Keine Informatikmittelschule im Bündnerland

22. Oktober 2014 um 08:51
  • politik & wirtschaft
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Der Entscheid fiel am Dienstag im Kantonsparlament äusserst knapp - durch den Stichentscheid des Standespräsidenten. Und mit einer Abstimmungspanne.

Der Entscheid fiel am Dienstag im Kantonsparlament äusserst knapp - durch den Stichentscheid des Standespräsidenten. Und mit einer Abstimmungspanne.
Die stundenlange Diskussion über die Informatikmittelschulen (IMS) wurde im Rahmen der Teilrevision des kantonalen Mittelschulgesetzes geführt. Nach mehreren Dutzend Wortmeldungen stimmten schliesslich 58 GrossrätInnen für die Schaffung von gesetzlichen Grundlagen für Informatikmittelschulen und 58 stimmten dagegen.
Um dennoch zu einer Entscheidung zu kommen, wurde gemäss Ratsreglement als Stichentscheid die Stimme von Standespräsident Duri Campell doppelt gezählt. Der BDP-Mann hatte sich gegen die Informatikmittelschulen ausgesprochen. Somit wurden die Informatikschulen mit nur einer Stimme Unterschied beerdigt - gegen den Willen der Regierung, aber in Übereinstimmung mit einer knappen Mehrheit der vorberatenden Kommission.
Fatale Abstimmungspanne
Doch es hätte auch anders kommen können. CVP-Grossrat und Parlamentsneuling Roland Kunfermann meldete sich danach, und erklärte, er habe für die Schulen stimmen wollen. Das Drücken des Abstimmungsknopfes sei vom elektronischen System aber nicht angenommen worden. Die Wortmeldung war vergebens: Standespräsident Campell sagte, er könne das Abstimmungsresultat nicht nachträglich korrigieren.
Überrascht von der ablehnenden Haltung der Hälfte des Parlaments und der Länge der Diskussion zeigte sich Erziehungsdirektor Martin Jäger. Das Parlament habe letztes Jahr in der Februarsession mit überaus klaren 96 zu 3 Stimmen den Auftrag an die Regierung überwiesen, die gesetzlichen Grundlagen für die IMS zu schaffen, sagte er. Und noch in der Vernehmlassung hätten alle Parteien das Vorhaben befürwortet.
Massgeschneidert für private Mittelschulen
Die Befürworter der Informatikmittelschulen wollten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Einerseits sollte den finanziell angeschlagenen privaten Mittelschulen die Möglichkeit eines weiteren Standbeins geben werden. Andererseits sollte Graubünden als Bildungsstandort gestärkt und der Mangel an IT-Fachleuten vermindert werden.
In der Vorlage war vorgesehen, privaten Mittelschulen für Informatikschüler Kantonsbeiträge zukommen zu lassen, so wie sie es etwa bei Schülern der privaten Handelsmittelschulen üblich ist. Die Gegner, wie beispielsweise der Wirtschaftsverband, scheuten die Mehrkosten. Und sie befürchteten Konkurrenz für die Informatik-Berufslehre. (sda/lvb)

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