Koreakrise belastet Börsen und Rohstoffe

23. November 2010, 15:57
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Nach der Behauptung vom Wochenende, über eine Wiederaufbereitungsanlage für Uran und damit die Möglichkeit für den Bau von Atombomben zu verfügen, hat Nordkorea heute (am 23.

Nach der Behauptung vom Wochenende, über eine Wiederaufbereitungsanlage für Uran und damit die Möglichkeit für den Bau von Atombomben zu verfügen, hat Nordkorea heute (am 23. November 2010) mit dem Angriff auf eine grenznahe südkoreanische Insel gleich noch eine Schockwelle durch die Weltgemeinschaft gesandt und damit auch durch die Börsen, vor allem die in Asien. Da viele Anleger sich in Krisenwährungen wie den Dollar oder Schweizer Franken flüchten, sind auch die Rohstoffpreise stark unter Druck geraten.
Unterschiedlichen Pressemeldungen zufolge wurden eine Stunde lang bis zu 200 Granatengeschosse auf Yeonpyeong abgefeuert, wobei zwei Marinesoldaten gestorben sein sollen und viele Menschen, darunter auch Zivilisten verletzt worden sein sollen. 60 bis 70 Häuser der Insel wurden zerstört. Von den 1.200 bis 1.300 Einwohnern sollen sich einige auf Fischkuttern gerettet haben, die Mehrzahl aber in Bunkern. Das südkoreanische Militär hatte die Schüsse sofort erwiedert und nordkoreanische Artilleriestellungen unter Beschuss genommen, berichtet die deutsche ‚Welt online‘.
"Droht jetzt ein zweiter Korea-Krieg?", fragt 'Bild.de'. Tatsächlich hat das südkoreanische Militär mitgeteilt, dass es die höchste Alarmstufe seit dem Bruderkrieg (1950-1953) ausgerufen hat. Wer jemals in Südkoreas Hauptstadt Seoul, 50 km südlich des kommunistischen Nordens war, wird eine reiche, moderne Metropole erlebt haben, aber auch eine, die sich noch nicht gänzlich von den ständigen Bombenhageln vor nunmehr fast 60 Jahren erholt hat.
Südkoreas Präsident Lee Myung Bak hat erst zu beschwichtigen versucht, indem er wissen liess, dass der Granatenangriff aus Nordkorea wahrscheinlich eine Reaktion auf ein Militärmanöver war und er alles tun werde, um eine Eskalation zu vermeiden. Anschliessend hat er sich mit seinem Stab aber zu Beratungen in einen Bunker zurückgezogen und für den Fall eines weiteren Angriffs mit einem drastischen Gegenschlag gedroht. Nordkorea steht dagegen auf dem Standpunkt, dass Südkorea der Erstaggressor war.
Seoul, wie gesagt nur 50 km von der nordkoreanischen Grenze entfernt, ist Hauptsitz der meisten börsenkotierten Unternehmen Südkoreas, allen voran der grossen Mischkonzerne (Jaebol) Samsung, LG und Hyundai. Samsung allein soll rund 40 Prozent des südkoreanischen Exportvolumens bestreiten. Wenn es wirklich zu einem erneuten Koreakrieg käme, hätte das immense Auswirkungen, nicht nur auf die Wirtschaft Südkoreas, sondern der ganzen Welt. Auch die globale IT-Industrie würde direkt extrem in Mitleidenschaft gezogen. Nicht auszudenken zum Beispiel, wenn die Fabriken der Speicherchipriesen Samsung und Hynix in die Luft fliegen würden oder die LCD-Panel-Anlagen von Samsung und LG Display oder die Werke von POSCO, immerhin viertgrösster Stahlerzeuger der Welt. Allein schon deswegen hat das rohstoffhungrige China wohl ein starkes Interesse daran, dass Seoul und Pjöngjang den neuen Konflikt nicht eskalieren lassen. Abgesehen davon ist Südkorea bei allen Differenzen auch einer der wichtigsten Wirtschaftspartner der Volksrepublik.
Die Staatengemeinde ist natürlich ebenfalls alarmiert und versucht zu vermitteln. China hat sich „sehr besorgt“ über Nordkoreas Granatenbeschuss der südkoreanischen Insel gezeigt und forderte die gegnerischen Seiten zu den Sechs-Parteien-Gesprächen zurück, Russland bezeichnete die Gewaltanwendung als inakzeptabel und rief beide Seiten zur Mässigung auf. Ähnlich äusserten sich auch die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton, der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle und andere Politiker rund um den Globus. David Böcking von der 'Financial Times Deutschland' (FTD) sieht China in der Pflicht, den Bündnispartner Nordkorea zurückzupfeifen. Die Schweizer 'Blick .ch' fragt, was der irre Dikator (Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Il) vorhabe.
Scharmützel bis handfeste Konflikte hat es seit dem Bruderkrieg Anfang der 1950er immer wieder gegeben, zumal Nordkorea die von der UNO gezogene Seegrenzlinie nie anerkannt hat. Erst Ende März 2010 ist nach einer zunächst ungeklärten Explosion im Gelben Meer eine südkoreanische Korvette gesunken, wobei 46 Seeleute starben. Eine internationale Untersuchung kam zu dem Schluss, dass das Marineschiff durch ein nordkoreanisches Torpedo versenkt wurde. Die erste Seeschlacht seit Ende des Krieges war 1999, wobei ein nordkoreanisches Schiff mit 20 Seeleuten versenkt wurde. Dabei gab es auch immer wieder Hoffnungen auf eine friedliche Annäherung oder gar Wiedervereinigung. So nah wie am 4. Oktober 2007 war man sich nie. Damals haben beide Seiten sogar eine Friedenserklärung unterschrieben.
Die Angst vor einem neuen Koreakrieg hat den Kurs klassischer Fluchtwährungen prompt in die Höhe getrieben. "Die Nachrichten aus Korea lassen Anleger nach einem sicheren Hafen suchen, davon profitieren der Dollar und der Schweizer Franken", zitiert 'FTD' Jane Foley, Währungsexpertin der Rabobank in London. Der steigende Dollar wiederum hat dazu geführt, dass die Preise für Rohstoffe in den Keller gingen, zumal sich viele Anleger in weniger riskante Märkte flüchten werden. Das hat auch bewirkt, dass der deutsche Leitindex DAX nach den Nachrichten aus Südkorea zunächst um 0,78 Punkte eingebrochen war, aber weit mehr belastet werden die europäischen Börsen durch Irland beziehungsweise die allgemeine Schuldenkrise in der EU.
Die südkoreanische Finanzaufsicht hat derweil ein Beobachterteam eingesetzt, um allzu grosse Turbulenzen auf dem einheimischen Aktienmarkt zu vermeiden. Die Nachricht von dem Beschuss der Insel Yeonpyeong erreichte die Börse in Seoul erst zwei Minuten vor Handelsschluss. (Klaus Hauptfleisch)

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