Jens Alder soll Informatik-Stall im VBS ausmisten

26. Oktober 2009, 13:42
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Die ehemaligen Swisscom-Manager Jens Alder und William Angst leiten eine neue Taskforce, die prüfen soll, welche Softwaresysteme in welchem Umfang weiter betrieben werden sollen. Die verschiedenen Applikationen seien derzeit kaum untereinander kompatibel, sagt Bundesrat Maurer.

Die ehemaligen Swisscom-Manager Jens Alder und William Angst leiten eine neue Taskforce, die prüfen soll, welche Softwaresysteme in welchem Umfang weiter betrieben werden sollen. Die verschiedenen Applikationen seien derzeit kaum untereinander kompatibel, sagt Bundesrat Maurer.
Die Debatte um die Beschaffung neuer Kampfjets - beziehungsweise um die zu hohen Kosten der Armee - betrifft jetzt auch die Informatik. Weil im Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) die Mittel fehlen, um neue Kampfjets oder auch andere Waffen und Munitionen zu kaufen, muss gespart werden. Zu viel Geld ausgegeben wurde bis anhin auch bei der IT. Verteidigungsminister Ueli Maurer sagte in einem Interview mit dem 'SonntagsBlick', die Armee habe hunderte von Millionen bei der Informatik verschleudert.
"Nicht kompatibel"
"Wir haben in den letzten Jahren rund 500 verschiedene Computer-Programme eingekauft. Die sind aber nicht kompatibel, können nicht miteinander kommunizieren. Zudem haben wir gut 2000 Applikationen, die wir zum Teil selber entwickelten. Wir sind schlicht nicht in der Lage, das alles zu betreiben", so Maurer. Und weiter: "Wenn wir alle EDV-Anwendungen, die wir gekauft haben, betreiben wollten, bräuchten wir noch mal sehr viele Informatiker zusätzlich." Nun sei man daran, "auszudünnen". Das Problem war bisher offenbar, dass zu viele Stellen im Departement selbst über IT-Projekte entscheiden konnten.
Als "Paradebeispiel" nennt Maurer das 700 Millionen teure Führungssystem FIS Heer, das mit den Rüstungsprogrammen 06 und 07 beschafft wurde. "Wegen der Probleme können wir aber erst 2011 beginnen, es bei den Truppen einzuführen. Bis es in der Truppe voll genutzt werden kann, wird es wohl 2015. Und dann stellt sich die Frage, ob die Software noch auf dem neusten Stand ist", so Maurer.
"Taskforce Informatik VBS"
Im Interview kündigte Maurer die Gründung einer Taskforce an, die im IT-Bereich des VBS aufräumen soll. "Damit sollten wir in einem Jahr die Probleme im Griff haben, und in fünf Jahren wird das ganze EDV-System funktionieren." Heute gab das Departement weitere Details bekannt. Demnach wird der frühere Swisscom-Chef Jens Alder (Foto) ab dem 1. Januar 2010 den Steuerungsausschuss der "Taskforce Informatik VBS" leiten. Alder war erst kürzlich zum Präsidenten der Industriellen Werke Basel (IWB) ernannt worden.
Ziel der Taskforce ist, die "Führbarkeit und die Leistungsfähigkeit der Informatik im VBS in den kommenden drei bis fünf Jahren wiederherzustellen, beziehungsweise wesentlich zu verbessern", schreibt das VBS in einer Mitteilung.
Eigentlicher Leiter der Taskforce, die bereits ab dem 1. November 2009 loslegt, ist William Angst. Der 57-Jährige ist Doktor der Chemie ETH und kommandierte als Major eine Panzerhaubitzen-Abteilung. Er hat gemäss VBS internationale Führungserfahrung in verschiedenen Branchen als Geschäftsleiter, als Verwaltungsrat und als Leiter von "komplexen Projekten". Auch Angst arbeitete früher bei Swisscom: Bis vor zwei Jahren war er Chef von Swisscom Immobilien.
Mehr Informatiker
Dass das VBS beziehungsweise die Armee auch in der Informatik sparen muss, ist nicht neu. Bereits im Juli 2008 – damals war Samuel Schmid noch Verteidigungsminister – hiess es, man wolle im IT-Bereich vermehrt outsourcen und damit auch Informatikstellen abbauen.
Von einem Abbau der IT-Stellen spricht man nun aber nicht mehr - im Gegenteil. Er könne frühere Pläne, im Informatikbereich Stellen abzubauen, nicht bestätigen, sagt VBS-Sprecher Martin Bühler zu inside-it.ch. Sicher sei, dass mit Maurer ein Richtungswechsel eingetreten sei und nun IT-Stellen geschaffen würden. Tatsächlich hatte Maurer in seinem Bericht "Herausforderungen der Armee" vom 7. April 2009 an die Sicherheitspolitischen Kommissionen der Eidgenössischen Räte auf ungenügende Managementkapazität sowie fehlendes Know-how und Personal hingewiesen und die Situation im Informatikbereich als "ausserordentlich komplex" bezeichnet.
Maurer sprach im Interview mit dem 'SonntagsBlick' von 50 zusätzlichen Stellen, die geschaffen werden sollen. Das VBS gibt nicht bekannt, wie viele Stellen momentan in der Informatik bestehen. Medienberichten zufolge sind es 460 bis 700 Stellen.
Informatik-Leistungserbringer des VBS ist die sogenannte "Führungsunterstützungsbasis" (FUB). Sie ging im Dezember 2004 aus der Fusion der Untergruppe Führungsunterstützung (UGFU) und der Direktion Informatik VBS (DIK VBS) hervor. Die FUB umfasst Aufgaben wie Telekommunikation, Informatik, elektronische Kriegführung, elektronische Luftraumüberwachung mittels Radar, Kryptologie, Sprachspezialisten, Führungsdienst und Hauptquartier-Dienstleistungen. Sie beschäftigt zurzeit 660 Personen an 15 Standorten. (Maurizio Minetti)

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