IT-Ausbildungsmisere: Wovon niemand spricht

1. Februar 2008, 16:16
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Und hier noch unser Freitagabend-Kommentar.

Und hier noch unser Freitagabend-Kommentar.
Fast wären mir diesen Montag-Abend am "IT-Summit", dem grossen und von viel IT- und Politprominenz besuchten Eröffnungsanlass zu sein?
Verstehen Sie mich nicht falsch: Wir finden die Informatica08 eine nötige und unterstützenswerte Initiative.
Worüber man am "IT-Summit" nicht sprach
Die Rechnung, die die meisten RednerInnen am "IT-Summit" machten, ist einfach. Angesichts der Zahlen an jungen Leuten, die eine Informatik-Ausbildung beginnen, wird klar, dass sich der schon heute bestehende Mangel an Fachleuten mindestens bis 2012 massiv verschärfen wird. Und das bedroht schlicht und einfach die Existenzgrundlage der Schweizer Hightech-Industrie. So weit, so schlecht.
Erstaunlicherweise sprach trotzdem niemand vom bestehenden Reservoir an potentiellen Fachleuten, nämlich den ungefähr 120'000, oft nur "on-the-job" ausgebildeten Menschen, die heute in Informatik-Berufen arbeiten. Den berühmten und ungeliebten "Quereinsteigern", denen viele Grundlagen fehlen. Sicher: Die wenigsten PC-Techniker werden je Top-Java-Entwickler. Trotzdem sollte man unter den 120'000 einige intelligente, fortbildungsfreudige Leute finden, die bereit und fähig wären, Grundlagen nachzuholen und sich weiterzubilden.
Das betrübliche Leben des Entwicklers X
Ich kenne beispielsweise einen Entwickler / Projektleiter in der Schweizer Niederlassung eines grossen, amerikanischen Konzerns. Der arme Kerl - ein gelernter Germanist, nicht mehr ganz jung, erlebt in seinem Job jeweils zwei Phasen: Entweder er hetzt einem Projektschluss entgegen und arbeitet Tag und Nacht und am Sonntag dazu, um den zu optimistischen Annahmen seiner Verkäufer bezüglich Projektdauer und -Kosten doch noch irgendwie gerecht zu werden. Oder er hockt da und wartet darauf, dass man ihm mitteilt, sein Job könne nun doch billiger in Indien erledigt werden.
Weiterbildung? Mal an einem interessanten Kongress (wie es in Zürich die löbliche Jazoon ist) teilnehmen? Methodische Grundlagen in den weniger stressigen Zeiten nachholen? Fehlanzeige! Denn schliesslich muss der arme Kerl verrechenbar bleiben. Wundern Sie sich, dass sich die Tochter von Entwickler X trotz des ETH-Mädchentags für eine andere Laufbahn entschied?
Warum spricht also niemand über Weiterbildung der vielen "Quereinsteiger" in der Schweizer IT-Industrie? Der Verdacht liegt nahe: Weil es etwas kosten würde. Ein Unistudium wird ja schliesslich vom Staat bezahlt, erst recht ein deutsches. (Christoph Hugenschmidt)
P.S.: Ja - es gibt viele IT-Firmen, in denen regelmässige Weiterbildung gross geschrieben wird. Aber sie dürften eben doch noch die Ausnahme sein...

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