Kanton Zürich vergibt Hardware-Auftrag für 9 Millionen – nur 1 Anbieter gab ein

13. September 2021, 12:48
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Die Mittel- und Berufsfachschulen des Kantons Zürich benötigen neue Hardware im Wert von rund 9 Millionen Franken. Auf die Ausschreibung des Auftrags hat sich indes nur ein einziger Anbieter gemeldet.

Die Mittel- und Berufsfachschulen (Sekundarstufe II) des Kantons Zürich erhalten demnächst neue Notebooks, Macbooks, Tablets, Convertibles, Mini-PCs, Desktops, iPads, Windows-10- und Android-Tablets sowie Bildschirme und weiteres Zubehör. "Die Geräte sind für das Verwaltungspersonal, für die Computerzimmer und als Leihgeräte bestimmt", sagt Reto Flury, Sprecher der Finanzdirektion des Kantons Zürich zu inside-channels.ch. 

Komplexität der Ausschreibung enorm hoch

Den Grossauftrag hatte der Kanton Zürich im April dieses Jahres auf Simap in einem offenen Verfahren ausgeschrieben. Den Zuschlag für das Projekt hat vor wenigen Tagen die Firma ARP aus Rotkreuz erhalten – zu einem Preis von etwas über 9 Millionen Franken. Einen Konkurrenzkampf gab es indes nicht: ARP bemühte sich als einziger Anbieter um den Auftrag.
"Wir hatten nicht damit gerechnet, der einzige zu sein", sagt Rico Glaus, Leiter Public Sector Business bei ARP, zu inside-channels.ch. Die Ausschreibung sei komplex gewesen, da ein Warenkorb über mehrere Hersteller und Produktkategorien hinweg gefordert gewesen sei. Zusätzlich habe die Anforderung an den Bestellprozess eine umfassende Online-Shop-Lösung beinhaltet, so Glaus.

Hoher Bewerbungsaufwand, tiefe Margen

Es ist relativ selten, dass sich bei der Ausschreibung solcher Grossaufträge nur ein einziger Anbieter bewirbt. Beim Kanton Zürich war man indes nicht überrascht: "Aufgrund der Fragerunde rechneten wir nicht mit mehr als zwei Angeboten", sagt Reto Flury. Nur zwei Lieferanten hätten bei der Gelegenheit vertieft Fragen zur Ausschreibung gestellt. Wer der zweite Anbieter war und warum dieser schlussendlich kein Angebot eingab, wollte Flury aus "submissionsrechtlichen Gründen" nicht verraten.
Es könnte sich um die Competec-Gruppe handeln. "In der Vorabprüfung haben wir uns entschieden, an der Ausschreibung nicht teilzunehmen", so Sprecher Daniel Rei zu inside-channels.ch. "Wir haben unsere Chancen, den Zuschlag zu erhalten, als zu gering eingeschätzt." Der Bewerbungsaufwand bei Simap-Ausschreibungen sei hoch und werde nicht vergütet. Zudem seien die zu erzielenden Margen so tief, dass die Teilnahme nicht für alle Anbieter rentabel sei, so Rei. Tobias Billeter von Digitec Galaxus bestätigt: "Solche Ausschreibungen sind oft super komplex und aufwändig im Handling. Somit sind entsprechend oft die gleichen spezialisierten Lieferanten am Start." Wie ARP. "Wir haben eine Abteilung aufgebaut, die sich ausschliesslich auf Public-Kunden konzentriert. Dementsprechend haben unsere Mitarbeitenden viel Erfahrung mit öffentlichen Beschaffungsprozessen gesammelt", so Rico Glaus von ARP.

Hardware-Beschaffung kantonsweit standardisiert

Dass sich ein 9-Millionen-Auftrag nicht rentieren soll, erstaunt dennoch. Schliesslich standardisiert der Kanton Zürich die Grundausstattung der kantonalen Mittel- und Berufsfachschulen erstmals, womit der jetzt gewählte Lieferant für die nächsten Jahre feststehen dürfte: "Bislang arbeiteten wir mit diversen Anbietern zusammen, denn die Schulen beschafften ihre Informatikmittel teilweise individuell", so Reto Flury. Die standardisierte Grundausstattung der kantonalen Mittel- und Berufsfachschulen durch das Amt für Informatik ist Teil der neuen IKT-Strategie, die der Zürcher Regierungsrat im Jahr 2018 verabschiedet hatte.
In einer früheren Version dieses Artikels hatte es geheissen, die Geräte seien für Schülerinnen und Schüler bestimmt. Das war nicht korrekt. Es wird davon ausgegangen, dass Schülerinnen und Schüler weiterhin eigene Geräte benutzen. Diese können laut Finanzdirektion des Kantons Zürich nicht über den Rahmenvertrag bezogen werden.

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