Kehrtwende: Microsoft bringt Online-Software

2. November 2005 um 09:44
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Software-als-Service für Heimanweder und Kleinfirmen

Software-als-Service für Heimanweder und Kleinfirmen
Microsoft reagiert auf die potentielle Bedrohung durch Google kann man erste Eindrücke der geplanten Online-Dienstleistungen gewinnen und sich als Testanwender anmelden. Bedingung ist allerdings - wie üblich bei Microsoft - das man sich beim Microsoft-eigenen Internet-Identitäts-Dienst "Passport" anmeldet.
So kann man eine Art personalisierte Nachrichtenzentrale ("Live.com") zusammen stellen, wo man sich laufend aktualisierte Börsenkurse, Google-News (!), Wetterprognosen und ähnliches anzeigen lassen kann. Für den Bau von "Live.com" benützt Microsoft die gleichen Basis-Technologien wie Google, nämlich RSS (Real Simple Syndication - ein XML-Standard für Nachrichten) und AJAX (Asynchronous JavaScript and XML).
Weitere geplante Dienstleistungen sind ein neuer Online-E-Mail-Service, der einfacher, sicherer und schneller sein soll als das Microsoft-eigene Hotmail und ein Online-Chat- und Kommunikations-Programm. Weiter wird man ab der Microsoft Online-Service-Seite seinen PC nach Viren absuchen, ein PC-Gesundheitsabo abonnieren können und seine Browser-Favoriten im Internet speichern können. Weitere Online-Software wird es für BesitzerInnen der Microsoft-Spielkonsole XBox geben.
Interessant: Geht man mit dem Alternativ-Browser Firefox auf die Testseite von Microsoft "Live.com" heisst es, die Dienstleistungen stünden auch bald für den Firefox zur Verfügung.
Online-Office in den USA ab Frühling 2006
Ab nächstes Jahr werden Kleinfirmen in den USA zudem auf OfficeLive.com zusätzliche Online-Dienstleistungen beziehen. So werden Firmen werbefinanzierten Online-Speicherplatz (allerdings nur 30 MB) bekommen und können Termine, Projekte und auch Kundendaten verwalten. Die "Software-als-Service" wird sich gemäss Microsoft in die Office-Programme auf dem PC integrieren lassen. Weitere Internet-basierte, kostenlose und werbefinanzierte Dienstleistungen sollen später dazu kommen.
"OfficeLive.com" wird es vorerst nur in den USA und nur für ausgewählte Testbenützer geben.
Kehrtwende unter dem Druck von Google
Die neuen, geplanten Dienstleistungen von Microsoft stellen eine regelrechte Kehrtwende dar, denn bisher sang man in Redmond vor allem das Loblied auf Software, die gekauft und auf einem PC oder einem Unternehmensserver installiert wird. Seitdem Microsoft-Konkurrent Google aber angekündigt hat, das Open-Source-Büropaket "OpenOffice" zu unterstützen und man darüber spekuliert, dass der Suchmaschinen-Riese die Funktionalitäten der Programme als Online-Dienstleistungen anbieten werde, scheint man in Redmond umzudenken.
Wie bei Google, sollen die Dienstleistungen für den Benützer kostenlos sein. Microsoft will durch themenspezifische Werbung Geld verdienen, versucht also das äusserst erfolgreiche Geschäftsmodell von Google zu kopieren.
Interessant scheint uns die Frage, ob die neuen Dienstleistungen in Redmond wirklich als künftige, wichtige Ertragsquelle betrachtet werden, oder ob man einfach das Feld Google und OpenOffice nicht überlassen will. (Christoph Hugenschmidt)

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