IT-Promis, eine schwarze Kiste und ein Warnruf

5. Juni 2007, 16:39
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Sun bringt zur Feier des 20-jährigen Bestehens ein Rechenzentrum "with wanderlust" nach Zürich. Warnende Worte von Professor Carl August Zehnder.

Sun bringt zur Feier des 20-jährigen Bestehens ein Rechenzentrum "with wanderlust" nach Zürich. Warnende Worte von Professor Carl August Zehnder.
Sun Microsystems feierte heute am feudalen FIFA-Hauptsitz in Zürich das 20-jährige Jubiläum der Schweizer Niederlassung im Beisein von etlicher Informatik-Prominenz. Attraktionen waren einerseits ein gut besetztes kurzes Podiumsgespräch mit Pat Burkhalter (Java-Pionier und Mitgründer von Ergon), Roland Saner (1. Angestellter von Sun Schweiz), Urs Michael Osann (ehem. CIO der UBS) und Professor Carl August Zehnder. Die zweite Attraktion stand auf dem Parkplatz vor dem "Sonnenberg" und stank bei laufenden Dieselgeneratoren: Ein 40-Tönner mit einem schwarzen Normcontainer, der mit Suns "Blackbox" ein voll funktionierendes, transportables Rechenzentrum enthielt (Foto).
So ein "Datacenter with wanderlust" (O-Ton Sun) kostet ab 400'000 Dollar. Es ist - da in einem Container samt Stromversorgung mit Dieselgeneratoren und Wasserkühlung - in kürzester Zeit installierbar und enthält bis zu 250 Sun Fire T1000- oder andere Server, Speicher bis zu zwei Petabytes sowie Netzwerkkomponten. Bestehende Kunden für das "Instant-Rechenzentrum" wollte Suns Mittel- und Nordeuropa-Chef Andres Harrysson nicht nennen. Er tönte aber an, dass NATO-Kreise sich auf die Blackbox verlassen, was dann aber auch seine Aussage, das Rechenzentrum sei umweltfreundlich, relativierte. Was könnte umweltschädlicher sein als Krieg?
In der Schweiz wurde die Blackbox noch nie verkauft, wie Sun-Schweiz-Chef Andreas Knöpfli sagte. Doch gibt es gemäss Knöpfli einige ernsthafte Interessenten. Tatsächlich dürfte die "Blackbox", da ohne Baukosten, für jene Fälle, wo schnell und verhältnismässig billig, Rechenkapazitäten aufgebaut werden müssen, eine interessante Alternative darstellen.
Zehnder: "Dramatisches Problem"
Am Roundtable gab es neben amüsanten Reminiszenzen aus 20 Jahren Informatik-Geschichte in der Schweiz auch durchaus Ernsthaftes zu hören. So kam Professor Carl August Zehnder kurz auf die für die hiesige Informatik-Industrie bedrohliche Situation zu sprechen. Von etwa 100'000 Menschen in der Schweiz, die professionell mit Informatik arbeiten, sind immer noch etwa 70'000 Quereinsteiger. Gleichzeitig sinkt die Anzahl von Informatik-Studierenden an den Universitäten und der ETH dramatisch und IT findet an den Mittelschulen praktisch nicht mehr statt. Umgekehrt ist es bei den Informatik-Lehrstellen, wo es mehr Interessenten als Lehrplätze gibt. Dies, so Zehnder, weil es bei den Anbietern eine extrem grosse Anzahl von Kleinfirmen gibt. Der geringe ICT-Nachwuchs in der Schweiz hat sich gemäss dem Doyen der Schweizer Informatik zu einem "dramatischen Problem" ausgewachsen. Er hofft nun, dass die vereinten Anstrengungen der Branche, 2008 zum "Jahr der Informatik" unter bundesrätlicher Schirmherrschaft, die Attraktivität von Informationstechnologie wieder mehr in den Vordergrund rücken wird. (Christoph Hugenschmidt)

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