gute Geschäftszahlen (46 Milliarden Dollar Umsatz, 13 Milliarden Dollar Gewinn in nur einem Quartal) bekannt gegeben hat, veröffentlichte die 'New York Times' eine ausführliche Reportage, die ein schlechtes auf den Hersteller wirft. Sauber recherchiert berichtet die 'Times' über den Hintergrund des Todes von Lai Xiadong, der diesen Mai nach zwei Tagen des Leidens und zur Unkenntlichkeit verbrannt an den Folgen eines Unfalls in einer iPad-Fabrik des Lieferanten Foxconn in Chengdu starb.
Lai war das Opfer einer Aluminiumstaub-Explosion in einer Fabrik geworden, in der iPad-Gehäuse zu Abertausenden in der höchsten Taktrate poliert worden sind. Schockierend ist der Vorwurf der bekannten Hongkonger Organisation SACOM (Students & Scholars Against Corporate Misbehaviour). Gemäss Sacom wurden nämlich sowohl Foxconn wie auch Apple auf die Gefahren in der Fabrik in Chengdu in einem 20-seitigen Bericht hingewiesen. Wörtlich heisst es da: "Workers in the polishing department also complain that the department is full of aluminium dust."
"Apple interessiert sich nur für bessere Qualität und tiefere Produktionskosten"
Apple habe sich nie für etwas anderes interessiert als für eine höhere Qualität und tiefere Produktionskosten, zitiert die Zeitung einen ehemaligen Foxconn-Manager.
Wie andere Hersteller auch, verpflichtet Apple seine Lieferanten zur Einhaltung eines ziemlich klaren und strengen "Code of Conduct". Und bei den jährlichen Untersuchungen der Einhaltung dieser Vorschriften kommen auch immer wieder viele Verletzungen dieser Vorschriften zu Tage. So hat Apple nach eigenen Angaben letztes Jahr 229 Audits durchgeführt. Verletzungen dieser Vorschriften führten allerdings fast nie zu einer Beendigung der Geschäftsbeziehungen und der "Code of Conduct" ist damit ein Papiertiger, so der Vorwurf.
Schlimmer noch: Apple zwingt seine Hersteller geradezu dazu, die Vorschriften bezüglich Arbeiterrechten, Arbeitsbedingungen und Gesundheitsschutz zu verletzen. Denn Firmen, die einen Produktionsauftrag von Apple ergattern wollen, müssen ihre Kosten bis aufs letzte Detail offen legen. Apple bezahlt ihnen dann genau diese Kosten plus eine winzige Marge. Will der Fabrikant, meistens einer der chinesischen Hightech-Industrie-Giganten, einen höheren Gewinn erzielen, so kann er dies nur tun, in dem er gegen Apples Vorschriften verstösst.
Cook: "falsch und beleidigend"
Die Reportage in der 'New York Times' hat in der US-Techszene viele Reaktionen ausgelöst. Apple-Chef Tim Cook hielt es zwar nicht nötig, gegenüber der Presse auf die Vorwürfe einzugehen, schrieb aber ein langes E-Mail an die Mitarbeitenden, in dem er die Vorwürfe von sich wies. "Wir kennen niemanden in der Industrie, der an so vielen Orten mit so vielen Leuten wie wir so viel für die Kontrolle der Arbeitsbedingungen tut." Apple werde sich gegenüber Problemen in der Lieferkette nie blind stellen und allfällige Themen jeden Tag angehen, schreibt Cook weiter.
Grundsätzlich weist er die Vorwürfe der Zeitung aber weit von sich. Jede Behauptung, Apple kümmere sich nicht (um Unfallprävention), sei falsch und eine Beleidigung für Apple, schreibt Cook, ohne auch nur im Geringsten auf die Details der Reportage einzugehen. (Christoph Hugenschmidt)

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