Konsumentenschützer kämpfen gegen hohe Roaminggebühren

11. März 2015, 09:15
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Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) kann mit dem Entscheid des Ständerats vom Montagabend, nicht gegen hohe Roaminggebühren einzuschreiten, schlecht leben.

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) kann mit dem Entscheid des Ständerats vom Montagabend, nicht gegen hohe Roaminggebühren einzuschreiten, schlecht leben. Es sei dringend notwendig, Druck auf die Telekomanbieter auszuüben. Lösungen sollen im neuen Fernmeldegesetz aufgenommen werden.
Die kleine Kammer hatte am Montagabend zwei Motionen verworfen, die verbindliche Höchsttarife für die Nutzung des Handys im Ausland verlangten. Sie lehnte damit eine Lösung nach dem Vorbild der EU ab, wo die Roaminggebühren ab 2011 schrittweise gesenkt worden waren.
SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder und ihre Mitstreiter wollen weiter für ihr Anliegen kämpfen: "Es gibt keine andere Lösung als eine Regulierung der Roamingkosten." Dies sei auch jetzt notwendig, wo Swisscom und Orange - die Nummern eins und drei im Schweizer Mobilfunkmarkt - die Roaminggebühren senken wollen. "Die von den Anbietern vorgeschlagenen Pauschalabonnemente sind nur eine Scheinlösung, denn sie sind immer noch um ein Vielfaches teurer als die Tarife in den europäischen Ländern", sagte Stalder. Die Konsumentenschützer wollen ihre Forderungen bei der geplanten Revision des Fernmeldegesetzes einbringen.
Der Bundesrat will bis Ende 2015 eine Vorlage erarbeiten. Ziel ist es, das Fernmeldegesetz den Entwicklungen der vergangenen Jahre anzupassen. Gemäss dem Fernmeldebericht vom November 2014 will die Regierung für das Roaming zwar keine Preisobergrenzen, aber bessere Angebote schaffen.
"Wir müssen dranbleiben", sagte Stalder. Die Preise müssten sinken, zudem müsse die Regulationsbehörde ComCom mehr Kompetenzen erhalten. "Sie sollte die Preise ex officio - also von Amtes wegen - oder ex ante - bevor die Tarife auf den Markt kommen - prüfen können."
Kunden in der Pflicht
Keine Lösung auf dem Silbertablett gibt es dagegen für Telekomexperte Ralf Beyeler vom Internetvergleichsdienst Comparis.ch: "Es ist immer schwierig zu sagen, ob Regulierungen das richtige Mittel sind", sagte er in einem Interview mit dem 'St. Galler Tagblatt' vom Dienstag. In der Vergangenheit habe sich aber gezeigt, dass der Markt total versagt habe.
Auf Anfrage der sda fügte er an, dass es trotzdem schwierig sei, Druck auf die Telekomanbieter zu erzeugen, da es bereits günstige Angebote gebe. "Kunden, die aktiv beim Anbieter tiefere Roaminggebühren verlangen, bekommen sie." Viele Kunden seien aber zu bequem und wehrten sich nicht. "Ich schätze, dass weniger als zwanzig Prozent der Privatkunden, die in die Ferien reisen, beim Anbieter günstigere Tarife für Telefongespräche und SMS anfordern", sagte Beyeler. Die Anbieter könnten dann sagen: Wir machen etwas, aber unsere Kunden wollen es nicht. (sda/lvb)

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