Kecke Luzerner wollen Sage & Co. auf die Füsse treten

13. Juni 2006, 16:00
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Die Luzerner Comatic will ihren Marktanteil bei KMU-Business-Software in drei Jahren verdoppeln und hofft auf den nächsten ERP-Zyklus.

Die Luzerner Comatic will ihren Marktanteil bei KMU-Business-Software in drei Jahren verdoppeln und hofft auf den nächsten ERP-Zyklus.
Die kleine Luzerner Comatic ist ein vergleichsweise neuer Player im Schweizer Markt für K(M)U-Business Software. Seit dem Jahr 2000 bauten Daniel Affeltranger, Hans Peter Gerhard und Boris Gorup an ihrer Software, im Mai 2002 gründeten sie die Comatic AG und begannen mit dem Vertrieb der gleichnamigen Lösung. Viele der Funktionalitäten der Software stammen allerdings aus älteren Produkten, wie etwa der alten Unix-ERP-Lösung Novon. Die drei Gründer sind keine Neulinge im Geschäft sondern bewegen sich seit 20 Jahren in der Entwicklung von Business-Software.
Zielpublikum sind eher kleinere Firmen mit bis zu 20 Anwendern, auf der Kundenliste finden sich aber auch grössere Anwender wie etwa Basel Tourismus. Heute zählt Comatic nach eigenen Angaben 1'700 Firmen in der Schweiz mit 3'500 Arbeitsplätzen als Kunden. Bisher habe man kaum Marketing gemacht, sondern über Mund-zu-Mund-Propaganda verkauft, sagt heute Morgen Mitinhaber Boris Gorup an einer Presseveranstaltung in Zürich.
Hoch gesteckte Ziele
Dies soll sich nun ändern. Comatic scheint nach vier Jahren eine genügend grosse Kundenbasis zu haben, um aus der selbst gewählten Unbekanntheit herauszutreten. Einiges an Marketing wird auch nötig sein, denn die kleine Luzerner Firma mit ihren sieben Mitarbeitenden hat sich sehr hohe Ziele gesteckt. Bis in drei Jahren will Comatic den Marktanteil massiv erhöhen und wesentlich schneller wachsen als bisher. So will man bis 2009 3'500 bis 4'000 Unternehmen als Kunden gewonnen haben und "ein massgebender Herausforderer im ERP-Markt" sein.
"Unsere Software ist einfacher und günstiger"
Boris Gorup betont, dass Comatic einfacher ("nicht nur von Profi-Buchhaltern") zu bedienen sei und zudem den Kunden wesentlich günstiger zu stehen komme. Ein Preisbeispiel: für einen kleinen Handelsbetrieb, der die Module Verkauf (3 Arbeitsplätze), Logistik (2 Arbeitsplätze), Kreditoren, Personal und Fibu (je 1 Arbeitsplatz) kauft, werden 4'200 Franken fällig. Auch für die Software-Wartung berechnet Comatic jährlich nur 10 Prozent des Kaufpreises - oft beträgt diese Gebühr etwa 17 Prozent.
Alles in einer Oberfläche - samt Office-Funktionen
Technologisch zerreisst Comatic keine Stricke: Von Internet-Fähigkeit und einem ortsunabhängigen Arbeitsplatz im Browser ist nicht die Rede. Und auch Schnickschnack wie die automatisierte Abbildung von neu definierten Prozessen in der Software (ERP II) gibt es nicht. Die Software ist in Visual Basic programmiert, als Datenbank wird Access (1-Platz) oder SQL-Server eingesetzt.
Der Umfang der Module ist bereits recht vollständig: neben einer Warenwirtschaft, Debitoren, Kreditoren und Fibu gibt es einige CRM-Funktionen, eine Kostenrechnung und eine Anlagenbuchhaltung. Die Oberfläche scheint uns - zumindest angesichts einer schnellen Demo - gut gebaut.
Mit dem Modul Infopoint geht die kleine Innerschweizer Firma in eine andere Richtung als Microsoft dies gerne hätte. Anstatt Microsoft Office an die Business-Software anzubinden, hat Comatis einige Office-Funktionalitäten selbst programmiert. So kann man aus der Software heraus ohne Exchange oder Outlook E-Mails senden und speichern und es gibt Kalenderfunktionen und ähnliches für Gruppen.
Kommt der nächste ERP-Zyklus?
Gemäss Gorup ist Comatic vollständig eigenfinanziert. Die Durststrecke von 2000 bis zu den ersten Verkäufen habe man mit der Tätigkeit bei anderen Firmen finanziert, sagt Gorup.
Auf die Frage, warum Comatic ausgerechnet jetzt an die Öffentlichkeit geht und sich solch grosse Chancen ausrechnet, gibt Gorup keine klare Antwort. Doch der Markt an Kleinfirmen bis 20 Mitarbeitenden, die bisher keine "vernünftige" Software einsetzten ist sehr gross und überhaupt noch nicht verteilt. Ausserdem lässt er durchblicken, dass man auf einen ERP-Erneuerungszyklus hofft. Schliesslich schwappte die letzte ERP-Welle 1998, 99 über die Schweiz. ERP-Software hat einen Erneuerungszyklus von sieben bis 10 Jahren - nächstes Jahr sollte es also los gehen. Comatic ist ja auch beileibe nicht alleine: So wurde diese Orbit erstmals die KMU-Lösung Topal gezeigt.
Im Visier von Comatic steht vor allem Sage mit seinen verschiedenen KMU-Produkten (Sesam, WinWare et. al.), doch dürften die Luzerner auch versuchen, in den Teichen von Abacus (Light-Version), Europa3000, BlueOffice und ähnlichen Lösungen zu fischen.
Vorsichtig mit Partnerschaften
Gemäss Gorup arbeitet Comatic heute mit fünf "OEM"-Partnern, die Zusätze zu der Software entwickelt haben. So gibt es eine Lösung für Spediteure (Trapo), die bei kleineren und mittleren Lastwägelern einen hohen Marktanteil habe, sowie eine Kassenlösung, einen Zeitwirtschaft und zwei Webshops.
Ausserdem arbeitet Comatic mit etwa 20 Resellern in der Schweiz. Neue OEM-Partner will Gorup nur sehr vorsichtig angehen, da er auch schlechte Erfahrungen gemacht hat. Weitere Reseller (Treuhänder, EDV-Firmen) wären willkommen. (Christoph Hugenschmidt)

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