IT-Abteilungen vor dem grossen Umbau

20. August 2013, 13:58
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Trotz mehr Budget und unbesetzten Stellen: 40 Prozent der Mitarbeiter von grossen IT-Abteilungen könnten in den nächsten Jahren umgeschult, ausgelagert oder entlassen werden, sagt eine Studie.

Trotz mehr Budget und unbesetzten Stellen: 40 Prozent der Mitarbeiter von grossen IT-Abteilungen könnten in den nächsten Jahren umgeschult, ausgelagert oder entlassen werden, sagt eine Studie.
Laut einer Studie des Beratungsunternehmens A.T.Kearney stehen IT-Abteilungen von Grossunternehmen in den nächsten Jahren vor massiven Strukturveränderungen. A.T.Kearney befragte 150 CIOs von global tätigen Unternehmen. 35 davon haben ihren Hauptsitz in der Schweiz oder führen hierzulande eine grosse IT-Abteilung.
Zwei Drittel der Befragten wollen in den nächsten Jahren den Anteil von outgesourcten IT-Leistungen noch einmal erhöhen. Insbesondere einfachere Leistungen, die sogenannten Commodities, dürften weitgehend ausgelagert werden, entweder auf klassische Art oder am liebsten gleich in die "Cloud". Eine Mehrheit von 60 Prozent der befragten CIOs rechnet zudem damit, das sich der Anteil an Dienstleistungen, die in Länder mit tieferen Löhnen vergeben werden, das sogenannte Offshoring, ebenfalls erhöhen wird.
Gleichzeitig verändern sich die Aufgaben der in den IT-Abteilungen verbleibenden Mitarbeitenden deutlich, so dass sich ein hoher Umschulungsbedarf ergibt. Insgesamt könnte damit bis 2020 rund 40 Prozent aller IT-Mitarbeitenden eine grössere Veränderung in ihrer Karriere bevorstehen. Auf Schweizer Verhältnisse übertragen, so rechnet A.T.Kearney aus, würde dies bedeuten, dass in den nächsten rund sieben Jahren 37'000 IT-Profis entweder eine Umschulung durchlaufen müssen, zu einem Outsourcer ausgelagert werden oder sogar ganz ihre Stelle verlieren.
Gleichzeitig sollen aber bis 2020 auch rund 44'000 neue IT-Stellen geschaffen werden. Allerdings glaubt A.T.Kearney, dass trotz Umschulungen nicht alle bisherigen IT-Mitarbeitenden den Anforderungen dieser neuen Stellen genügen können. Und der IT-Nachwuchs bleibt weiterhin rar. Rund 16'000 dieser potentiell hierzulande vorhandenen IT-Stellen dürfte daher unbesetzt bleiben, so ein Fazit der Studie.
Immer mehr, immer schneller, immer anderes
In den letzten Jahren klagten CIOs in Befragungen meist darüber, dass ihre IT-Abteilungen mit immer kleineren IT-Budgets immer mehr leisten sollen. Zumindest dieser Budgetdruck scheint sich zu lindern. Laut der A.T.Kearney-Umfrage glauben knapp zwei Drittel der Befragten, dass ihre IT-Budgets in den nächsten Jahren steigen.
Der eigentliche Grund für die grossen Strukturveränderungen sind die wachsenden und sich schnell ändernden Anforderungen. Fast alle Befragten (98 Prozent) sind sich einig, dass die Anforderungen an die IT hinsichtlich Funktionalität, Zugang und Verfügbarkeit steigen. Fast ebenso viele erklären, dass sie immer schneller neue Lösungen liefern müssen.
Allen Konsolidierungsbemühungen zum Trotz erwarten 84 Prozent der CIOs deutlich mehr und spezialisiertere Applikationen. Jede zweite Applikation wird nach Meinung von über 80 Prozent der Befragten zudem über eine mobile Schnittstelle verfügen, was die Kompexität weiter erhöht. Während früher vor allem Prozessverbesserungen im Mittelpunkt der IT-Investitionen standen, werden 2020 über 60 Prozent der IT-Ausgaben in vertriebs- und kundenspezifische
Lösungen fliessen. Die Konsolidierung von Applikationen auf immer stärkere Server wird laut der Umfrage auch auf der Hardwareseite die Vermehrung der zu verwaltenden Geräte nicht verhindern können. Über 60 Prozent der CIOs erwartet bis 2020 doppelt bis vier Mal so viele Endgeräte und Server wie
heute.
Den Verwaltungsaufwand wollen die CIOs unter anderem durch den vermehrten Einsatz von Standardsoftware einigermassen im Griff behalten: 80 Prozent der Befragten glauben, dass 2020 jede zweite Applikation eine "Software von der Stange" sein wird. (Hans Jörg Maron)

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