Jerry Seinfeld soll Vista entstauben

21. August 2008, 02:15
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Windows ist für graue Bürokraten, Mac-User sind kreativ und cool. Das Klischee ist weit verbreitet, und dieses Bild wird von der angriffigen Apple-Werbekampagne kaltblütig ausgenutzt. Microsoft fühlt sich herausgefordert.

Windows ist für graue Bürokraten, Mac-User sind kreativ und cool. Das Klischee ist weit verbreitet, und dieses Bild wird von der angriffigen Apple-Werbekampagne kaltblütig ausgenutzt. Microsoft fühlt sich herausgefordert.
Microsoft lässt Apple’s Werbeangriffe nicht auf sich sitzen. Der PC-Gigant scheint Angst zu haben, die Imageschlacht gegen die teuren, aber hippen Apfelrechner langfristig zu verlieren. Nicht ganz zu Unrecht, wenn man bedenkt, dass Apples Marktanteile im zweistelligen Bereich wachsen. Auch wenn weiterhin über 90 Prozent der Heimrechner auf Windows basieren, hat der Gigant ein Image-Problem. Vor allem Windows Vista ist dem Vertrauen der Anwender nicht gerade zuträglich und wird als langsam, instabil und unübersichtlich verschrien. Statt einer neuen, leistungsfähigen und wegweisenden Betriebssystem-Generation scheint der letzte Microsoft-Sprössling ein notorisches Problemkind zu sein.
Nachdem Microsoft von Apple via Werbung in die Pfanne gehauen wurde, holt Steve Ballmer zum nächsten Streich im Image-Schlagabtausch aus. Wie das "Wall Street Journal" heute berichtet, haben sich die Redmonder eine neue Werbeagentur besorgt, die nun für 300 Millionen Dollar eine Imagekampagne durchführen soll. Und das "Journal" hat natürlich auch schon Insiderinformationen, wer der Aufhänger sein soll: Niemand geringerer als Starkomiker Jerry Seinfeld. Er soll für die bescheidene Entschädigung von 10 Millionen Dollar neben Firmengründer Bill Gates die Hauptrolle in den Spots spielen. Demnach scheint sich die Werbestrategie bei Windows nicht grossartig zu verändern, hat sich das Unternehmen doch schon des Öfteren auf den Celebrity-Faktor seines Gründers in Kombination mit anderen Showbiz-Sternchen verlassen, um seine Botschaften anzubringen.
Image- oder Technikproblem?
Doch nicht nur die Berühmten sollen‘s richten. Auch die User sollen zu Wort kommen. Und zwar diejenigen, die von Microsoft einem fiesen Test unterzogen wurden, bei dem ihnen Vista als ein Betriebssystem namens "Mojave" verkauft wurde. Das arme Vista kam unter falschem Namen viel besser an. Bilder von diesen Tests sollen ebenfalls Eingang finden in die Werbekampagne und der Welt zeigen, dass Vista nicht schlecht, sondern schlechtgeredet ist. Das Problemkind leidet also nur an seinem Umfeld.
Ob das 300-Millionen-Image-Lifting Windows Vista dereinst zur ersehnten Akzeptanz verhelfen wird, steht in den Sternen. Auch wenn Jerry Seinfeld laut einer Tochterfirma der Kommunikationsagentur Omnicom grosse Akzeptanz unter den Konsumenten geniesst, ist er bestimmt nicht die Inkarnation des coolen Kreativen, der latteschlürfend im Hot-Spot-Café rumsurft. Aber Omnicom wird es wissen. Pikanterweise stammen nämlich auch die erfolgreichen Apple-Spots aus diesem Hause. In Kommentaren von „Wall Street Journal“-Lesern wird an der Wirksamkeit der Kampagne schon jetzt gezweifelt. "Microsoft hat kein Image-Problem", äussert sich einer, "die haben ein technisches Problem." Eine andere Userin bemerkt lakonisch: "Wieso verbessern sie nicht einfach das Produkt?" (Amir Ali)
(Foto: Alan Light, Creative Commons)

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