Kindle kommt in die Schweiz

7. Oktober 2009, 13:28
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Revolutionieren digitale Bücher und entsprechende Lesegeräte unseren Alltag (und den Buchmarkt)?

Revolutionieren digitale Bücher und entsprechende Lesegeräte unseren Alltag (und den Buchmarkt)?
Stellen Sie sich vor, Sie sässen im Zug von St. Gallen nach Genf. Eigentlich gedachten Sie, die vier Stunden Fahrzeit mit dem Studium von NZZ, Bilanz und Handelszeitung zu verbringen, doch schon kurz vor Winterthur merken Sie, dass die drei Blätter heute nicht gerade mit Inhalt glänzen, und Ihnen der Lesestoff ausgeht. Sind Sie BesitzerIn eines 'Kindle' E-Book-Lesegeräts von Amazon und lesen gerne in Englisch, so ist das kein Problem. Sie starten Ihren Kindle und laden Amitav Goshs wunderbaren Roman 'Sea of Poppies', den Sie schon lange lesen wollten, als elektronisches Buch für relativ wenig Geld (11.99 $) herunter. Wenige Minuten später ist das Buch auf Ihrem Kindle eingetrudelt - es wird auch noch für die einsame Nacht im Hotel und die Rückfahrt reichen.
Möglich wird dies ab dem 19. Oktober, denn der Mega-Online-Buchhändler Amazon lanciert ab dann eine internationale Version von 'Kindle Wireless'. Dieses E-Book-Lesegerät hat einen 6-Zoll-Bildschirm ("E Ink"), der für die Darstellung von Buch- und Zeitungsinhalten optimiert ist, Lautsprecher und ein HSDPA-Modem. Der Datentransport über das Netz von AT&T ist in den USA kostenlos, ausserhalb der Vereinigten Staaten verlangt Amazon eine Roaming-Gebühr von 1.99 $, wie wir dem "Kleingedruckten" auf der Webseite von Amazon entnehmen.
Ausserhalb der USA sind Bücher teurer
Amazon bietet ausserhalb der USA erst ein beschränktes Sortiment an. In der Schweiz sollen aber immerhin 280'000 verschiedene Buchtitel angeboten werden. Die meisten werden 11,99 Dollar kosten, dazu kommen dann noch die Roaming-Gebühren von zwei Dollar, falls man sie über eine drahtlose Verbindung herunterlädt. Deutschsprachige Zeitungen sind erst wenige erhältlich. Ein Abonnement der FAZ soll pro Monat auf 15 Dollar zu stehen kommen.
Kein Browser, keine europäischen Stecker
Wie schwer sich US-Firmen mit dem Export ihrer Produkte immer noch tun, sieht man nicht nur an den etwas höheren Buchpreisen, die Amazon ausserhalb der USA verlangt. Auch die Ausrüstung des 'Kindle International Wireless' mit einem US-Netzteil für die Aufladung der Batterie scheint uns nicht unbedingt kundenfreundlich. Immerhin lässt sich das Gerät über einen Adapter an ein 220-Volt-Netz anschliessen. Zudem kostet es ausserhalb der USA 20 Dollar mehr (279 Dollar statt 259) und man muss gemäss 'pte' zusätzlich mit Versandkosten von ungefähr 80 Dollar rechnen.
Das Lesegerät für E-Books soll ein solches bleiben und nicht etwa als "Surfbrett" benützt werden. So gibt es für die Schweizer Ausgabe keinen Web-Browser auf dem Gerät und Amazon verbietet in den Allgemeinen Lieferbedingungen ausdrücklich, die drahtlose Verbindung für etwas anderes als den Download von Büchern von Amazon zu benützen.
Die Bibliothek im Hosensack, die vorlesen kann
Ein Blick auf das Gerät selbst erklärt, warum das 'Kindle' in den USA, wo Amazon alleine in diesem Jahr gegen drei Millionen Stück absetzen wird, ein riesiger Erfolg geworden ist.
Das Gerät wiegt nur knapp 300 Gramm, ist bei einer Fläche von 203 mal 134 Millimeter nur 9,1 Millimeter dick. Es hat einen USB-Anschluss für die Verbindung zu einem PC. Die Batterie liefert gemäss Amazon Strom für den Betrieb während vier Tagen, falls man die drahtlose Verbindung aufrecht erhält und für zwei Wochen, falls man sie abschaltet.
Ausserdem kann das Gerät auch Bücher oder Zeitungen vorlesen. Und zwar kann man dazu entweder Hörbücher kaufen oder man kann sich Texte aus Büchern und Zeitschriften (in Englisch) vorlesen lassen. Ebenfalls sehr raffiniert dünkt uns, dass man Buchpassagen anstreichen, Buchzeichen setzen und Anmerkungen anbringen kann. Ausserdem merkt sich das Gerät, an welcher Stelle man zuletzt mit lesen aufgehört hat.
Zudem kann man für 99 Cents elektronische Dokumente aller Art (Doc, PDF, XLS, Bilder ...) auf sein Kindle, das immer eine einmalige E-Mail-Adresse hat, für senden. (Christoph Hugenschmidt)

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