IT-Einkäufer bauen Druck auf

8. Januar 2010, 14:47
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Informatik-Einkaufsverantwortliche von grossen Schweizer Firmen, insbesonders aus der Finanzindustrie, schliessen sich im Verein 'Swiss Sourcing Group' zusammen. Anbietern wie Oracle, SAP, CA oder IBM weht ein kälterer Wind ins Gesicht.

Informatik-Einkaufsverantwortliche von grossen Schweizer Firmen, insbesonders aus der Finanzindustrie, schliessen sich im Verein 'Swiss Sourcing Group' zusammen. Anbietern wie Oracle, SAP, CA oder IBM weht ein kälterer Wind ins Gesicht.
"Es geht uns nicht primär darum, Lieferanten zu plagen. Aber gewisse, fast schon parasitäre Lizenzmodelle, sollten doch aufgegeben werden." So fasst Thomas Eberle, Sprecher des Vereins Swiss Sourcing Group (SSG), das Ziel dieser neuen Organisation in der Schweizer IT-Szene zusammen. Eberle ist ein auf IT- und Telekommunikations-Beschaffungen spezialiserter Rechtsanwalt und seit Jahren mit seiner Firma Teladvice mit dem Thema Sourcing konfrontiert. Er gehört zu den Mitgründern des Vereins und fungiert als dessen Sprecher.
Mitglieder bei der SSG können IT-Beschaffungsverantwortliche werden - Vertreter von Anbietern sind expressis verbis unerwünscht, da sich die SSG als Interessenvertretung der Kunden versteht.
Schwergewichte aus dem Zürcher Finanzplatz
Welche Firmen bei der Swiss Sourcing Group mitmachen, wollte Eberle nicht verraten, da manche IT-Sourcing-Verantwortliche als Individuen und nicht als autorisierte Vertreter von Firmen mitmachen. Klar ist aber, dass einige Vertreter von grossen und sehr (sehr) grossen Firmen aus dem Zürcher Finanzplatz mitmachen und die SSG damit bereits heute ein eindrückliches Einkaufsvolumen versammelt.
Eberle betont allerdings, dass auch IT-Beschaffer von mittelgrossen Firmen durchaus Platz in der SSG haben.
Gemeinsame Beschaffung von Commodities als Fernziel
Eines der Fernziele des Vereins ist die Organisation von gemeinsamen Beschaffungen bei Commodities wie etwa PCs und Notebooks oder Standard-Software. Bis es soweit ist, dürfte aber noch einiges Wasser limmatabwärts fliessen, denn solche "Einkaufsgemeinschaften" sind mit beträchtlichem juristischen Aufwand verbunden und würden eine gewisse Standardisierung voraussetzen. Eberle: "Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die SSG in vier oder fünf Jahren zur Einkaufsgemeinschaft wird. Dazu brauchen wir einen Showcase, in dem wir zeigen können, dass die gemeinsame Beschaffung von Commodities durch zwei oder drei Grossfirmen ganz konkrete Preiseinsparungen bringen kann."
Vorläufig allerdings erarbeitet der Verein Vorlagen und Standards für IT-Beschaffungen und hilft den Sourcing-Verantwortlichen damit, ihre eigenen Verträge und Preise einzuschätzen und zu vergleichen. Zudem kann der Verein Laufzeiten von Supportverträgen koordinieren, was den einzelnen Kunden bei Neuverhandlungen ebenfalls mehr Gewicht verleiht.
Brennende Themen: Mainframe- und Software-Lizenzkosten
Nicht erst seit gestern bekannt ist der Unmut verschieder Schweizer SAP-Kunden, vor allem von mittelgrossen Firmen aus der Industrie, mit den vom deutschen ERP-Hersteller einseitig verkündeten Preiserhöhungen bei Supportverträgen.
Die Preise von Software-Lizenz- und Wartungsverträgen, beileibe nicht nur von SAP, sind auch bei der SSG ein grosses Thema. Je nach Preismodell können diese ohne erkennbaren Mehrwert für den Kunden - unter Umständen sprunghaft und rückwirkend (!) - ansteigen. Dies kann auch Anwendern von Grossrechnern passieren, da diese meist "on demand", sprich nach benötigter Rechenleistung, bezahlt werden. Auch hier können IT-Beschaffer unter Druck geraten, da sie ihren Vorgesetzten immer höhere Rechnungen präsentieren müssen, ohne dass sie einen reellen Mehrwert nachweisen können.
ERFA-Gruppen sollen 'best practices' erarbeiten
Der Verein will ganz konkret in fünf Erfahrungsaustauschgruppen (ERFA) konkrete Hilfestellungen, zum Beispiel Templates für Ausschreibungen, für Beschaffer erarbeiten. So gibt es Gruppen zu den Themen "Workplace", "Mainframe", "Midrange", "Telco" und "Professional Services". In letzterer versucht man beispielsweise den Begriff der "Skills Levels" genau zu definieren, um so überhaupt erst zu vergleichbaren Offerten der Dienstleister zu gelangen.
Schon alleine die Tatsache, dass die SSG existiert, dürfte manchem Verkäufer von IT-Grossfirmen Bauchweh bereiten. Gelingt es dem Verein tatsächlich, gewisse grosse und mittelgrosse Firmen zu gemeinsamen Ausschreibungen zu bewegen, dürften die Preise für Commodities in der Schweiz ganz schön ins Rutschen geraten. (Christoph Hugenschmidt)

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