Kommentar: Die Microsoft-Wette hat ein Netz und doppelten Boden

19. Januar 2022, 15:34
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Die mit Abstand teuerste Übernahme in der Firmengeschichte hat nur in zweiter Linie mit dem Metaverse zu tun.

68'700'000'000 Dollar. Microsoft hat sein Sparbuch für die Übernahme des Spiele-Entwicklers Activision Blizzard geplündert. Der Deal, sofern er von den Wettbewerbsbehörden genehmigt wird, ist nicht nur der mit Abstand teuerste der Firmengeschichte, sondern überflügelt auch knapp die bis dato teuerste Übernahme in der Tech-Branche. Den Spitzenplatz hatte bisher Dell inne. Der Computerhersteller hatte im Jahr 2015 für die EMC-Akquise 67 Milliarden Dollar hingeblättert.
Der Zukauf macht Xbox-Hersteller Microsoft nach eigenen Angaben zum drittgrössten Spielehersteller der Welt, grösser sind nur zwei asiatische Firmen: Tencent aus China und natürlich Playstation-Hersteller Sony aus Japan. Insbesondere letzterem setzte die Microsoft-Akquise zu: Die Aktien des Konzerns fielen um 13%, was den Börsenwert von Sony auf einen Schlag um 20 Milliarden Dollar erleichterte.

Akquise stärkt in erster Linie Gaming-Sparte von Microsoft

Dies zeigt, dass die Akquise in erster Linie dazu dient, in der Gaming-Sparte Boden gutzumachen und den Abodienst "Xbox Game Pass" mit aktuell 25 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten weiter zu pushen. Die enorm populären Spiele von Activision Blizzard, Call of Duty oder Overwatch, waren darin bislang nicht enthalten. Dazu passt die mit 7,5 Milliarden Dollar deutlich günstigere, und fast unter dem Radar gebliebene Akquise von Zenimax Media, Muttergesellschaft des Spieleentwicklers Bethesda und damit Rechteinhaber an den Spielen Fallout und Doom.
Klar ist: Nur mit dem Verkauf von Game-Pass-Abos ist die Akquise nicht zu amortisieren. Ein Abo kostet zwischen 12 und 15 Franken monatlich und generiert heute mit der aktuellen Nutzerbasis immerhin einen Jahresumsatz von 4,5 Milliarden Dollar – damit aber dennoch nur einen Bruchteil des immensen Investments. Mit dem Zukauf hat Microsoft das Potenzial, diese signifikant auszubauen, aber das grosse Geld ist vor allem im Businessbereich zu holen.

Consumer-Tech lieferte schon immer Innovation fürs Business

In der Unternehmensgeschichte von Microsoft waren Technologien aus dem Endkundensegment schon immer auch eine Basis für spätere Business-Cases. Microsoft könnte mit Cloud Gaming die nötigen Erfahrungen sammeln, um seiner Azure-Kundschaft später ähnlich rechenintensive Anwendungen zur Verfügung zu stellen. Womit wir beim Metaverse sind, auf das aktuell alle Big-Tech-Konzerne setzen.
Das Metaverse ist heute noch nicht viel mehr als ein Buzzword, dessen Ausgestaltung, Realisierung und vor allem Kommerzialisierung noch in den Sternen steht. Aber selbst wenn die Wette nicht aufgeht und das Metaverse nie zum Fliegen kommt, ist Microsoft durch das Wachstum im Gaming-Bereich doppelt gesichert: einerseits durch den eigenen Zuwachs, und andererseits durch die Marktanteile, die Konkurrent Sony weggeschnappt werden.

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