Konkurs: Grosser NAV-Spezialist verschwindet

15. September 2016, 13:37
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Exklusiv: die Logico-Gruppe ist in Liquidation. Was ist mit Kunden und Mitarbeitern des grössten NAV-Spezialisten der Westschweiz? Und was ist mit Partner Prime Vision?

Die Bieler Logico-Gruppe ist in Liquidation. Was ist mit Kunden und Mitarbeitern des grössten NAV-Spezialisten der Westschweiz? Und was ist mit Partner Prime Vision? Inside-channels.ch hat recherchiert.
Die Website ist noch live und für den 22. September 2016 ist ein Logico-Forum angekündigt. Doch der Microsoft Dynamics NAV-Spezialist Logico und die Töchterfirmen sind Geschichte. Die Bieler Firma hat Ende August den Konkurs angemeldet, wie inside-channels.ch recherchiert hat.
Die Insolvenz betrifft den grössten NAV-Spezialisten in der Westschweiz mit Hauptsitz in Biel und die Niederlassung in Crissier.
Nicht betroffen hingegen ist die Krienser Logico Solutions, ebenfalls ein NAV-Spezialist. "Wir waren immer eine rechtlich eigenständige Einheit", erläutert Geschäftsführer Ambros Häfliger gegenüber inside-channels.ch. "Wir hatten nur einen gemeinsamen Web- und Marktauftritt." Entsprechend bleibt laut Häfliger für die Kunden von Logico Solutions auch vis-à-vis Microsoft alles beim alten.
Was aber ist mit Prime Vision und den Logico-Kunden? Noch Anfang Mai 2016 hatten Logico und der Aarburger Mitbewerber Prime Vision (PV) angekündigt, sie wollten ihre operativen Tätigkeiten zusammenlegen und Aktien tauschen.
"Notmassnahmen" bei Prime Vision
"Der beabsichtigte Aktientausch und jegliche andere Art von Beteiligung konnten nicht vollzogen werden, nachdem sich die Voraussetzungen bei Logico wesentlich verändert hatten. Daher musste nichts rückgängig gemacht werden", schreibt PV-Geschäftsleitungsmitglied Michele Loguercio per Mail.
Trotzdem musste Prime Vision handeln, denn im Juni 2016 waren die Logico-Mitarbeitenden im Rahmen der geplanten Zusammenarbeit bereits zu PV gewechselt. Dies bestätigt Loguercio: "Prime Vision hat von Logico die Mehrheit der Mitarbeiter übernommen, nachdem Logico deren Saläre nicht mehr bezahlt hat. Wir haben dazu sogar eine Niederlassung in Biel gegründet, um die lokalen Arbeitsplätze zu sichern und die Arbeiten bei den Westschweizer Kunden weiter zu führen. Diese "Notmassnahme" betrachten wir als Investition in die Zukunft."
Mindestens fünf Logico-Mitarbeiter haben den Wechsel nicht mitgemacht und inzwischen die Firma ERP Experts gegründet, die sich auf die Romandie fokussieren.
Ebenfalls keine Sorgen müssen sich laut Loguercio die Logico-Kunden machen: "Wir konnten rund 40 Kunden von Logico übernehmen, um deren Projekte ohne Unterbruch weiter zu führen."
Hintergründe eines Niedergangs
Als Ursache des Konkurses nennen Insider die zu wenig geplante Expansion in neue Märkte. Ende 2015 habe Logico eine grosse Reorganisation gestartet und den Fokus von der profitablen Schweiz ("eine Cash Cow", so Ex-Mitarbeiter) auf die internationale Expansion gelegt. Es ist offenbar eigens dafür eine Niederlassung in Budapest gegründet worden.
Logico habe sich zudem mit OGD DSF, einer selbst entwickelten Branchenlösung für Mineralöl- und Energiehandel, übernommen. Die Entwicklung habe das Kernbusiness geschwächt. Es kursieren Gerüchte, das Produkt sei beim Markteintritt zudem nicht fertig gewesen.
2016 zählte Logico noch 40 Mitarbeiter, 2013 waren es 90 Mitarbeiter und Logico unterhielt neben den genannten Niederlassungen auch Büros in Luzern, Winterthur, Ravensburg, Dornbirn und Hamburg. Bereits im Januar 2016 ging die ebenfalls von Logico kontrollierte Dynamic Software Factory in Liquidation, welche die verhängnisvolle Branchenlösung OGD DSF entwickelt hatte.
Die Logico-Eigentümer Jean-Pierre und François Knuchel standen für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss nicht zur Verfügung. Sie beantworten laut einem Insider auch Telefonanrufe früherer Mitarbeiter nicht. (Marcel Gamma)

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