ITIL v3 zwischen Hoffnungen und Skepsis

6. Juli 2007, 12:03
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Eine Mehrheit der Anwender erhofft sich vor allem von der Beschreibung der Services in einem Lifecycle-Modell Vorteile. Ein Berater warnt vor schneller Migration, ein anderer nicht.

Eine Mehrheit der Anwender erhofft sich vor allem von der Beschreibung der Services in einem Lifecycle-Modell Vorteile. Ein Berater warnt vor schneller Migration, ein anderer nicht.
In der IT-Servicemanagement-Szene ist gegenwärtig die dritte Version von ITIL, ITIL 3 oder ITIL v3 genannt, eines der grossen Themen. Eine der wichtigsten Neuerungen von ITIL v3 ist die Beschreibung der Services anhand der Phasen in ihrem Lebenszyklus, von der Implementierung über den Betrieb bis zur Optimierung oder Abschaffung. Die dritte Version dieses Umsetzungsmodells für Service-Mangement soll in den nächsten Monaten und Jahren langsam ITIL v2 ergänzen und ablösen.
Gemäss einer Umfrage des deutschen Beratungsunternehmens Exagon, an der sich rund 200 Vetreter von grösseren Unternehmen ab 50 Millionen Euro Umsatz beteiligten, meint eine grosse Mehrheit der potentiellen User, dass dieses Lifecyle Modell viel versprechend ist. 44 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben, dass die Abbildung der IT-Prozesse in einem Lifecycle-Modell "in jedem Fall" vorteilhaft sei. 39 Prozent erhoffen sich immerhin "tendenziell" Vorteile. Nur 17 Prozent zeigten sich dagegen grundsätzlich skeptisch und erklärten, dass die Neuerung nicht wirklich etwas bringe.
Wie uns Martin Andenmatten, Gründer des (bereits für die v3 akkreditierten) Schweizer ITIL-Spezialisten Glenfis erklärte, dürfte das Ergebnis einer entsprechenden Umfrage in der Schweiz ganz ähnlich ausfallen. Gemäss Andenmatten waren allerdings Lifecycle-Aspekte durchaus schon in der früheren ITIL-Version vorhanden, wenn auch in den eher unbeachteten Teilen: "Die allermeisten Leute kennen halt nur zwei der acht Bücher von ITIL v2, nämlich 'Service Delivery' und 'Service Support'". Die alte Version sei aber in weiten Teilen zu abstrakt und "prozesslastig" gewesen. Die neue Version versuche nun unter anderem, viele "Schwammigkeiten" zu vermeiden und konkretere Aneitungen zur Integration der IT-Services in Projekte, die Entwicklung, Service-Design, IT-Strategie usw. zu geben. Mit der v3 bewege sich ITIL "eher wieder in der realen Welt".
Komplexität hat zugenommen
"Das Lifecycle-Konzept zielt auf eine einfachere Umsetzung der Projekte und besseren Ausrichtung der IT auf das Business ab", beschreibt Exagon-Geschäftsführer Joachim Fremmer die Absicht hinter der Erneuerung. Persönlich ist er aber nicht davon überzeugt, dass diese Ziele schon erreicht wurden: "Das Lifecycle-Modell ist aufgrund der sehr unterschiedlichen Autoren mit ihren verschiedenen Sichtweisen und marktpolitischen Interessen nicht durchgängig genug und teilweise sogar widersprüchlich." So werde zum Beispiel die Verbindung des Service-Lebenszyklus zum Business und Produkt-Lifecycle nicht ausreichend dargestellt.
Andenmatten widerspricht in diesem Punkt Fremmer teilweise: "Fremmer hat eigentlich recht. Aber in der Version 3 wurde eher versucht, die Struktur der Bücher einheitlicher zu gestalten. Die aufgrund der verschiedenen Autoren usw. entstandenen Uneinheitlichkeiten waren in der bisherigen Version eher noch ausgeprägter." Aber man müsse natürlich sehen, dass ITIL auch in der v3 "kein wissenschaftliches Modell" sei.
Wie Andematten anmerkt, sei ITIL in der neuen Version aber in vielen Dingen komplexer geworden. Zwar wurde die Zahl der Bücher bzw. Themengebiete von acht auf fünf reduziert. Aber während man vorher gut mit zweien davon ausgekommen sei, sei man nun gezwungen, das ganze Framework zu betrachten und sich in alle Bücher einzuarbeiten.
Umsteigen oder noch warten?
Fremmer rät ITIL-Anwendern nicht grundsätzlich davon ab, auf ITIL v3 umzusteigen, warnt aber davor, die Dinge zu überstürzen. Zuerst solle man besser zunächst ITIL v2 "in einen sicheren Hafen zu bringen. Das Regelwerk in der bisherigen Version ist vielfach erst teilweise eingeführt, deshalb sollten Unternehmen zunächst ihre bisherige ITIL-Politik fortsetzen und sich nicht eine Koexistenz von zwei ITIL-Versionen aufbürden."
Auch hier ist Andenmatten etwas anderer Meinung. Man müsse für einen Umstieg auf v3 keinerlei neue Tools beschaffen und auch sämtliche bekannten Services seien wieder vorhanden. In der v3 seien aber viele Probleme der v2 angegangen worden und daher finde man, wenn man sich in die neuen Bücher einarbeite, viele Tipps wie man bestehende Schwierigkeiten von ITIL-Umsetzungen beseitigen könnte. (Hans Jörg Maron)

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