Ist quantensicher gar nicht quantensicher?

8. Februar 2021, 13:56
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Eine Schweizer Firma sagt, dass existierende Technologien, die Verschlüsselung sicher gegen Quantencomputer machen sollen, nicht wirklich funktionieren.

In der Vergangenheit verwendete Verschlüsselungsmethoden, da sind sich viele Experten einig, werden fast sofort obsolet werden, wenn funktionierende und einigermassen grosse Quantencomputer verfügbar werden. Das Gegenmittel, an dem bereits gearbeitet wird, sind neue, sogenannte quantensichere Verschlüsselungstechnologien, die auch vor Angriffen durch Quantencomputer gefeit sein sollten. Viele Unternehmen und Organisationen führen bereits jetzt solche neue Verschlüsselungstechnologien ein.
Terra Quantum, ein europäisches Startup mit Hauptsitz in der Schweiz, hat nun aber bekannt gegeben, dass es Schwächen in diesen neuen quantensicheren Verschlüsselungsstandards gefunden habe. Terra Quantum konzentriert sich dabei auf den Advanced Encryption Standard (AES). Dieser sei zwar ziemlich sicher gegenüber bereits bekannten Quanten-Algorithmen. Aber man habe eine prinzipielle Schwachstelle gefunden, die den Standard verwundbar gegen zukünftige Angriffsmethoden mache. Diese befinde sich im Hashing-Algorithmus MD5. Das Terra-Quantum-Team habe herausgefunden, dass ein Quantencomputer mit rund 20'000 Qubits mit MD5 erzeugte Hashes zurückrechnen könnte. Angreifer könnten so beispielsweise Passwörter und vieles mehr lesen.
Terra Quantum sagt auch, man habe bereits eine eigene Technologie entwickelt, welche Kommunikation wirklich quantensicher machen könne, die "superschnelle Boltzmann-Planck geschützte sichere Informationsübertragung." Ehrlich gesagt, hat uns die von Terra Quantum veröffentlichte Mitteilung nicht wirklich klargemacht, wie diese Methode funktioniert, und deshalb versuchen wir gar nicht erst eine Erklärung. Was Terra Quantum dazu sagt, kann man hier nachlesen.
Einige von der Nachrichtenagentur 'Bloomberg' befragte Security-Experten erklärten, dass die Entdeckung von Terra Quantum sehr wichtig sein könnte. Mehr könne man dazu aber nicht sagen, bevor das Startup die Details seiner Untersuchungen bekannt gegeben habe.
Terra Quantum wurde 2019 von Markus Pflitsch gegründet, der früher Quantenphysiker am CERN war. Das Unternehmen wird nach eigenen Angaben von der Investmentfirma Lakestar finanziert und entwickelt Quanten-Applikationen, darunter auch Hardware-Komponenten für Quantencomputer. Laut 'Bloomberg' hat das Unternehmen ein Team von rund 80 Quantenphysikern, Verschlüsselungsexperten und Mathematikern in der Schweiz, Russland, Finnland und den USA.

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