Ist Greenax 160 Millionen Franken wert?

1. April 2011, 13:40
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160 Millionen hat Bison in den vergangenen zehn Jahren von Fenaco erhalten, um die ERP-Software Greenax zu entwickeln. Bison ist nun auf Drittkunden angewiesen.

160 Millionen hat Bison in den vergangenen zehn Jahren von Fenaco erhalten, um die ERP-Software Greenax zu entwickeln. Bison ist nun auf Drittkunden angewiesen.
Die 'Neue Luzerner Zeitung' hat am Mittwoch über die Pläne des Surseer Softwareherstellers Bison berichtet. In dem Artikel gibt es erhellende Aussagen des Hauptaktionärs und Grosskunden Fenaco. In den letzten zehn Jahren hat Bison von Fenaco Darlehen in der Gesamthöhe von 160 Millionen Franken erhalten – und Fenaco hat diese Darlehen immer sofort abgeschrieben. Wie Fenaco-Finanzchef Werner Beyer nun sagt, hat man mit den Buchungen aber lediglich gesetzliche Abschreibungsmöglichkeiten genutzt. "Das Darlehen muss von Bison in den nächsten Jahren vollumfänglich zurückbezahlt werden", so Beyer zur 'Neuen Luzerner Zeitung'. In der Bison-Bilanz wird die Software als Aktiva, das Darlehen als Fremdkapital ausgewiesen.
Ausland im Fokus
Das Geld diente dazu, eine komplett neue ERP-Software zu entwickeln. Seit 2008 ist Greenax von Bison offenbar ein fertiges Produkt. Bison setzte letztes Jahr knapp 70 Millionen Franken um, die Rendite lag über die letzten Jahren nach eigenen Angaben immer zwischen 4 und 6 Prozent. Es dürfte etliche Jahre dauern, bis Bison die Schulden für die Greenax-Entwicklung bei Fenaco zurückbezahlt hat. Gegenüber der 'Neuen Luzerner Zeitung' sagte Bison-CEO Rudolf Fehlmann: "Wir rechnen damit, dass es bis zu 10 Jahre dauern kann, bis die Software abgeschrieben und das Darlehen zurückbezahlt ist." Hinzu kommen die Zinsen. Der Weg zum erhofften Erfolg führt übers Ausland. "Wir werden gezwungen sein, internationale Partnerschaften mit Software-Integratoren einzugehen, um die Software weltweit zu vermarkten", sagt Bison-CEO Rudolf Fehlmann zu inside-it.ch. Greenax eigne sich für die Branchen Grosshandel, Detailhandel, Agrarwirtschaft und Stahlhandel.
Die Software auch ausserhalb des Fenaco-Konzerns zu verkaufen, ist die grosse Herausforderung für Bison. Wie Fehlmann sagt, gibt es zurzeit rund zehn Drittkunden, die Greenax einsetzen. Weitere Drittkunden arbeiten schon seit Jahren mit älteren Bison-Lösungen (wie Win3000, Alpha, Fire etc.). Den Anfang gemacht hat nun Landi Schweiz. Die Einkaufsgenossenschaft der Fenaco arbeitet seit Januar 2011 mit Greenax, und zwar sei das gesamte ERP ersetzt worden, wie Fehlmann betont. Die Software wird "als Service" aus dem Internet bezogen und sei nicht lokal installiert, so Fehlmann. Landi Schweiz arbeitete bislang mit Take Off. "Jetzt fangen wir an, Greenax bei den einzelnen Landis einzuführen", sagt Fehlmann. Im Herbst soll in Zug die erste Landi-Filiale live gehen, danach sollen über die nächsten Jahre alle 250 Landis von der jetzigen Win3000-Software auf Greenax migriert werden. Die Migration der Landi auf Greenax wurde in den vergangenen Jahren schon mehrmals angekündigt, aber bis jetzt nie realisiert.
SAP-Insel im Fenaco-Konzern
Innerhalb des Fenaco-Konzerns war man bislang von Greenax nicht überzeugt. Anders ist nicht zu erklären, dass man sich vor fünf Jahren entschieden hat, bei der Konsolidierung der ERP-Systeme von Unidrink nicht auf eine Bison-Software, sondern auf SAP als "Übergangslösung" zu setzen. Fenaco sagte damals: "Für Fenaco, Unidrink und Bison ist klar, dass dies nur eine Übergangslösung ist! Sobald Bison eine integrierte PPS-Lösung aufweist, werden wir für die Unidrink auch Bison einplanen und einsetzen. Und dies wird ab Ende 2008 der Fall sein." Die Fenaco-Tochter heisst heute Ramseier und arbeitet immer noch mit SAP. Fehlmann: "Wir konzentrieren unsere Kräfte jetzt auf die Landi-Lösung, danach kommt Agrola", wo Fenaco laut Fehlmann "mehr Kummer und Sorgen" habe als bei Ramseier. "Irgendwann", so Fehlmann, werde auch Ramseier auf Greenax migrieren. Der Entscheid liege aber bei der Fenaco.
Wie viel Geld Bison für den Aufbau des Systemintegrators Bison IT Services erhielt, lesen Sie auf inside-channels.ch, unserer Newsseite für Reseller und Systemintegratoren. (Maurizio Minetti)

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