IT-Verbands-Fusion mit Nebengeräuschen

17. Februar 2009 um 16:30
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Es zeichnet sich ab, dass der Telco-Verband asut bei der Fusion der Schweizer ICT-Verbände nicht mitmachen wird. Nun ist Überzeugungsarbeit angesagt. Derweil treten ISSS und JUGS aus der SI aus.

Es zeichnet sich ab, dass der Telco-Verband asut bei der Fusion der Schweizer ICT-Verbände nicht mitmachen wird. Nun ist Überzeugungsarbeit angesagt. Derweil treten ISSS und JUGS aus der SI aus.
Die Fusion der Informatikverbände SwissICT und SI (Schweizer Informatik Gesellschaft) mit dem Dachverband ICTswitzerland verläuft nicht ohne Nebengeräusche. Angesichts der vielen verschiedenen Organisationen, die zusammengeschlossen werden sollen, ist das auch nicht erstaunlich. Doch seit einigen Tagen sehen sich die Fusionswilligen mit einem grösseren Problem konfrontiert.
asut will nicht
Der Schweizerische Verband der Telekommunikation (asut) will von der Fusion plötzlich nichts mehr wissen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Telco-Verband am 19. März bei der Generalversammlung zur Annahme des Fusionsvertrages gegen den Zusammenschluss stimmen wird. Abgesehen von SwissICT ist asut der grösste Verband innerhalb von ICTswitzerland. Machen die Telcos nicht mit, dürfte der ganze ICT-Verbands-Integrationsprozess in Frage gestellt werden.
Wie asut-Präsident Fulvio Caccia zu inside-it.ch sagt, gab es innerhalb des Telco-Verbands kritische Töne. Grund dafür ist die Tatsache, dass "wichtige Fusionsdokumente", die am 19. März zur Abstimmung stehen, zu spät bei asut angekommen seien. Andrej Vckovski, Vorstandsmitglied von ICTswitzerland, gibt zu, dass bei einer Vorstandssitzung im Januar noch nicht alle fusionsrelevanten Dokumente vorlagen. "Für einige asut-Mitglieder war die Dokumentenlage dürftig", so Vckovski. Er betont aber, dass die wesentlichen Punkte bereits im vergangenen Jahr besprochen worden seien.
Von aussen betrachtet ist es schwierig einzuschätzen, ob die Argumentation mit den Dokumenten einfach nur ein Vorwand ist. Sicher ist, dass es asut mit der Drohung, bei der Fusion nicht mitzumachen, ernst meint. Man müsse nun mit asut intensive Gespräche führen, um die offenen Punkte zu klären, sagt Vckovski. "Es wird einige Überzeugungsarbeit brauchen." Es bestehe das Risiko, dass sich asut der Stimme enthalte oder sogar gegen die Fusion stimme.
Doch die "asut-Problematik" ist – obschon die grösste – nicht die einzige Hürde bei der Fusion. Wie man hört, gab es auch im Welschland Irritationen. Vckovski betont, dass der Westschweizer Verband ICT-SR zwar skeptisch sei, wahrscheinlich aber am 19. März für die Fusion stimmen werde.
ISSS und JUGS: Vereine statt Fachgruppen
Einen Umweg zur Fusion nehmen die Information Security Society Switzerland (ISSS) und die Java User Group Switzerland (JUGS). Beide sind kürzlich aus der SI ausgetreten, um als eigenständige Vereine Mitglieder des neuen Dachverbandes zu werden. Als Mitglied der SI wären sie nur Fachgruppen gewesen und hätten somit unter anderem finanzielle Einbussen gehabt sowie ihre Vereinsstruktur verloren. Zusammen haben ISSS und JUGS über 1000 Mitglieder.
Laut Vckovski ist dies durchaus ein vorgesehener Weg und man sei darüber auch nicht weiter erstaunt, denn ISSS und JUGS hätten bereits jetzt innerhalb der SI eine sehr grosse Autonomie. Es sei deshalb nachvollziehbar, dass die beiden Gruppierungen bei der Fusion mehr Mitspracherecht fordern. Im Gespräch mit inside-it.ch betonen sowohl ISSS- wie auch JUGS-Vorstandsmitglieder, dass man im Dachverband ICTswitzerland bleibe, nach wie vor von der Fusion überzeugt sei und im März auch dafür stimmen werde. "Nur mit dieser Fusion kann die Schweizer ICT-Szene eine Stimme erhalten, die von Politik, Wirtschaft und Bildung gehört wird", sagt ISSS-Präsident Thomas Dübendorfer.
Bis es so weit ist, werden aber noch viele Gespräche stattfinden, um auch wirklich alle ins Boot zu holen. Vckovski bleibt zuversichtlich: Er geht von einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent aus, dass die Fusion zustande kommt. (Maurizio Minetti)

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