"IT-Debakel" im Zürcher Sozialdepartement

9. Juli 2009, 08:55
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Aufregung im Zürcher Gemeinderat um eine neue Software beim Sozialdepartement: "Scherbenhaufen ohnegleichen." "Ein Patient, der mit offenem Bauch, aber noch lebend auf dem Operationstisch liegt."

Aufregung im Zürcher Gemeinderat um eine neue Software beim Sozialdepartement: "Scherbenhaufen ohnegleichen." "Ein Patient, der mit offenem Bauch, aber noch lebend auf dem Operationstisch liegt."
Im Sozialdepartement der Stadt Zürich ist es zu einem "IT-Debakel" gekommen, das an ähnliche Fälle anderer öffentlicher Institutionen erinnert: Eine Software kostet viel mehr, als man ursprünglich angenommen hat. Wenn öffentliches Geld im Spiel ist, sorgen solche Budgetüberschreitungen meistens für grosse Aufregung.
So auch im Zürcher Gemeinderat, wo gestern Abend reihum von einem Debakel die Rede war. Wie heute etwa der 'Neuen Zürcher Zeitung' zu entnehmen ist, wird ein neues "Computersystem", das die Fallführung bei den Sozialen Diensten sowie die Klienten-Buchhaltung erledigen soll, über 20 Millionen statt wie bisher angenommen 11,5 Millionen Franken kosten. SVP-Gemeinderätin Monika Erfigen meinte, mit dem neuen System, das den Namen FAMOZ (Fallmanagement-Modell Zürich) trägt, sei ein "Scherbenhaufen ohnegleichen" hinterlassen worden.
SVP, FDP und CVP hatten Ende Juni ein Postulat eingereicht, mit dem sie eine Untersuchung darüber verlangten, wie es zu dieser Kostenexplosion kommen konnte und wer für den Fall verantwortlich ist.
"Notoperation"
Gemäss 'NZZ' waren das Postulat und die Untersuchung im Rat unbestritten. Zu reden gab hingegen die Frage, ob man dennoch Zusatzkredite von 2,26 Millionen Franken sprechen sollte, um das Projekt zu retten. CVP-Gemeinderat Josef Widler, ein Arzt, verglich FAMOZ mit einem Patienten, der mit offenem Bauch, aber noch lebend auf dem Operationstisch liege. Widler plädierte deshalb für eine "Notoperation". Danach müsse aber abgeklärt werden, wie es dazu habe kommen können.
Stadtrat Gerold Lauber, der Sozialvorsteher Martin Waser ersetzte, unterstützte diese Position und meinte, der "Turnaround" sei eingeleitet worden. FAMOZ sei eines der ersten Themen gewesen, mit denen sich Martin Waser nach der Übernahme des Sozialdepartements habe beschäftigen müssen, und er habe sofort eine externe Untersuchung angeordnet. Walter Angst von der Alternativen Liste betonte laut 'NZZ', dass die IT-Blase beim Wechsel des Departementsvorstehers geplatzt sei: "Martin Waser will jetzt sicher nichts unter den Teppich kehren."
Das Postulat wurde schliesslich ohne Gegenstimme an den Stadtrat zur Prüfung überwiesen. Gleichzeitig wurden auch die Kredite, gegen die Stimmen von SVP und FDP, bewilligt. (mim)

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