Konkurrenz für Local.ch und Search.ch

18. März 2015, 12:43
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Genfer Zip.ch geht an den Start und kritisiert Swisscom.

Genfer Zip.ch geht an den Start und kritisiert Swisscom.
Noch vor dem geplanten Zusammenschluss der Verzeichnisdienste Local.ch hat am Mittwoch sein Adressverzeichnis aufgeschaltet. Die Genfer Firma kritisiert dabei die Preise von Swisscom Directories scharf.
Zip.ch verstehe sich als Alternative zum "Monopol" von Local.ch und Search.ch, sagte Alexandre de Senger, Mitgründer des Unternehmens, auf Anfrage. Das Telekomunternehmen Swisscom und der Medienkonzern Tamedia wollen ihre Verzeichnisdienste Local.ch und Search.ch zusammenlegen. Derzeit prüft die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) das Vorhaben.
Bei Local.ch und Search.ch müssten Kunden für zusätzliche Informationen in ihren Einträgen, wie etwa Web-Adressen, zahlen, sagte de Senger. Zip.ch sei jedoch für Privatpersonen und Firmen gratis.
Diese könnten für ihren Eintrag eine Rubrik wählen, Links zu Web-Auftritten und sozialen Netzwerken sowie Logos einfügen, ohne einen Zuschlag zu bezahlen. Auch der Zugang zu den Daten soll kostenlos sein, wie Zip.ch am Mittwoch mitteilte.
Zu hoher Preis für Daten
Zip.ch greift zudem Swisscom Directories als Datenlieferant für die Verzeichnisdienste an. Das Telekomunternehmen verlange einen zu hohen Preis für die Daten, um "potenzielle Wettbewerber vom Markt abzuschrecken", hiess es in der Mitteilung. Zip.ch werde demnächst gerichtlich gegen "diesen Missstand"
vorgehen.
Swisscom Directories hat den öffentlichen Auftrag, Daten für das Telefonbuch zu sammeln. Diese Daten verkauft das Unternehmen weiter an die Verzeichnisdienste. Zusätzliche Informationen, die über Name, Postadresse, Telefon- und Faxnummer hinausgingen, kosteten dabei extra, sagte de Senger.
Swisscom kassiere also zweimal: Zum einen verlange der Telco Gebühren von Kunden für zusätzliche Einträge ins Telefonbuch, zum anderen verkaufe das Unternehmen diese Zusatzdaten dann für einen Aufpreis an die Verzeichnisdienste, erklärte de Senger. Der Preisüberwacher Stefan Meierhans hatte diese Praktik bereits letztes Jahr in einem Newsletter kritisiert.
Christian Weber, Sprecher von Swisscom Directories, dementierte auf Anfrage die Vorwürfe. Swisscom Directories sammle als sogenannter Data Agent im Auftrag der Telefongesellschaften die Basisdaten und stelle diese den Verzeichnissen zur Verfügung. Die Preise dafür seien im Fernmeldegesetz festgelegt und auch das zu Swisscom gehörende Verzeichnis Local.ch müsse diese bezahlen. Zusatzdaten wie Web-Adressen erhebe Local.ch und nicht Swisscom Directories. (sda/mim)

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