IT-Verbandsprojekt "Phönix" (ein bisschen) konkretisiert

27. November 2009, 16:52
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Siemens, Microsoft, Google, Accenture und IBM wollen einen neuen Schweizer IT-Verband aufziehen. Oder doch nicht?

Siemens, Microsoft, Google, Accenture und IBM wollen einen neuen Schweizer IT-Verband aufziehen. Oder doch nicht?
Die Pressemitteilung, die gestern Abend versandt wurde, hat es in sich: Unter den Logos von Siemens, Microsoft, Google, Accenture und IBM heisst es da unter dem Titel "Gemeinsame Stimme für die Schweizer IT Branche": "Die Schweizer IT Branche will künftig ihre Anliegen einheitlich vertreten. Erste Schritte zur Gründung eines neuen Verbandes wurden in Zürich vorgestellt."
Tatsächlich stellten die Initianten des sagenumwobenen "Projekt Phönix" gestern Abend an einer Veranstaltung (Medien waren nicht eingeladen) ihre Initiative zur Bildung eines einheitlichen IT-Verbandes der Schweiz vor. Der künftige Verband soll sowohl Anbieter wie auch IT-Anwender vereinen und "ganzheitlich vertreten", wie es in der gemeinsamen Mitteilung der oben erwähnten Firmen heisst.
Konkret wollen die Initianten im Januar 2010 einen Förderverein namens "IT Verband Schweiz" gründen und mit professionellen Strukturen versehen. Dieser soll "die notwendigen Schritte bis zur Gründung des Verbands einleiten sowie die Finanzierung und Organisation sicher stellen," so das Communiqué.
Im Hintergrund der Bemühungen steht die Tatsache, dass diesen März die geplante Fusion verschiedener IT-Verbände (SwissICT, SI und ICTSwitzerland) unter Nebengeräuschen geplatzt ist.
Doch kein neuer Verband?
Ob nun tatsächlich einfach ein neuer, zusätzlicher IT-Verband neben Swico, SwissICT, ICTSwitzerland, Asut, SI und vielen Fachorganisationen wie etwa ISSS entstehen wird, ist allerdings noch unklar. Microsoft-Sprecherin Barbara Josef antwortete auf unsere entsprechende Frage: "Das Ziel ist nicht, eine neue Plattform aufzubauen. Vielleicht wird es in einer Anfangsphase eine zusätzliche Organisation geben." Später allerdings könnte "Phönix" in bestehende Strukturen integriert werden. Josef: "Noch ist nicht klar, in welcher Geschwindigkeit die Integration passieren wird und ob bestehende Verbände integriert werden oder sich auflösen."
Ähnlich tönt es vom IBM-Hauptsitz in Altstetten. IBM-Sprecherin Susan Orozco betont, dass es darum gehe, Kräfte zu bündeln, dass man nun das Gespräch mit anderen Verbänden suche und dass die gestrige Veranstaltung erst ein erster Schritt gewesen sei.
Noser als "Vertreter der Asche"
Einen ziemlich fulminanten Auftritt hat gestern Abend offenbar Nationalrat Ruedi Noser geboten. Der IT-Unternehmer und profilierteste -Lobbyist der Schweiz bezeichnete sich in Anspielung auf den Projektnamen "Phönix" als "Vertreter der Asche". Er bestritt, dass die ICT-Industrie bis heute nicht mit einer Stimme auftrete und zählte auf, zu welchen Themen Swico, ICTSwitzerland, asut und ePower aktiv in der Politik mitgearbeitet haben.
Noser vermisst am Vorgehen der "Phönix"-Initianten zudem den Respekt vor den Leuten, die in den 90er Jahren bis heute die bestehenden Strukturen aufgebaut und zum Beispiel die IT-Berufsausbildung aufgezogen haben. Wichtiger noch: Der Nationalrat ist überzeugt, dass Schweizer Firmen in einem künftigen IT-Verband das Hauptgewicht haben müssen, soll er ein einflussreicher Wirtschaftsverband wie etwa swissmem werden. Noser: "In einem glaubwürdigen IT-Verband müssen die Entscheide in der Schweiz gefällt werden."
Grundsätzlich aber bewertet Noser die Initiative positiv: "Ich freue mich auf das Engagement der beteiligten Firmen und Personen. Und ich würde mich natürlich freuen, wenn der künftige Förderverein in ICTSwitzerland eintritt," so Noser zu inside-it.ch.
Eine grundsätzlich positive Einschätzung kommt auch von Andrej Vckovski, der als Vertreter des kleinen Verbandes simsa im Vorstand von ICTSwitzerland sitzt. "Wir finden es gut, dass nun auch die Vertreter der grossen, multinationalen IT-Firmen und der grossen Anwender aufgewacht sind. Es ist nun unsere Herausforderung und Chance, den künftigen Förderverein zur Mitarbeit zu bewegen," so Vckovski zu inside-it.ch. Wohl nicht zu Unrecht hofft er, dass "Phönix" dazu beitragen könnte, dass die Vereinfachung der Verbandsstrukturen in der Schweiz in einem zweiten Anlauf doch noch angepackt werden könnte. (Christoph Hugenschmidt)

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