Kanton Luzern muss bei der Informatik sparen

25. April 2012, 12:41
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Der Kanton Luzern will im Rahmen einer neuen Strategie seine Informatik vereinheitlichen und verschlanken. Er prüft deshalb unter anderem die Auslagerung des Rechenzentrums.

Der Kanton Luzern will im Rahmen einer neuen Strategie seine Informatik vereinheitlichen und verschlanken. Er prüft deshalb unter anderem die Auslagerung des Rechenzentrums.
Die Kantone stehen derzeit vermehrt unter Kostendruck. Deshalb wird auch stärker auf die Informatikkosten geachtet. Erst Anfang April wurde bekannt, dass im Kanton St. Gallen die Forderung im Raum steht, bei der Informatik die Kostenschraube anzuziehen. Auch der Kanton Luzern geht in diese Richtung: Wie die Staatskanzlei Luzern heute mitteilte, soll die Informatik künftig effizienter werden.
Sieben Ziele
Der Kanton hat die Informatikstrategie aus dem Jahre 2008 revidiert. In Grundzügen hatte der Kanton bereits Mitte 2011 angekündigt, in welche Richtung es bei der Informatikstrategie 2012 gehen soll. Es geht darum, Aufgaben besser zu koordinieren, die IT zu standardisieren sowie nicht zuletzt darum, mit den Gemeinden in Sachen Informatik besser zu kooperieren. Fritz Zanzerl, seit einigen Monaten CIO beim Kanton Luzern, steht nun vor der Aufgabe, die Verwaltungs-IT zu verschlanken, um so Kosten zu sparen.
Im "Haus der Informatik", wo früher das Gemeindehaus von Littau war, arbeiten aktuell hundert Personen. Sie sorgen dafür, dass rund 6000 Nutzer an über 300 Standorten einen einwandfreien Informatikservice erhalten. Gemäss der neuen Strategie soll die Komplexität der bisherigen Informatikinfrastruktur reduziert und dadurch die Verfügbarkeit erhöht und die Kosten gesenkt werden. Dieses Ziel soll primär über Standardisierungen der Plattformen und Produkte erreicht werden. So läuft schon seit längerem ein Programm zur Standardisierung des IT-Arbeitsplatzes auf Basis von Microsoft.
Im Rahmen der Strategie gibt es bis 2020 sieben konkrete Ziele:

  1. Wirtschaftlichkeit verbessern


  1. Sicherheit und Verfügbarkeit verbessern


  1. Informatik als Geschäftspartnerin etablieren


  1. Flexible Arbeitsplätze anbieten


  1. Moderne Kommunikationsmittel einführen


  1. Komplexität beherrschen


  1. E-Government ermöglichen

Wird das RZ ausgelagert?
Ein Hauptziel der Informatikstrategie stelle eine "hohe Wirtschaftlichkeit gegenüber den Leistungsbezügern dar", so die Mitteilung. Die bereits heute hohe Verfügbarkeit und Sicherheit der Daten sollen weiter verbessert werden. Ferner werde dem Bedürfnis der Informatik nach weitgehend standardisierten IT-Arbeitsplätzen Rechnung getragen. In diesem Zusammenhang prüft der Kanton auch die Auslagerung des Rechenzentrums an Dritte.
Der Kanton betreibt aktuell ein Rechenzentrum in der Stadt Luzern und ein redundantes ausserhalb. Es bestünden zurzeit aber keine konkreten Pläne bezüglich einer Auslagerung, sagt Zanzerl im Gespräch mit inside-it.ch. Es gehe nun darum, festzustellen, ob die bestehende Infrastruktur noch den Standards entspreche. Wenn nicht, müsse man analysieren, wie weit eine Auslagerung gehen könnte. Es bestehe aktuell aber kein Handlungsdruck, so Zanzerl. Eins ist klar: "Wir bauen sicher kein eigenes Rechenzentrum." Diese Haltung entspricht der aktuellen Stimmungslage unter den Kantonen. Andere Kantone, wie etwa Basel-Stadt, mussten Pläne zum Bau eigener Rechenzentren aufgeben: Eine Miete oder eine Auslagerung erwies sich als bessere Lösung.
Der Kanton Luzern weist nach eigenen Angaben schon heute Informatikkosten aus, die um fast einen Drittel tiefer liegen als der Durchschnitt aller Kantone. Die absolute Zahl wollte Zanzerl nicht nennen. Er betont, dass man parallel zur Kostenreduktion auch Investitionen tätige, insbesondere im Bereich E-Government. Zanzerl glaub nicht, dass Jobs verloren gehen, im Gegenteil: Man müsse gleichzeitig zur Effizienzsteigerung Mehrleistungen erbringen. Dafür brauche es Personal.
Das Geschäft gelangt nun anlässlich der Session vom 18. und 19. Juni 2012 zur Beratung in den Kantonsrat. (Maurizio Minetti)

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