IT-Arbeitsplätze in der Industrie schlechter als man denkt

22. August 2016, 13:27
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IT-Abteilungen beurteilen die Lage optimistischer als dies Anwender und Management tun.

IT-Abteilungen in Industriebetrieben beurteilen die Lage optimistischer als dies die Anwender und das Management machen.
Wie steht es mit der Modernisierung von Arbeitsplätzen in den Schweizer Industrieunternehmen aus? Dieser Frage, insbesondere mit Blick auf die Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 hat PAC 60 IT- und Business-Verantwortliche aus dieser Branche befragt. Das Ergebnis der Studie "Arbeitsplatzumgebungen in der Schweizer Industrie" zeige, so die Autoren, dass Investitionen in diesem Bereich notwendig sind. Die Anforderungen an die Vernetzung der Mitarbeiter untereinander steigen. Gleichzeitig haben sie eine immer grössere Flut an Informationen zu bewältigen. Somit fordern und benötigen Mitarbeiter geeignete Technologien - insbesondere mit Blick auf die gestiegenen Kundenanforderungen und die verlangten Reaktionszeiten.
Für die Studie hat PAC im Auftrag von Swisscom 61 unterschiedlich grosse Schweizer Unternehmen aus der Fertigungsindustrie befragt, darunter Firmen aus der Automobil-, Textil-, Verpackungs- und Pharmaindustrie. Die Befragung wurde zwischen Februar und März 2016 telefonisch durchgeführt.
Rasche Problemlösung erfordert Informationen in Echtzeit
Wie ein Grossteil der Manager bestätigt, steigt der Aufwand für Austausch und Vernetzung, auch über die Unternehmensgrenzen hinweg. Zudem geben knapp 80 Prozent der Befragten an, dass Mitarbeiter immer häufiger an zeitlich begrenzten Projekten und in unterschiedlichen Teams arbeiten. Dadurch wird es schwieriger, sich an vordefinierten Prozessen zu orientieren. Dieser Trend von rigiden Prozessen zu agilen Projekten werde sich verstärken, so die Autoren. Denn Kunden würden schnelle Reaktionen erwarten.
Die Möglichkeit zur Kommunikation über digitale Kanäle wird vom Kunden heute beinahe vom Anbieter vorausgesetzt, wie weiter aus der Studie hervorgeht. Insbesondere Industrieunternehmen im B2C-Umfeld hätten bereits auf diese Forderung reagiert, etwa durch moderne Webangebote, Präsenz auf Facebook oder mobile Apps. Dies allein sei jedoch nicht mehr ausreichend. Denn Kunden erwarten nicht nur die Kontaktmöglichkeit über diese Kanäle, sondern wollen auch Probleme über diesen Weg lösen können, und dies, so schnell wie möglich. Dafür sei es notwendig, dass Mitarbeiter auf Unternehmensseite - etwa im Kundenservice, der Logistik oder der Produktionssteuerung - in Echtzeit auf relevante Informationen zugreifen und sich mit anderen Mitarbeitern oder Partner austauschen können.
Zu optimistische IT
Wie schon aus einer ähnlichen Befragung in der Versicherungs- und Finanzbranche hervorgeht, beurteilen die IT-Verantwortlichen die Lage im eigenen Unternehmen positiver als die Anwender. Insbesondere beim Thema Zusammenarbeit zeige sich eine grosse Differenz: Glaubt fast die Hälfte der IT-Verantwortlichen die Bedürfnisse voll zu erfüllen, sind es auf der Business-Seite weniger als 20 Prozent. Auch bei der Frage, ob die IT eine optimale Grundlage bietet, um mit Kunden interagieren zu können, klaffen demnach die Meinungen auseinander.
Es müsse also die Frage gestellt werden, ob die IT allein in der Lage sei, den Bedarf an Arbeitsplatzmodernisierung vollumfänglich einzuschätzen. So raten die Studienautoren zu einer engen Zusammenarbeit zwischen IT und Business bei der Arbeitsplatzmodernisierung.
So berichten mehr als zwei Drittel der Manager von fehlenden oder unzureichenden Anwendungen. Ein Drittel hält die Ausstattung mit mobilen Endgeräten noch für ungenügend, so ein weiteres Ergebnis. Weiter Probleme bestehen laut den befragten Managern bei der Performance von Arbeitsplatzanwendungen, der Qualität des Netzwerk und der Bedienbarkeit von Anwendungen.
Insgesamt, so die Autoren, scheinen die meisten Schweizer Industrieunternehmen vom Idealbild eines mobilen, vollständig integrierten Arbeitsplatz noch weit entfernt. Eine mangelnde Integration der Anwendungen untereinander und der dadurch entstehende Mehraufwand wird von 70 Prozent der Manager kritisiert. Zudem werden die Möglichkeiten zur Automatisierung nicht voll ausgeschöpft und die Bedienung einer Vielzahl von Anwendungen überfordere die Angestellten, glaubt immerhin die Hälfte der Befragten.
Budget ist eine der grössten Hürden
Gefragt nach den Faktoren, die der Modernisierung der Arbeitsplätze im Wege stehen, geben fast 60 Prozent der IT-Verantwortlichen fehlende Budgets als Grund an. Ebenfalls mehr als die Hälfte sagten, dass dem Thema keine genügende Priorität gegeben werde, wodurch die Modernisierung oft nur halbherzig vorangetrieben werde. Bei einem weiteren Drittel sind die Verantwortlichkeiten unklar und 45 Prozent gaben an, dass die Investitionsrisiken zu hoch seien. (kjo)

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