Konsumenten­schutz klagt bei Weko gegen Apple-Pay

6. Juli 2016, 08:40
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Apple will seine Mobile-Payment-App Apple Pay --http://www.

Apple will seine Mobile-Payment-App Apple Pay in der Schweiz demnächst lancieren. Weil der iPhone-Hersteller andere Anbieter von Bezahllösungen aussperrt, hat die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) gestern Klage bei der Wettbewerbskommission (Weko) eingereicht.
SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder bestätigte der Nachrichtenagentur 'sda' eine entsprechende Meldung des 'Blick'. In der Klage fordert die SKS die Weko auf, den Markt der Bezahl-Apps unter die Lupe zu nehmen. Die Stiftung fordert gleich lange Spiesse für alle Anbieter. Die Technologie müsse allen offenstehen. Sie hoffe, dass die Weko nicht kusche vor einem marktbeherrschenden Weltkonzern, sagte Stalder.
Apple verweigert anderen Anbietern von Bezahl-Apps wie Twint bis anhin den Zugriff auf die NFC-Schnittstelle. Nur Apple Pay wird die Kommunikation via Near Field Communication erlaubt. Dabei wäre dies die einfachste und schnellste Technologie. Das Hinhalten des Handys an den Zahlterminal genügt, dass Öffnen einer App oder Scannen eines Codes entfällt. Da auch Kreditkarten die NFC-Technologie unterstützen, sind viele Geschäfte zudem bereits mit einem entsprechenden Terminal ausgestattet.
Weko will zunächst beobachten
Die Weko bestätigte am Mittwoch den Eingang der Klage. Die Problematik sei der Behörde bekannt, sagte Weko-Sekretariat Vizedirektor Olivier Schaller auf Anfrage. Die Wettbewerbsbehörden werden zur Zeit kein Verfahren einleiten, sondern beobachten, wie sich der Markt entwickelt.
Ob Apple dereinst von der Weko gezwungen werden könnte, die NFC-Schnittstelle freizugeben, liesse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, sagte Schaller weiter. Im Fall einer Verfahrenseröffnung wäre erstens zu prüfen, ob eine marktbeherrschende Stellung und zweitens ob ein missbräuchliches Verhalten vorliegen würde. Dann stünde den Wettbewerbsbehörden eine Reihe von Möglichkeiten offen, um das Wettbewerbsrechtlich problematische Verhalten zu beenden, sagte er.
Ein Ende der Monopolisierung der NFC-Schnittstelle forderte unlängst auch Urs Rüegsegger, Chef der Finanzdienstleisterin SIX. Der Konzern ist neben den fünf grössten Schweizer Banken und den Detailhändlern Coop und Migros einer der Besitzer von Twint. "Es wäre auch interessant zu hören, was die Wettbewerbsbehörde dazu sagt. Wir denken Apple betreibt hier eine Behinderung des Wettbewerbs", sagte Rüegsegger vergangene Woche der 'sda'. Die starke Verbreitung von NFC in der Schweiz seit der Einführung der kontaktlosen Kreditkarten zeige, dass die einfache Handhabung einem klaren Kundenbedürfnis entspreche.
Wegen der Konkurrenz von Apple hatten sich die beiden Schweizer Anbieter Twint und Paymit Ende Mai zusammengeschlossen. Die gemeinsame Lösung, die die Vorteile beider Systeme vereint, wird Twint heissen. (sda/kjo)

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