IWF will Finanzsystem gegen verheerende Cyberattacken schützen

11. Dezember 2020, 09:30
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Der Währungsfonds sorgt sich um die Stabilität des Finanzsystems. Er fordert globalen Datenaustausch und einheitliche Regularien.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat unter anderem zur Aufgabe, die globale Geldpolitik zu überwachen. Offenbar bereitet der UNO-Sonderorganisation die Bedrohungen der Finanzstabilität Sorgen, die aus der Cyberwelt erwachsen. Sie will mehr Aufmerksamkeit dafür gewinnen. Damit dürfte der IWF in der Schweiz offene Türen einrennen, hatten doch erst kürzlich die Finma und SIX auf die grossen Gefahren hingewiesen.
Die steigende Anzahl der Angriffe, höhere Verluste und die Einsicht, dass das Finanzsystem ernsthaft gestört werden könne, hätten das Thema von den IT-Abteilungen in die Chefetagen gehoben, heisst es in einem aktuellen Bericht des IWF. Allerdings mangle es an internationaler Widerstandskraft, etwa sei die Cyberabwehr noch immer fragmentiert. Und dies obwohl aus den Cyberrisiken mannigfaltige Probleme folgen könnten: Vom Datenabfluss und dem Ausfall von zentralen Services bis hin zu Vertrauensverlust und Liquiditätsklemme. Um diesen Gefahren Herr zu werden, schlägt der IWF nun sechs Schritte vor.
  • Cyber-Risiken sollen besser in die Analyse der Finanzstabilität einbezogen werden. Dazu gehören die Kartierung der wichtigsten finanziellen und technologischen Verbindungen (Cyber-Mapping), Netzwerkanalysen und Stresstests. Die Resultate der Analysen könnten zu einem besseren Verständnis für die Risiken beitragen. Man stehe hier aber noch ganz am Anfang, was auch der schlechten Datenlage liege.
  • Eine grössere Einheit der regulatorischen Ansätze würde die Kosten für die Einhaltung der Vorschriften senken, argumentiert der IWF. Auf der Grundlage gemeinsamer Regeln könne eine Plattform für eine stärkere grenzüberschreitende Zusammenarbeit und den Informationsaustausch etabliert werden. Hier gebe es bereits Bemühungen zur Harmonisierung seitens internationaler Organisationen, auch um international tätigen Finanzinstituten mehr Sicherheit zu bieten.
  • Die Verbesserung von Möglichkeiten zu Response und Recovery bei Cyberangriffen auf nationaler Ebene soll die Finanzstabilität erhöhen. Dies müsse aber eine Entsprechung auf internationaler Ebene erfahren, um das global vernetzte System besser schützen zu können. Die Arbeiten in diesem Bereich steckten sowohl national als auch international noch in den Kinderschuhen, lautet die Einschätzung des IWF.
  • Ein besserer Austausch von Informationen über Bedrohungen, Cyberangriffe und Reaktionen zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor würden die Gegenwehr erleichtern. Hier stünden aber häufig Hindernisse wie nationale Sicherheitsbedenken und Datenschutzgesetze im Weg. Der IWF schlägt vor, dass man sich global auf ein vertrauenswürdiges Netzwerk verständigt, dass Informationen über eine gemeinsame Plattform nach festgelegten Standards zirkulieren lässt.
  • Verstärkte internationale Bemühungen zur Abschreckung von Angreifern würde die Bedrohung bereits an der Quelle angehen. Obwohl man an Protokollen für den Informationsaustausch und Ermittlungen arbeite, bleibe dies bislang unvollendet, moniert der IWF. Ohne erneute und nachhaltige Anstrengungen würden die Kosten und Risiken für den Finanzsektor steigen, wobei die Entwicklungsländer am stärksten gefährdet seien.
  • Der Aufbau von Kapazitäten in Entwicklungs- und Schwellenländern könne wiederum die finanzielle Stabilität stärken und die finanzielle und technologische Integration unterstützen. Länder mit niedrigem Einkommen seien besonders anfällig für Cyber-Bedrohung. 

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