Jetzt startet der gerichtliche Kampf um das App-Store-Business

3. Mai 2021, 12:49
  • epic games
  • apple
  • international
  • technologien
  • justiz
image

In den USA beginnt der mit Spannung erwartete Prozess zwischen "Fortnite"-Entwickler Epic und Apple. Der könnte das Smartphone-App-Geschäft umkrempeln.

In einem heute startenden Gerichtsverfahren geht es um die Marktmacht, die Apple aufgrund seines App-Stores faktisch hat. Dagegen haben sich die Macher des populären Online-Spiels "Fortnite" aufgelehnt. Die Entwickler von Epic Games führte für Nutzer des Spiels "Fortnite" auf iPhone und iPad am 13. August 2020 die Möglichkeit ein, In-App-Käufe günstiger zu tätigen und damit das Apple System zu umgehen. Sie forderten damit den Tech-Konzern heraus. Die Reaktion kam prompt: "Fortnite" verschwand aus dem App-Store für Apples Mobil-Geräte. Epic konterte umgehend mit einer Klage.
Im Zentrum des Prozesses steht also ein Streit über den Wettbewerb im App-Store. Das Gericht muss klären, wieviel Kontrolle Apple über seinen eigenen App-Store hat und warum Apple keine alternativen App-Stores erlaubt und wieso bis zu 30% Gebühren pro Transaktion fällig werden. Wann mit dem Urteil zu rechnen ist, ist offen.
Epic will einen eigenen App-Store auf dem iPhone betreiben und Apple keine Abgabe für Einnahmen aus dem Verkauf digitaler Artikel zahlen. Apple will dagegen, dass Anwendungen weiterhin nur über den App Store des Konzerns geladen werden können. Unter anderem um die Nutzer vor Betrug und Software-Fehlern zu schützen, sollen die App-Entwickler nicht direkt mit den Zahlungsinformationen von Kunden interagieren dürfen, sondern Apple Pay nutzen müssen, über das Apple Gebühren kassiert.
Epic geht übrigens auch gegen Googles Playstore vor, weil dort die Provision zu hoch sei. Hierzulande gehört das Genfer Unternehmen Proton Technologies zu den Kritikern von Apple und Google und deren App-Store-Praktiken. Es bietet unter anderem Protonmail an und bemängelt, "Konzerne wie Apple und Google haben die Macht über Leben und Tod von praktisch jedem Tech-Unternehmen, uns eingeschlossen". Ab einer gewissen Dominanz über den App-Vertrieb müsse Regeln und Vorschriften geben, sagte kürzlich Andy Yen, Gründer und CEO von Proton Technologies gegenüber 'The Information'.
Das nun anstehende Verfahren könnte also weitreichende Auswirkungen auf die Internet-Branche haben. Laut einem Bericht der 'NZZ' "steht dabei nicht weniger auf dem Spiel als Grundsatzfragen zur Zukunft der Digitalwirtschaft". Darf Apple von jeder Transaktion eine dicke Provision einbehalten oder verstösst der Konzern gegen das Wettbewerbsrecht?
Da sich auch andere App-Entwickler an diesen Geschäftspraktiken stossen, könnte das Urteil einen Präzedenzfall schaffen. Jedenfalls geht es um viel Geld, falls Apple nicht mehr die alleinige Oberhoheit über seinen App-Store hat. Immerhin spült der derzeit über Apple-Pay als vorgeschriebener Bezahlmethode bis zu 30% der Einnahmen der App-Anbieter als Gebühr in die Kassen der Cupertino-Firma.

Loading

Mehr zum Thema

image

Justitia 4.0: Anwälte können Portokosten sparen

Nächstes Jahr startet die Entwicklung von Justitia 4.0. Im Interview erläutert Gesamtprojektleiter Jacques Bühler, wie er Anwälte überzeugen will, warum die Post auf Millionen verzichten muss und weshalb das Mitmachen der Kantone freiwillig ist.

publiziert am 23.9.2022
image

Twint partnert mit Cembra-Tochtergesellschaft Swissbilling

Die Schweizer Bezahl-App Twint will künftig mit Swissbilling zusammenarbeiten. Details der Partnerschaft waren indes nicht zu erfahren.

publiziert am 23.9.2022
image

Deutsche Telekom wird T-Systems nicht los

Die Verhandlungen zum Verkauf der IT-Dienstleistungssparte sind laut einem Medienbericht gescheitert.

publiziert am 22.9.2022
image

RZ-Ausfälle kosten schnell mal mehr als 1 Million Dollar

Eine internationale Studie zeigt, dass die Betreiber auch im nachhaltigen Umgang mit Strom und Wasser noch Verbesserungs­potenzial aufweisen.

publiziert am 22.9.2022