IT-Outsourcing-Geschäft mit Grossunternehmen eingebrochen

16. Oktober 2008, 16:20
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Im dritten Quartal kein einziger Megadeal in Europa. Kleinstes Volumen von Neuverträgen seit 1996.

Im dritten Quartal kein einziger Megadeal in Europa. Kleinstes Volumen von Neuverträgen seit 1996.
Nachdem im ersten der europäische IT-Outsourcing-Markt unter Grossunternehmen noch brummte, wie nie zuvor, herrschte im dritten Quartal die grosse Flaute. In der ersten Hälfte des Jahres konnte der internationale Outsourcing-Berater TPI in seinem vierteljährlich erscheinenden "TPI Index", in dem Aufträge ab einem Einzelvolumen von 20 Millionen Euro berücksichtigt werden, noch Rekordwerte sowohl in Bezug auf die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge als auch das Gesamtvolumen der Verträge vermelden. Der TPI Index zum dritten Quartal, zeigt nun ein komplett anderes Bild.
Die Kunden scheinen unter dem Eindruck der wirtschaftlichen Unsicherheit den Atem angehalten und Vetragsabschlüsse zumindest hinausgeschoben zu haben. Das Gesamtvolumen der neu abgeschlossenen Outsourcing-Aufträge sank in der Region EMEA (Europa, Afrika und Naher Osten), verglichen mit dem Vorquartal, von 14,8 auf 4,4 Milliarden Euro, das durch sie neu hinzugekommene jährliche Auftragsvolumen von 2,8 auf 0,9 Milliarden Euro. Beides sind die mit Abstand tiefsten Werte der letzten beiden Jahre. Ebenfals zum ersten Mal in den letzten beiden Jahren wurde kein einziger Mega-Auftrag mit einem Wert von über 800 Millionen Euro vergeben.
Betrachtete man nur die reinen IT-Ourtsourcing-Verträge, ohne Business Process Outsourcing, erreichte das gesamte Vetragsvolumen mit 3,1 Milliarden Euro den tiefsten Wert seit dem ersten Quartal 1996. TPI möchte die Lage nicht dramatisieren und weist daraufhin, dass der Markt für das bisherige Gesamtjahr verglichen mit dem letzten Jahr immer noch deutlich im Plus liege. Ausserdem sei zu erwarten, dass im vierten Quartal auch wieder Mega-Deals unterzeichnet würden.
Trotzdem warnt Bernd Schäfer, Partner und Managing Director, TPI, Deutschland: "Die Zahlen zum dritten Quartal sowie die Marktkennzahlen seit Jahresbeginn sind das Ergebnis von Outsourcing-Initiativen, die eingeleitet wurden, als das Umfeld im Vergleich zu den vergangenen Wochen noch weitaus stabiler war. Die schwachen Zahlen spiegeln nun die zu Jahresbeginn vorhandenen ersten Hinweise auf eine Rezession wieder. Doch die Konsequenzen der momentanen Unsicherheit und des weltweit unruhigen Wirtschaftsklimas sind in der Outsourcing-Industrie, die den Sektor Finanzdienstleistungen bedient, noch immer nicht in vollem Masse zu spüren."
Der Sektor Finanzdienstleistungen war, wen wunderts, für einen grossen Teil des Rückgangs im dritten Quartal verantwortlich. Im Gegensatz zu anderen Kundesektoren hält sich die Finanzindustrie aber schon etwas länger mit Aufträgen zurück, zumindest was das Volumen angeht. In EMEA ist das Gesamtvolumen der Outsourcing-Aufträge aus dem Finanzdienstleistungssektor seit Jahresbeginn gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 44 Prozent zurückgegangen. Gemäss TPI sank einerseits die Zahl der Aufträge und die unterzeichneten Verträge hatten eine niedrigere Vertragssumme. Dies sei in erster Linie auf einen geringeren Leistungsumfang und nicht auf kürzere Vertragslaufzeiten zurückzuführen. Unter den Finanzdienstleistungsinstituten waren es vor allem Banken, die für diese Entwicklung verantwortlich waren. (Hans Jörg Maron)

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