IT ist nicht grün, aber sie macht grün

27. Oktober 2008, 15:05
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Trotz "Green IT": Die durch ICT-Technologie verursachten CO2-Emissionen werden in den nächsten zehn Jahren unweigerlich und deutlich steigen, sagt eine Studie. Aber ICT kann helfen, dies in anderen Industriebereichen viel mehr als nur wieder gut zu machen.

Trotz "Green IT": Die durch ICT-Technologie verursachten CO2-Emissionen werden in den nächsten zehn Jahren unweigerlich und deutlich steigen, sagt eine Studie. Aber ICT kann helfen, dies in anderen Industriebereichen viel mehr als nur wieder gut zu machen.
Die Informatik- und Telekommunikationstechnologie könnte in den nächsten Jahren unter dem Eindruck der Klimaerwärmung ein Image-Problem kriegen: Trotz aller Bemühungen von Herstellern, die Technologie energieeffizienter zu machen, wird der "CO2-Ausstoss" der weltweiten ICT-Infrastruktur in den nächsten Jahren noch stark zunehmen. Der Bedarf an ICT-Leistung nimmt weltweit schlicht viel schneller zu, als die ICT-Technologie selbst "grün" werden kann. Dies sagen viele Studien und zum selben Schluss kommt auch eine aktuelle Studie von "The Climate Group", die im Auftrag der "Global eSustainability Initiative" (GeSI), einer Vereinigung von grossen IT-Herstellern, erarbeitet wurde.
Die Autoren dieser aktuelle Studie schätzten, dass der durch den Energieverbrauch von ICT-Infrastruktur (PCs und Peripheriegeräten, Rechenzentren, Telekommunikationsnetzwerken und sonstigen Geräten.) verursachte CO2-Ausstoss von heute jährlich 0,5 Gigatonnen bis 2020 auf 1,4 Gigatonnen steigen wird. Und auch dies nur, wenn "der Sektor wie bereits in der Vergangenheit beeindruckende Energieoptimierungen umsetzt." Die Befriedigung der hohen Nachfrage nach Produkten und den notwendigen Support-Diensten in Schwellenländern wie China und Indien sowie die Bereitstellung von Services zur Steigerung des Produktivitätswachstums in den Industrieländern werde die derzeit möglichen Effizienzvorteile pro Produkt bzw. Dienstleistung mehr als zunichte machen.
Der Energieverbrauch von ICT ist allerdings, so "The Climate Group", eben nur eine Seite der Medaille. Insgesamt viel stärker sollten die Einsparungen ins Gewicht fallen, die durch den Einsatz moderner IC-Technologien in anderen Industrie-Sektoren erzielt werden könnten – falls sie umgesetzt werden. Insgesamt könnte, das glauben die Verfasser der Studie, dank ICT der CO2-Ausstoss bis 2020 um 7,8 Gigatonnen vermindert werden. Auf die Energiekosten umgerechnet wären das nach heutigen Preisen knapp eine Billion Dollar, die von der Weltwirtschaft eingespart werden könnte.
Am meisten bewirken kann ICT gemäss "The Climate Group" in den folgenden Bereichen:
Intelligente Motorsysteme: Optimierte Motoren und eine verbesserte Industrieautomatisierung. Einsparungspotential knapp 1 Gigatonne CO2.
Intelligente Logistik: Nutzung von Verbesserungspotenzialen im Bereich Transport und Lagerung. Einsparungspotential rund 1,5 Gigatonnen CO2.
Intelligente Gebäude: Reduktion der Gebäudeemissionen durch bessere Bauplanung, Verwaltung und automatisierte Steuerung von Gebäudeinstallationen. Einsparungspotential 1,7 Gigatonnen CO2.
Intelligente Stromnetze: Senkung der Verluste bei der Stromübertragung und
-verteilung durch eine optimierte Überwachung und Verwaltung der Elektrizitätsnetze, zum Beispiel durch in Stromzähler integrierte "Intelligenz" sowie später die Integration von ICT in ein „Energieinternet“. Einsparungspotential rund 2 Gigatonnen CO2.
"Entmaterialisierung": Daneben gibt es eine Möglichkeit, wie auch klassische ICT-Technologie helfen kann, in der ganzen Wirtschaft Energie zu sparen. "The Climate Group" nennt dies die "Entmaterialisierung" von bestimmten Produkten und Services. Das hat nichts mit Raumschiff Enterprise zu tun: Gemeint ist, dass bestimmte physische Produkte und Vorgänge durch digitale Gegenstücke ersetzt werden können. Gemeint sind zum Beispiel Bücher sowie Sitzungen und Treffen vor Ort, die durch digitale Dokumente und Videokonferenzen unnötig gemacht werden. Das gesamte Einsparungspotential durch "Entmaterialisierung" wird auf rund 0,5 Gigatonnen CO2 geschätzt. (Hans Jörg Maron)

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