IT-Chefs überschätzen sich

13. Oktober 2014, 11:47
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CEOs und CIOs sind sich einig, dass IT immer wichtiger wird für den Unternehmenserfolg. Doch wer die Digitalisierung aller Geschäftsbereiche am besten steuern kann - darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

CEOs und CIOs sind sich einig, dass IT immer wichtiger wird für den Unternehmenserfolg. Doch wer die Digitalisierung aller Geschäftsbereiche am besten steuern kann - darüber gehen die Meinungen weit auseinander.
"Die Informationstechnologie wird immer mehr zu einem zentralen Element aller Geschäftsprozesse, entsprechend gut sind die Chancen der IT-Chefs, eine führende Rolle bei der fortschreitenden Digitalisierung der Unternehmen einzunehmen", sagte Gartners Research-Director Peter Sondergaard auf deren jüngstem Symposium in Orlando. Das zeigt sich laut Gartner unter anderem auch daran, dass inzwischen 41 Prozent aller CIOs direkt an den CEO berichten – der höchste Wert aller Zeiten. Auch die Headhunter-Agentur Adecco kommt in ihrer jüngsten CEO-Umfrage zum Schluss, dass das Ansehen und die Wertschätzung der CIOs auf der obersten Führungsetage deutlich angestiegen sind. "Eine überwältigende Mehrheit der CEOs hat volles Vertrauen in seinen CIO, was sich auch in den gestiegenen Gehältern widerspiegelt", sagt deren Präsident Jack Cullen. Konsequenterweise würden auch immer mehr CIOs eine zentrale Führungsrolle bei allen Digitalisierungs-Projekten beanspruchen.
Interne Konkurrenz
Doch mit diesem Anspruch stehen sie nicht alleine. Es gibt hierzu eine zunehmende innerbetriebliche Konkurrenz aus den Fachbereichen. So entfallen schon heute 38 Prozent der IT-Ausgaben auf die Fachabteilungen, und in drei Jahren soll dieser Wert laut Sondergaard bereits bei 50 Prozent liegen. Die IT-Anbieter haben sich deshalb schon lange auf diesen Trend eingestellt. Die Hälfte der IT-Verkäufer würde schon lange nicht mehr die IT-Abteilungen ansprechen, sondern sich stattdessen direkt an die Fachbereiche wenden.
Trotz dieser Entwicklung meinen 47 Prozent der CIOs, dass ihr CEO sie in den nächsten zwei Jahren mit der Gesamtverantwortung für alle weiteren Digitalisierungs-Aufgaben beauftragen wird. Doch damit überschätzen sie ihre eigene Position ganz erheblich. Eine parallele Befragung bei ihren Chefs hat nämlich ergeben, dass nur 15 Prozent der CEOs eine solche Beförderung für ihre IT-Chefs planen. Einer der Gründe für diese reservierte Haltung der CEOs zeigt sich an einer anderen Diskrepanz. "Die Hälfte der CEOs sagen, dass ihre IT-Abteilung zu langsam ist, wenn es um neue Produkte oder mobile Anwendungen geht, doch nur 10 Prozent der CIOs glauben, dass ihre Abteilung zu langsam arbeitet", sagt Sondergaard über das Missverständnis der CIOs bezüglich ihrer Position.
Neben den Fehleinschätzungen der eigenen Leistungsfähigkeit gibt es auch fundamentale Unterschiede bei den Grundhaltungen zwischen den IT-Chefs und den CEOs. "Die CIOs haben vielfach noch nicht gezeigt, dass sie den komplexen Business-Diskussionen im Vorstand und Verwaltungsrat gewachsen sind. Zu schnell rutschen sie in die Diskussion um Alltagsprobleme ab und disqualifizieren sich damit für höhere Aufgaben", meint Gartner-Analyst Dave Aron. Er empfiehlt den CIOs deshalb eine Strategie-Anleihe bei ihren Konkurrenten in den Fachbereichen. Hierzu müssten sie nur ihre Denkweise und Vorgehensmethode ändern. "Immer als erstes an den Kunden denken, dann mit Mobile- und an Cloud-Ideen punkten – auf keinen Fall mit IT-Strukturproblemen eine Strategie-Diskussion abwürgen", lautet Arons Rat an die IT-Chefs.
Alltagsbelastung als Bremsklotz
Auch andere Unternehmens-Consultants sehen die CIOs in einem zu engen Denkschemata verhaftet. "CEOs und CIOs sind sich normalerweise sehr schnell über die weiteren Unternehmensziele einig, doch bei der Diskussion über den Weg dahin zeigen sich ganz schnell erhebliche Differenzen", sagt Evan McCutchen von der Agentur Technology Advice in Nashville, Tennessee. Er und Gartner sehen als Grund dafür vor allem die Alltagsbelastung durch die operative IT-Verantwortung. So sei der Arbeitsalltag der CIOs nicht von der Entwicklung neuer Visionen, vom Aufbau neuer Geschäftsfelder oder den Diskussionen mit dem Verwaltungsrat geprägt.
Das Alltagsgeschäft der CIOs nimmt immer mehr Arbeitszeit in Anspruch. Seit 2011 ist der Zeitaufwand für das Managen des normalen Betriebsablaufs um 5 Prozent angestiegen, das entspricht einem vollen Arbeitstag pro Monat. "Die zunehmende Komplexität des IT-Betriebes bedeutet, dass die CIOs wesentlich mehr delegieren müssen", sagt Gartner-Analyst Dave Aron unter Bezug auf deren jüngste CIO-Umfrage. Hierzu müssten sich die CIOs eine Art IT-Betriebs-Chef zulegen. "Nur ein IT-COO kann dem CIO den Rücken für strategische Diskussionen freihalten", lautet Arons Forderung an die Organisation der IT-Abteilung. (Harald Weiss, Orlando)

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