Job-Automatisierung: Neue Studien beschwichtigen

16. Mai 2017, 11:38
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Deloitte sagt, was man in der Schweiz tun muss, um in der Digitalisierung zu bestehen. Aber stimmen Prognosen und Ratschläge?

Deloitte sagt, was man in der Schweiz tun muss, um in der Digitalisierung zu bestehen. Aber stimmen Prognosen und die damit zusammenhängenden Ratschläge?
Das Consulting-Unternehmen Deloitte hat sich mit den Auswirkungen der Automatisierung auf Mitarbeiter, Unternehmen und das Bildungssystem in der Schweiz beschäftigt. In seinem neusten Papier "Welche Schlüsselkompetenzen braucht es im digitalen Zeitalter?" will Deloitte erklären wie man als Unternehmen, Mitarbeiter oder Bildungsanbieter in der aktuellen Entwicklung bestehen kann.
Attraktivität erhöhen und sich permanent weiterbilden
Unternehmen könnten ihre Attraktivität durch Talentmanagement, Weiterbildung und die Förderung der Arbeitsmarktfähigkeit ihrer Mitarbeiter erhöhen. Denn das führe zu steigender Motivation und Produktivität der Mitarbeiter – im digitalen Zeitalter seien dies besonders wichtige Faktoren. Durch den Einsatz digitaler Technologien könnten die Unternehmen zudem die Rekrutierung von neuem Personal vereinfachen. Dies gelte sowohl für die Auswertung von Nutzerdaten für die Personalsuche, als auch beim Kontakt mit den potentiellen Angestellten sowie möglichen Verhaltenstests.
Für Angestellte gelte es, mit der Zunahme der Wissens- und Bildungsintensität mitzuhalten. Wichtig seien kognitive Kompetenzen, Fachwissen sowie die Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen. Besonders zukunftsweisend seien Kreativität, soziale Intelligenz und ICT-Kenntnisse. In eine ähnliche Richtung argumentiert der Marktforscher Gartner in einer neuen Mitteilung zur Automatisierung in hochqualifizierten Bereichen: KI sei besonders für genau definierte, eng gefasst Probleme geeignet, während sich Menschen eher mit der Definition und Lösung komplexer Probleme auszeichnen könnten. Dies sollen auch CIOs in der zukunftsweisenden Kombination von KI und menschlicher Arbeitskraft berücksichtigen.
Als Nischen mit guten Zukunftsaussichten nennt Deloitte die Bereiche Ausbildung, Gesundheit und Kommunikation. Tiefer Qualifizierte müssten vor allem Flexibilität und Vielseitigkeit mitbringen oder entwickeln.
Das Ausbildungssystem in der Schweiz sei grundsätzlich gut aufgestellt, es seien aber gleichwohl einige Anpassungen nötig: Beschleunigung der Anpassungsprozesse in der Berufsbildung sowie stärkere Berücksichtigung von ICT-Kompetenzen und sozialer Intelligenz in der Grundbildung, nennt Deloitte. Eine wichtige Rolle komme auch der Weiterbildung zu. Diese soll auf lebenslanges Lernen ausgerichtet sein, damit die Beschäftigten möglichst rasch auf die schnellen Veränderungen reagieren könnten.
Grundannahmen und Prognosen
Diesen Ratschlägen liegen einige Annahmen zu Grunde, warum und in welchen Bereichen neue Stellen geschaffen werden. Zum einen leitet Deloitte diese aus der bisher beobachteten Entwicklung ab: Bislang seien Verwaltung, Gesundheits- und Sozialwesen mit 17 Prozent am wenigsten von der Automatisierung betroffen gewesen, gefolgt von Information und Kommunikation mit 19 Prozent. Das Beratungs-Unternehmen sagt, dass in den letzten 25 Jahren rund 800'000 neue Stellen geschaffen worden seien – rund 200'000 durch Automatisierung. Diese Beobachtungen verlängert der Consulter in die Zukunft: "Es ist damit zu rechnen, dass die Automatisierung in den nächsten Jahrzehnten mehr Stellen schaffen als ersetzen wird".
Gestützt wird die Prognose von einer kürzlich publizierten umfassenden Entwarnung der "Information Technology and Innovation Foundation" (ITIF), die der Techindustrie nahe steht. ITIF sagt, dass die Automatisierung in den USA viel langsamer vor sich gehe, als befürchtet und darum auch weniger Jobs verschwunden seien, als dies in früheren technischen Umwälzungen – stark etwa von 1850 bis 1870 – der Fall gewesen sei. Dieser Trend würde sich auch künftig fortsetzen: Wenig Anlass zur Panik also. Dies widerspricht allerdings jüngeren Studien etwa der Uni Oxford oder des World Economic Forums (WEF), die vor dem Verschwinden von Jobs warnen.
ITIF macht aber einige Einschränkungen: Die zusätzlichen Jobs seien vor allem in bereits existierenden Arbeitsmärkten entstanden und die Automatisierung selber rationalisiere mehr Arbeitsplätze weg, als sie schaffe – wäre die Wirtschaft eine feste Grösse. Denn wenn die Produktivität durch die Automatisierung steige, dann wachse die Anzahl Arbeitsplätze. Diese Steigerung ist eine zentrale Annahme bei der Prognose sowohl bei der Foundation als auch bei Deloitte. Aber geht die Begründung auch wirklich auf? (ts)

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