Kanton Freiburg will eigene Software für Lehrer entwickeln

17. April 2020, 11:03
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Viele Lehrpersonen benutzen eine neuseeländische Freeware, die kostenpflichtig wird. Nun prüft der Kanton eine eigene Lösung.

Lehrerinnen und Lehrer im Kanton Freiburg müssen ein tägliches Unterrichtsjournal führen, in dem die Ziele des Westschweizer Lehrplans PER und Unterrichts-Elemente aufgeführt sind. Dieses individuelle Protokoll kann auf Papier oder in digitaler Form geführt werden. Dazu benutzten viele Lehrpersonen bisher eine Freeware namens "Lemon Squeezy".
Per 1. Februar 2020 wurde die Software der neuseeländischen Firma Easy Peasy Lemon Squeezy Form kostenpflichtig. Im Grossen Rat wurde daraufhin ein parlamentarischer Vorstoss eingereicht. Darin wird die Frage aufgeworfen, wie der Kanton mit diesen Kosten umzugehen gedenke und ob eine solche Software nicht zu den offiziellen Lehrmitteln gehören sollte.
In seiner Antwort schreibt der Staatsrat nun: "Angesichts des Erfolgs beschloss das Unternehmen, die Webanwendung ab Februar 2020 kostenpflichtig zu machen. Sobald das Amt für französischsprachigen obligatorischen Unterricht (SEnOF) und die Fachstelle Fritic von dieser Situation erfahren haben, wurden Gespräche mit dem Unternehmen geführt, aber es konnte keine für beide Seiten akzeptable Lösung gefunden werden."

Kanton übernimmt die Kosten – aber zeitlich begrenzt

Die Lehrpersonen hätten so mitten im Schuljahr die Abonnementskosten vorerst selber bezahlen müssen. Der Kanton übernimmt nun diese Kosten bis Ende Schuljahr 2020, damit keine gespeicherten Informationen verloren gehen. Danach aber wird die Finanzierung von Lemon Squeezy eingestellt.
Die zuständige Direktion müsse die Kontrolle über die Instrumente und Ressourcen behalten, die dem Lehrpersonal offiziell zur Verfügung gestellt werden, heisst es zur Begründung. Es sei nicht akzeptabel, dass die Erziehungsdirektion "ohne sich ein Bild über die Qualität der betreffenden Software machen zu können vor vollendete Tatsachen gestellt und die Finanzierung eines Instruments übernehmen soll, das nicht vorher gemeinsam abgesprochen und validiert worden ist".
Es sei auch wichtig, die Kontrolle über den Inhalt der Software, ihre Funktionen und die Datenverwaltung zu haben. Dies sei in diesem Fall nicht möglich, da es sich um die Software eines Privatunternehmens handelt. "Bei den Gesprächen, die im Dezember 2019 mit der EKSD geführt wurden, haben die Entwickler von Lemon Squeezy ausdrücklich erwähnt, dass sie sich ihre Unabhängigkeit bewahren wollen, um ihr Produkt frei entwickeln zu können", schreibt der Staatsrat.

Ein eigenes Tool wird in einer Studie geprüft

Die Regierung will aber auf das gesteigerte Bedürfnis einer digitalen Form des Unterrichtsjournals reagieren. Die Direktion halte es für angemessen, "dass der Staat Software mit Funktionen bereitstellt, die für diese Aufgabe entwickelt sind". Deshalb werde derzeit in einer Studie die Machbarkeit der Entwicklung einer solchen Software geprüft.
Sollte diese Anwendung die Bedingungen wie Möglichkeit der Kontrolle über Inhalte, Anwendungsfunktionen, Datenschutz und Kostenmanagement erfüllen, werde der Kanton die Entwicklung eines eigenen Tools finanzieren und dieses den Lehrerinnen und Lehrern zur Verfügung stellen.

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