Ist die Stadt Zürich Microsoft-hörig?

4. Dezember 2009, 17:10
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Das Stadtzürcher Amt für Organisation und Informatik (OIZ) erhält als weltweit erste IT-Organisation den Status als "Gold Certified Government Partner von Microsoft." Dahinter steckt eine Strategie.

Das Stadtzürcher Amt für Organisation und Informatik (OIZ) erhält als weltweit erste IT-Organisation den Status als "Gold Certified Government Partner von Microsoft." Dahinter steckt eine Strategie.
Die OIZ (Amt für Organisation und Informatik) der Stadt Zürich hatte jahrelang nicht unbedingt den besten Ruf, und die verschiedenen städtischen Departemente und Betriebe hielten sich zusätzliche IT-Abteilungen, was die Informatik für die grösste Stadt der Schweiz auch nicht günstiger machte.
Seit Daniel Heinzmann per Anfang 2007 das Ruder bei der OIZ übernommen hat, blieb deshalb wenig beim alten. Ein grosser Teil des Kaders wurde mit neuen Leuten besetzt und das Amt ist, von 200 auf über 300 Mitarbeitende gewachsen, weil die IT-Basisdienste der einzelnen Ämter integriert wurden. Wichtiger ist allerdings, dass die grösste Schweizer Stadt nun eine IT-Strategie hat, die von der Politik (einem Ausschuss des Stadtrats) zusammen mit Heinzmann gesteuert und vom OIZ umgesetzt wird.
SIBAP: Auf dem Weg zum Standard-Arbeitsplatz
Als Heinzmann die OIZ übernahm, hütete die Stadt Zürich einen wilden "Zoo" von unterschiedlichen Betriebssytemen von diversen Mac OS über Windows 3.11 bis zu XP. Der Beschluss der Stadt Zürich, in einem über Jahre angelegten Projekt die PC-Arbeitsplätze (Thin Clients und Notebook sind mitgemeint) zu vereinheitlichen gab zwar zu reden, umfasst aber viel mehr als nur die Migration der PCs auf Windows Vista.
Die OIZ bietet den immerhin 15'000 PC-BenützerInnen der Stadtverwaltung eine Grundausstattung der PCs (Netzwerk, Windows Vista sowie Bürosoftware und Kommunikation) sowie eine Auswahl von speziellerer Software aus einem "Kiosk" und natürlich die spezifischen Fachapplikationen. Wenn Anwender zusätzliche Lösungen aus dem "Kiosk" brauchen (z.B. Photoshop oder MS Visio) müssen ihre Ämter diese dann bezahlen.
Bis heute sind etwa die Hälfte der städtischen Arbeitsplätze auf SIBAP (Standard IT Büroarbeitsplatz) migriert, bis Ende 2010 sollen auch die grossen Ämter und Betriebe (VBZ, EWZ, ...) ausgerüstet sein. Danach wird sich die OIZ an das nächste sehr grosse und aufwändige Projekt machen: Den Bau von zwei neuen Rechenzentren, darunter das schweizweit sehr wahrscheinlich erste RZ-Gebäude, das den Minergie-Standard erfüllt, falls das Stadtzürcher Stimmvolk im Juni 2010 dem Projekt zustimmt. Das neue Rechenzentrum wird erst das zweite in der Schweiz sein, das nach TÜViT-Level 3 zertifiziert sein wird.
Microsoft als GEVER-Standard
Doch nicht nur in Sachen PC-Betriebssystem setzt die OIZ auf Microsoft, sondern auch für die Einführung einer elektronischen Geschäftsverwaltung (GEVER). Diese wird auf SharePoint von Microsoft und auf dem OXBA-Standard basieren, den das BIT (Bundesamt für Informatik) zusammen mit Microsoft entwickelt hat.
Ist die OIZ Microsoft-hörig, fragten wir Heinzmann. Die Antwort: "Für uns geht es weder bei Oxba noch beim Arbeitsplatz um Microsoft oder nicht Microsoft. Für uns geht es um Standards. Wo es keinen Standard gibt, da versuchen wir, einen zu entwickeln. Wir setzen natürlich Open-Source-Produkte ein, wo es sinnvoll ist. Wir haben die Leute vom Münchner Linux-Projekt eingeladen und ihr Vorgehen studiert. Auch das GEVER-Projekt haben wir ausgeschrieben. Fabasoft hat nicht offeriert und aus der Open-Source-Szene kam gar nichts," so Heinzmann.
OIZ: Weltweit erster "Microsoft Gold Certified Government Partner" - und stolz darauf
Die Zusammenarbeit der Stadt Zürich mit Microsoft geht seit neuestem noch weiter. Denn die OIZ ist der weltweit erste "Gold Certified Government Partner". Dass Microsoft überhaupt Regierungsstellen zertifiziert, kam überhaupt erst auf Drängen der Stadt Zürich zustande.
Die "Gold"-Zertifizierung ist für Heinzmann und die OIZ weder Selbstzweck noch Selbstbeweihräucherung. Sondern es geht darum, gegenüber der Stadt Zürich und ihren vielen Abteilungen und Betrieben Microsoft-Kompetenz zu demonstrieren, so wie es auch mit dem SAP-Kompetenzzentrum der Fall ist. Damit kann die OIZ nämlich vermeiden, dass sich städtische Abteilungen mit ihren Projekten in erster Linie an externe Berater wenden, die wiederum Lösungen ausserhalb der städtischen - man ahnt es - Standards vorschlagen und implementieren. (Christoph Hugenschmidt)
(Foto: (c) by fotoARION. Creative Commons)

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